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Entwicklung Fokus- und Führungswechsel bei EDAG

| Redakteur: Christian Otto

Der Entwicklungsdienstleister (EDL) EDAG stellt sich neu auf – und will damit den Geschäftsbereich Electrics/Electronics stärken. Dafür kommt mit Cosimo de Carlo auch ein neuer CEO vom Mitbewerber Altran.

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EDAG setzt neue Schwerpunkte im Portfolio. Elektrifizierung und Vernetzung sollen in den Fokus gerückt werden. Dafür holt das Unternehmen auch einen neuen CEO.
EDAG setzt neue Schwerpunkte im Portfolio. Elektrifizierung und Vernetzung sollen in den Fokus gerückt werden. Dafür holt das Unternehmen auch einen neuen CEO.
(Bild: EDAG )

Für jene, die in der vergangenen Woche die Ad-hoc-Meldung übersehen hatten, wartete auf dem IAA-Stand des Ingenieursdienstleister EDAG Engineering Group AG eine Überraschung: Nicht der bisherige CEO Jörg Ohlsen, sondern CFO Jürgen Vogt präsentierte die Innovationen des Unternehmens. Vogt hat die CEO-Position interimsmäßig inne, bis der Nachfolger von Ohlsen sein Amt antritt. Cosimo de Carlo heißt der Neue und ist kein Unbekannter: Bislang war er Group Vice President Automotive beim französischen Technologiedienstleister Altran.

Jörg Ohlsen muss seinen Platz als CEO der EDAG im Rahmen des Strategiewechsels räumen.
Jörg Ohlsen muss seinen Platz als CEO der EDAG im Rahmen des Strategiewechsels räumen.
(Bild: EDAG )

Der personelle Wechsel ist Teil einer durch den Verwaltungsrat forcierten strategischen Re-Fokussierung des EDAG-Portfolios. Man will sich „zukunftsorientiert“ aufstellen. Deshalb soll künftig der Geschäftsbereich Electrics/Electronics (E/E) als zentrales Thema gestärkt werden. Der EDL soll laut dem Kontrollgremium auf drei starken, ausgewogeneren Säulen stehen. Deshalb bleiben die beiden Bereiche Vehicle Engineering (VE) und Production Solutions (PS) unverändert zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie.

Internationalisierung beschleunigen

Allerdings wird der für diese Neuausrichtung gewonnene Cosimo de Carlo nicht sofort übernehmen. Laut Pressemitteilung wird er sein Amt innerhalb der nächsten zwölf Monate antreten. Eine weitere Aufgabe die dem CEO dann zukommen soll, ist die Beschleunigung der Internationalisierung und dabei auch der Ausbau der Aktivitäten in ausgewählten „best cost countries“.

Thomas Eichelmann, Verwaltungsratsvorsitzender von EDAG, sieht in dem kommenden CEO den richtigen Mann für den neuen Fokus: „Ich freue mich sehr, dass wir mit Cosimo de Carlo einen erfolgreichen Innovator und gut vernetzten Branchenexperten für EDAG gewinnen konnten. Er hat das richtige Profil, um die Veränderungen bei EDAG erfolgreich voranzutreiben.“ Vor allem in den Bereichen Elektromobilität, Fahrzeugelektronik und -elektrik sowie Car-IT soll EDAG unter dem neuen Chef hinzugewinnen. Die Digitalisierung und Vernetzung des Fahrerlebnisses rückt somit stärker in den Mittelpunkt der Entwicklungsarbeit. Gleichzeitig sollen laut Eichelmann aber die Themen Leichtbau und die Gesamtfahrzeugentwicklung weiterhin stark gespielt werden.

Mehr Verantwortung an die Geschäftsbereiche

Durch die geplanten Veränderungen soll sich EDAG vom klassischen Ingenieurdienstleister noch stärker zu einem Anbieter für die Schlüsselbereiche des elektrifizierten und vernetzten Fahrens wandeln. Die unternehmerische Eigenverantwortung der Geschäftsbereiche soll dabei innerhalb des Unternehmens ebenfalls gestärkt werden. Ausgewählte Themen werden deshalb gezielt in internen Start-ups, zum Beispiel „trive.me“ entwickelt und vorangetrieben. Auch durch gezielte Akquisitionen will der Verwaltungsrat das Portfolio des Unternehmens ausbauen.

Cosimo de Carlo wechselt von Altran zur EDAG. Bei den Franzosen arbeitete er seit dem Jahr 2001 in diversen Führungsfunktionen. Seit Mai 2015 verantwortet er als Group Vice President das weltweite Automobilgeschäft und ist gleichzeitig CEO für Deutschland, Österreich und die Tschechische Republik. In seiner bisherigen Funktion hat er bei Altran den Ausbau der Bereiche Elektromobilität, Konnektivität und Derivate-Entwicklung vorangetrieben – also genau jene Felder in denen sein neuer Arbeitgeber an Profil gewinnen möchte. De Carlo hat Wirtschaftsingenieurwesen und Wirtschaftsinformatik in Rom studiert. Zudem hat er an der Universität St. Gallen und der Harvard Business School Weiterbildungsprogramme im Bereich Strategisches Management absolviert.

Ohlsen bleibt im Gespräch

Sein Vorgänger Jörg Ohlsen könnte bei der EDAG künftig aber doch noch eine Rolle spielen. Zumindest lässt das Unternehmen verlauten, dass der Verwaltungsrat mit ihm in vertrauensvollen Gesprächen über eine mögliche weitere Zusammenarbeit steht.

EDAG zählt führende internationale Fahrzeughersteller sowie Automobilzulieferer zu seinen Kunden. Der EDL verfügt weltweit über rund 60 Standorte. Das Unternehmen erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz von 715 Millionen Euro und ein bereinigtes EBIT von 43,8 Millionen Euro. Ende 2016 beschäftigte der EDL 8.270 Mitarbeiter in 19 Ländern.

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