Klassische Fahrzeuge

Fahrbericht: Opel Commodore B

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Eher ein Cruiser

Wären da nicht diese anachronistischen Leistungswerte. Bei 115 Pferdchen unter der Haube würde ein heutiger Businessklasse-Kunde ganz schön verdutzt aus der Wäsche gucken. Und trotz leichter Karosse – der Commodore wiegt kaum 1,2 Tonnen – ist eher Gemächlichkeit angesagt. Das Schaltgetriebe lässt sich zwar leichtgängig bedienen, aber der dürre Hebel muss einiges an Weg zurücklegen, bis er einrastet. Wer nach einer 118 kW/160 PS-Variante Ausschau hält, bekommt mehr Dampf und kann es mit schwerem Gasfuß im wahren Sinne des Wortes an der Hinterachse qualmen lassen.

Wirft man einen Blick in eine alte Commodore-Preisliste, findet sich der Punkt „Servolenkung“ unter der Serienausstattung, was in den Siebzigern gemeinhin keineswegs normal war. Dennoch muss man kräftig an dem großen Kranz kurbeln, um die hinterradgetriebene Limousine zu rangieren. Während der Fahrt geht dann alles recht fluffig – das luxuriöse Gefährt bleibt aber ein Cruiser. Der Starrachser ist kein Kurvenräuber und will es auch gar nicht sein. Alleine die GSE-Varianten sollten drahtiger daherkommen und warteten serienmäßig mit einem „Bugspoiler“ auf.

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Wandlerautomat mit drei Fahrstufen

Beim GS wurden dafür ganze 162 Mark fällig. Wenn man heute einen Commodore B mit schwarz lackierter Motorhaube sieht: Das muss keineswegs ein nachträglicher Eingriff sein – für 95 Mark hat der Hersteller den vorderen Deckel entsprechend lackiert. Gegen 610 Mark Aufpreis wurden die großen Rüsselsheimer mit einer Differenzialsperre ausgerüstet, die Opel-Ingenieure hegten offenbar durchaus querdynamische Pläne mit ihrem Sechszylinder. Daher hatte das Topmodell vorsorglich auch an der Hinterachse Bremsscheiben, während die Basis hier mit Trommeln Vorlieb nehmen muss. Für 127 Mark gab es einen beheizbaren Fahrersitz, damals wohl eine der exotischen Optionen. Richtig gut zu Gesicht steht dem Commodore die Wandlerautomatik mit drei Fahrstufen. Die sorgt zwar nicht unbedingt für bessere Fahrleistungen, doch man kauft ihn aus heutiger Sicht ohnehin nicht wegen der Performance.

Apropos kaufen. Es gibt in den einschlägigen Internet-Börsen zwar schon ein paar versprengte Commodore B, aber sie sind grundsätzlich rar geworden. Und wer ein gutes Exemplar ergattern will, sollte sich in den Kreisen der Clubs und Fans umhören. Gute Coupés gehen gut und gerne für jenseits der 10.000 Euro über den Ladentisch.

Chronik des Opel Commodore B

  • 1972: Der Opel Commodore B kommt auf den Markt
  • 1973: Einführung der Vergaser-Modelle mit 2,8 Litern Hubraum
  • 1975: Minimale Leistungsreduktion der 2,8-Liter-Modelle
  • 1977: Nach über 140.000 gebauten Commodore B ist Schluss

Technische Daten des Opel Commodore 2,5 S

Limousine der oberen Mittelklasse,

Länge: 4,61 Meter, Breite: 1,73 Meter, Höhe: 1,42 Meter,

Radstand: 2,67 Meter

2,5-l-Reihensechszyline-Ottomotor mit Zenith-Register-Fallstromvergaser,

85 kW/115 PS, maximales Drehmoment: 176 Nm bei 4.000 U/min,

0-100 km/h: 13,0 s, Vmax 175 km/h

Ehemaliger Neupreis (1976): ab 17.270 DM

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