Politik Kommentar: „Zurück in die Realität!“

Von Claus-Peter Köth

Das EU-Parlament hat für ein Ende des Verkaufs von Neuwagen mit Verbrennungsmotoren ab dem Jahr 2035 gestimmt. Wie weit weg von der Realität sind die Befürworter eigentlich?

Claus-Peter Köth, Chefredakteur des Fachmediums Automobil Industrie: „Die E-Mobilität wird ohne Subventionen noch lange nur für wohlhabende Länder eine ernsthafte Alternative sein.“
Claus-Peter Köth, Chefredakteur des Fachmediums Automobil Industrie: „Die E-Mobilität wird ohne Subventionen noch lange nur für wohlhabende Länder eine ernsthafte Alternative sein.“
(Bild: Stefan Bausewein)

Ich war gerade eine Woche auf Rhodos, mal etwas ausspannen und nicht über die radikale Transformation der Autobranche berichten. Die mit Spannung erwartete Abstimmung des EU-Parlaments zum Verbot des Verbrennermotors ab 2035 ist mir jedoch nicht entgangen – nicht zuletzt dank der »Automobil Industrie«-Kollegen zuhause. Mein erster Gedanke: Wie weit weg sind die Befürworter eigentlich von der Realität? Was für eine Dummheit, eine funktionierende Technologie zu stoppen, statt sie weiter zu optimieren, sie klimaneutral zu stellen.

In unserer Hotelanlage auf Rhodos habe ich gerade mal ein E-Auto gesehen – von den Elektro-Trolleys zum Transport der Gäste und deren Gepäck mal abgesehen. Auf der Nachbarinsel Chalki wurde uns berichtet, dass mindestens wöchentlich der Strom ausfällt und dann mit so viel Power zurückkehrt, dass nicht ausgestöpselte Elektrogeräte kaputt gehen. Und Rhodos ist EU-Land: Wie die Stromversorgung in weiten Teilen Afrikas, Asiens, Mittel- und Südamerikas aussieht, brauche ich Ihnen nicht erzählen.

Kein überschüssiger grüner Strom für E-Fahrzeuge

Überschüssigen grünen Strom für E-Fahrzeuge wird es in diesen Ländern/Regionen in vielen Jahrzehnten noch nicht geben, geschweige denn eine funktionierende Ladeinfrastruktur. Meines Erachtens sollte Grünstrom dort ohnehin erst einmal an den Stellen eingesetzt werden, wo es um die Lebensgrundlage der Bevölkerung geht – auf Rhodos zum Beispiel in den Stromgeneratoren der Hotels.

Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Ich finde die E-Mobilität gut und richtig, aber sie wird – ohne Subventionen – noch viele, viele Jahre nur für die wohlhabenden Länder und die Besserverdienenden eine ernsthafte Alternative zur bestehenden Verbrenner-Technologie sein. Mit synthetischen Kraftstoffen hingegen ließe sich auch der Fahrzeugbestand nachhaltig optimieren – weltweit.

Entscheidend ist doch, dass eine Technologie in ihrer CO2-Gesamtbilanz, also von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung, eine klimafreundliche Bilanz aufweist. Aus diesem Blickwinkel stellt der effiziente Verbrennungsmotor, betrieben mit synthetischen Kraftstoffen oder Wasserstoff durchaus eine Alternative dar.

Jetzt sind die EU-Mitgliedsstaaten gefordert. Bleibt es beim Verbrennerverbot erwarte ich in den Jahren 2030 ff. eine Sonderkonjunktur für Diesel- und Benzinfahrzeuge.

Und wer weiß, ab 2035 ff. vielleicht sogar eine Renaissance des Verbrenners, wenn die heutigen Befürworter des Verbots feststellen müssen, dass es für Elektro-Pkw, E-Lkw und E-Busse etc. nicht genügend Grünstrom samt Ladeinfrastruktur gibt, geschweige denn verfügbare und bezahlbare Rohstoffe. Mit dem Wermutstropfen, dass wir diese Motoren dann aus China oder Japan importieren werden müssen.

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