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Fahrbericht

Hyundai i30 N TCR: Kundensport-Knaller made in Germany

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Breite Kotflügel, massive Bremsanlage

Ich fliege zum vierten Mal die wellige Start-Ziel-Gerade hinunter, da hält ein Mechaniker die Anzeigetafel über die Boxenmauer. „Pit in“ steht darauf geschrieben, nach einer langsamen Abkühlrunde geht es zurück in die Box, wo endlich der TCR-Renner auf den ungeduldigen Journalisten wartet. Schon optisch liegen Welten zwischen dem Straßenfahrzeug und der Rennversion. Breite Kotflügel beherbergen ausladende Slicks, hinter den weißen Felgen sitzt eine massive Bremsanlage mit geschlitzten Scheiben, jedoch ohne den trügerischen doppelten Boden eines Antiblockiersystems. Sowohl der breite Splitter an der Front als auch der gewaltige Flügel am Heck des i30 N TCR pressen den Tourenwagen in schnellen Passagen auf den Boden, für mechanischen Grip sorgen exorbitante Sturzwerte, die für den Unwissenden eher nach Achsenbruch als nach Rennstrecken-Setup aussehen.

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Rein in den feuerfesten Anzug, Sturmhaube und Helm engen die Sicht ein, das unter Umständen lebensrettende „HANS“-System als Nackenstütze zwingt zum sturen Geradeausschauen. Gut, dass ich heute keinen Schulterblick üben muss. Die Sitzposition im i30 N TCR ist extrem tief, Motorhaube und Kotflügel können nur im Ansatz erahnt werden. Festgezurrt in den schraubstockartigen Sechspunkt-Hosenträgergurten erläutert der Renningenieur noch die Knöpfe auf dem Lenkrad und das Startprozedere, das mit einer Tastenkombination auf dem kleinen Touchpanel am Fahrzeugboden ausgelöst wird.

Waschechtes Rennauto mit 250 kW

„Main“, „Ignition“ und „Start“: Der Turbomotor, dessen heiser krächzende Stimme nur von einem Kat am Ende des schnurgeraden Rohrs unter dem Fahrzeug ganz leicht gedämpft wird, bellt sich in die Ohren der umstehenden Mechaniker. Kupplung treten und an der rechten Schaltwippe ziehen, dann legt ein pneumatisches System – das einzige in der TCR-Klasse – mit einem lauten „Klonk“ den ersten Gang ein.

Die harte Rennsportkupplung verlangt beim Anfahren viel Gefühl aber mit leichten Gasstößen rollt der TCR-Hyundai dann vom Boxenplatz. Im Kriechbetrieb hoppelt der i30 langsam umher, hier fordern das mechanische Sperrdifferenzial und der lange erste Gang ihren Tribut. Am Boxenausgang muss nur noch der Geschwindigkeits-Begrenzer deaktiviert werden, dann schießt der 250 kW/340 PS starke i30 N TCR nach vorne. Ab hier fällt es schwer, den Fahreindruck in einigermaßen verständliche Worte zu fassen. Egal ob es die brutal zupackende Bremse vor der Kurve, das ultradirekte Einlenken um den Scheitelpunkt herum oder die beeindruckende Traktion aus den engen Ecken heraus ist: Der i30 N TCR ist ein waschechtes Rennauto. Aber eines, das den Fahrer fordert, ohne ihn zu überfordern – Ermutigt, ohne übermutig werden zu lassen. Der Hyundai animiert zum Schnellfahren, will hart rangenommen werden und gibt erst am Limit das Maß an Feedback zurück, das für wirklich schnelle Rundenzeiten nötig ist.

„Geniales Spielzeug“

Ein Trainingseffekt stellt sich ein. Runde um Runde verschiebt sich der Bremspunkt vor der ultraschnellen ersten Rechtskurve um ein paar Meter nach vorne. Ups – das waren ein paar Meter zu viel: Der i30 N TCR wird nach außen getragen, plötzliches Gaslupfen verwandelt das Untersteuern in einen spektakulären Drift, der sich mit beherztem Einsatz am Volant und auf der Pedalerie allerdings spielerisch wieder abfangen lässt. „Pit in“, Abkühlrunde und zurück in die Box. Tarquini kommt ans Auto, lobt für die gesunde Härte auf der Rundenhatz und tadelt für die kurz stehenden Räder auf der Bestzeitenjagd – schelmisch zwinkernd.

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Ich bleibe noch kurz sitzen, lasse die letzte Viertelstunde im Kopf Revue passieren. Die italienische Sonne und die enorme Abwärme des Motors haben meinen feuerfesten Anzug in einen nassen Sack verwandelt. Ich bin erschöpft. Aber glücklich. Was für ein geniales Spielzeug.

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