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Equipe bleu: 60 Jahre (Renault) Alpine

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Alpine A 110 vs. Porsche 911

So erfolgte der Ausbau des Alpine-Programms parallel zu den Veränderungen in der Renault-Palette: Auf die A106 als Coupé (1955) und Cabrio (1957) mit Renault-4-CV-Technik folgte die A108 (1957) mit Komponenten der Renault Dauphine, das 2+2-sitzige A108 Coupé mit eigenständig entwickeltem Zentralrohrrahmen (1959/60) und 1962 die A110 (1962) mit Antriebstechnik aus der Heckmotorlimousine Renault 8. „Über diese Alpine wird die Welt noch staunen“, erklärte der französische Sportauto-Spezialist Amedée Gordini, der für die A110 ein optionales 1,3-Liter-81-kW/110-PS-Triebwerk zulieferte. Tatsächlich sollte sich Gordinis Prognose bewahrheiten, sogar im Vergleich zum Porsche 911. An Stückzahlen konnte es die A110 zwar nie mit dem 1963 lancierten deutschen Heckmotor-Jahrhundertsportwagen aufnehmen, entstanden doch bis 1977 gerade einmal 7.500 Alpine A110. Aber die zierliche Französin wurde ebenso wie der Zuffenhausener schon zu Lebzeiten Legende. Eine 630 bis 710 Kilogramm leichte und bei offenem Auspuff soundgewaltige Fahrmaschine, die in finaler Ausbaustufe mit frisiertem 1600-S-Vierzylinder aus dem Renault 16 noch schneller war als der Porsche 911 S mit scharfem Sechszylinder-Boxer. So jedenfalls das Urteil der Fachpresse, die 1972 der Alpine 7,3 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 attestierte.

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Überdies war die enge und laute Berlinette 1600 S mit Preisen von 23.000 Mark immerhin ein Drittel billiger als der 911 S, leider aber doch zu kostspielig für große Stückzahlen. Ein Schicksal, dass die in Lizenz gefertigten Alpine für aufstrebende Autoländer wie Brasilien (Alpine Interlagos), Bulgarien (Bulgaralpine), Mexiko und Spanien ebenso teilten, wie das zwischen 1963 und 1969 produzierte 2+2-sitzige Coupé GT 4. Dafür gelang Alpine-Gründer Rédéle mit der A110 seine vielleicht verblüffendste sportliche Sensation: Im Jahr 1973 – Renault hatte die Sportwagenmarke gerade übernommen – errang die Equipe bleu die Rallye-Weltmeisterschaft vor Porsche oder Lancia. Obwohl Alpine auch bei vielen Formel- und Markenmeisterschaften die französischen Farben strahlen ließ, gilt der erste Rallye-WM-Titel bis heute als glanzvoller Zenit der Motorsportkarriere.

Der Luxussportler ist geboren

Daran vermochte auch die futuristisch gezeichnete A110-Nachfolgerin A310 nicht anzuknüpfen. Als eher kantiger Keil mit breiter Sechs-Scheinwerferfront provozierte die A310 bei ihrer Präsentation im Jahr 1971 alle traditionellen Alpine-Käufer. Zu beachtlichen Stückzahlen brachte es diese Französin erst ab 1977 durch ein 110 kW/150 PS leistendes 2,7-Liter-V6-Triebwerk. Mit mehr Gewicht und mehr Luxus widersprach die V6-Alpine zwar der ursprünglichen Philosophie Rédélés, aber durch die ebenfalls 1977 erfolgte Einstellung der A110 zwang sie viele Markenfans zur Umstellung. Dabei war dies nur der erste Schritt auf dem Weg in das Segment der Luxussportler, den Alpine mit der Einführung von V6 GT und V6 Turbo im Jahr 1985 und der finalen A610 von 1991 verfolgte.

Die bis zu 184 kW/250 starken 3,0-Liter-Biturbo-V6 fegten jetzt mit 265 km/h über die Autobahn und boten erstmals einen Langstreckenkomfort, wie ihn Vielfahrer verlangten. Verkaufszahlen in bislang nicht für möglich gehaltener Höhe wurden so erreicht, der Durchbruch zum ertragreichen Volumensportler gelang den zuletzt vom Kultdesigner Robert Opron geformten Nobelrennern aus der normannischen Plastik-Produktion aber trotz aller Anstrengungen nicht. Am Ende konnten nicht einmal das ebenfalls in Dieppe gefertigte Massenmodell Renault 5 Alpine und der Mittelmotor-Renner Renault 5 Turbo den Schlussstrich unter dem Kapitel Alpine abwenden. So kam es, dass die Alpine-Mitarbeiter ab 1995 vor allem familienfreundliche Renault Espace statt Sportwagen bauten. Umso größer war der Jubel, als ab 2012 erste Prototypen von einer Rückkehr der blau-weiß-roten Renner kündeten.

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