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Karriere GM-Designer Ed Welburn: Abschied nach 44 Jahren

| Autor/ Redakteur: SP-X/Michael Lennartz / Thomas Günnel

Über vier Jahrzehnte arbeitete Ed Welburn für den General-Motors-Konzern. Als er 2003 die Leitung des Konzerndesigns übernahm war er zudem der erste afro-amerikanische Design-Vorstand eines Automobilherstellers. Am 1. Juli geht der Car Guy in Ruhestand. Oder was man so Ruhestand nennt.

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Über vier Jahrzehnte arbeitete Ed Welburn als Designer für den General-Motors-Konzern. Am 1. Juli geht der Car Guy in den Ruhestand.
Über vier Jahrzehnte arbeitete Ed Welburn als Designer für den General-Motors-Konzern. Am 1. Juli geht der Car Guy in den Ruhestand.
(Foto: General Motors)

Mit Ed Welburn verabschiedet sich am 1. Juli einer der einflussreichsten Autodesigner der Neuzeit in den Ruhestand. Der 65-jährige „General Motors Vice President Global Design“, so sein offizieller Titel, ist zwar in Deutschland weitgehend nur automobilen Insidern bekannt und einen Eintrag über ihn sucht man etwa auf der deutschen Wikipedia-Seite vergebens – doch seine außergewöhnlichen Leistungen und Erfolge haben ihm weltweite Anerkennung und Wertschätzung eingebracht. Die General-Motors-Chefin Mary Barra charakterisierte ihn kürzlich als einen Mann „mit herausragenden Führungsqualitäten, der eine kreative und kundenfokussierte Kultur des Miteinanders unter den Konzerndesignern geschaffen und damit unsere globalen Marken entscheidend gestärkt hat“. Das klingt zunächst mal nach den üblichen schwülstigen Worten, die am Ende eines Berufslebens einem künftigen Ruheständler als verbaler Blumenstrauß überreicht werden. Bei Ed Welburn sind das allerdings keine Worthülsen. Schließlich arbeitet der Mann seit 44 Jahren bei General Motors (GM), leitet die Design-Abteilung seit 2003 und ist seit 2005 für jedes Konzernauto rund um den Globus verantwortlich. Also auch für sämtliche Produkte der Marke Opel.

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Netzwerk aus Designzentren

Seine größte Leistung war es sicherlich, dass er ein Netzwerk aus elf GM-Designzentren in sieben Ländern – USA, Deutschland, Südkorea, China, Australien, Brasilien und Indien – aufgebaut hat, in dem nahezu 3.000 Mitarbeiter als Team gemeinsam an einem globalen Design arbeiten. „Die wichtigste Lernphase ist meiner Laufbahn erlebte ich 1999, als ich ein Jahr lang in Wiesbaden lebte“, erzählt Ed Welburn, der als erster afro-amerikanischer Designvorstand eines Automobilherstellers in der Historie vermerkt ist. „Ich arbeitete im Design-Team für Chevrolet unter einem Dach mit den Opel-Kollegen in Rüsselsheim. Allerdings hatten wir kaum Kontakt.“ Eine falsche Arbeitsweise, wie er erkannte. Als er dann in die verantwortliche Position rückte, setzte er die weltweite Vernetzung der Design-Center schnellstmöglich in die Tat um. Denn schließlich mache das Design heutzutage den wesentlichen Unterschied zwischen den Marken aus. Die Gleichmacherei der 70er- und 80er-Jahre sei längst vorbei. Bei der Kooperation mit dem deutschen Design-Zentrum in Rüsselsheim lässt er dem Opel-Team um Chefstylist Mark Adams, der sich gerade mit der Auszeichnung „Auto des Jahres“ für seinen Opel Astra schmücken konnte, weitgehend freie Hand. „Alles andere macht keinen Sinn“, sagt Ed Welburn, der bei seiner Abschiedstour rund um den Globus gerade in Rüsselsheim zu Gast war. „Schließlich kann keiner die Entwicklungen vor Ort besser erkennen und umsetzen, als Leute, die hier leben.“

Einer mit „Benzin im Blut“

Tatsächlich spielen Opel-Fahrzeuge eher eine Nebenrolle, wenn von Welburns schöpferischem Erbe und den von ihm kreierten und vielfach prämierten Stilikonen die Rede ist. Immerhin finden Konzeptfahrzeuge wie der Opel Flextreme, die Monza-Studie und vor allem das gerade erst in Genf präsentierte GT Concept in den Würdigungen Erwähnung. Es geht allerdings eher um US-Brummer wie den Hummer H3, den Cadillac Escalade, die ausladenden Chevrolet-Modelle Silverado und Tahoe oder die Sportwagen Camaro und Corvette. Kein Wunder, wenn man weiß, welch Schlüsselerlebnis der Wegbereiter für die große Designer-Karriere war. „Mit acht Jahren habe ich auf einer Autoshow in meiner Heimatstadt Philadelphia dieses atemberaubende Konzeptfahrzeug Cadillac Cyclon gesehen“, erzählt der erst sechste Design-Vorstand in der GM-Geschichte. „Von da an war mir klar: Ich will Autodesigner werden, und zwar bei diesem Konzern.“ Zwölf Jahre später wurde dieser ehrgeizige Plan Wirklichkeit. Ed Welburn ist das, was man einen „Car Guy“ nennt. Einer mit Benzin im Blut, der sich schon jetzt darauf freut, im Juni mit einer Corvette Z06 von Rom nach Le Mans zu fahren, um noch vor dem Langstrecken-Klassiker mit der leistungsstärksten Serien-Corvette aller Zeiten, die mit einem 659 PS starken 6,2-Liter-V8-Kompressormotor aus Aluminium bestückt ist, ein paar Runden auf dem Rennkurs in der Normandie zu drehen. Bevor er dann im Juli sein Rentner-Dasein antreten wird.

Nachfolger ist Michael Simcoe

Wirklich anfreunden kann er sich mit dem neuen Lebensabschnitt noch nicht, auch wenn er schon heute mit der Ruhe und Gelassenheit des Alters spricht. Seine hellwachen Augen verraten aber die Energie, die nach wie vor in ihm steckt. Er werde ganz bestimmt nicht seinen Alltag mit Angeln verbringen oder sich täglich irgendwelche Soaps im Fernsehen anschauen. „Ich werde an anderen Dingen arbeiten“, erklärt er, ohne Näheres zu verraten. Seine Vielseitigkeit außerhalb des automobilen Genres hat er ja bereits mit einer kleinen Rolle im Kinofilm „Transformers 4“ bewiesen. Auch mit dem Disney-Konzern arbeitete er bei der Errichtung der neuen Disney-World-Anlage in Shanghai zusammen und hat dort mit seinen Leuten eine Motorrad-Achterbahn entworfen, auf der er kürzlich eine erste „Abnahmefahrt“ unternommen habe. Nach echtem Ruhestand sieht das nicht aus. Das GM-Design leitet nach Welburn Michael Simcoe. Und setzt damit eine Tradition fort: Auch der bisherige Vizepräsident von GM Design in Korea und Australien ist bereits seit 1993 im Unternehmen.

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