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Werkstoffe Materialien im Automobil: Textilhülle statt Blech

| Redakteur: Christian Otto

Das Automobil der Zukunft wird sich aufgrund neuer Megatrends wie dem autonomen Fahren in seiner Nutzung wandeln. Gleichzeitig muss damit auch der Einsatz von Material im Fahrzeugbau hinterfragt werden, fordert der Zukunftsforscher Thomas Strobel.

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In der Forschung schon verwirklicht: Der in eine Motorhaube integrierte Fußgängeraufprallschutz aus 3D-Textilien – ein Projekt Aachener und Dresdner Textilforscher.
In der Forschung schon verwirklicht: Der in eine Motorhaube integrierte Fußgängeraufprallschutz aus 3D-Textilien – ein Projekt Aachener und Dresdner Textilforscher.
(Foto: S. George )

Strobel, Münchner Nachhaltigkeitsexperte und Geschäftsführer der FENWIS GmbH, hat aus seinen branchenübergreifenden Projekten im Auftrag der Textil- und Papierindustrie, auch für den Automobilbau der Zukunft einige Ideen abgeleitet. Sie betreffen material- und nutzertechnische Veränderungen, die den Pkw von übermorgen innerlich wie äußerlich stark verändern könnten.

Thomas Strobel glaubt, dass das Auto von morgen textiler wird.
Thomas Strobel glaubt, dass das Auto von morgen textiler wird.
(Foto: M. Richter )

Weil das Automobil mittelfristig auf dem Weg zum autonom gesteuerten Fahrzeug ist, müssten laut Strobel nicht nur Fahrschulen, Einsatzleiter von Polizei-Radarmesswagen und Punkte-Hüter in Flensburg umdenken. „Ohne menschliche Fehler, die laut Statistik heute für 90 Prozent aller Unfälle verantwortlich sind, kann und muss das Thema Fahrzeugsicherheit komplett anderes gedacht werden“, regt er an.

Textile Außen-Airbags

Materialintensive Knautschzonen heutiger Bauart seien dann beispielsweise überflüssig. Damit stelle sich für den Maschinenbauingenieur die Frage: „Wann beginnen wir in der Konstruktion mit dem ‚Rückbau‘ und forcieren dafür angemessenen recyclebaren Leichtbau?“ Kommen leichtere Autos, muss auch die Aufprallsicherheit anders garantiert werden. Dafür bringt der 51-Jährige textile Außen-Airbags ins Gespräch, die im Ernstfall auch den Schutz grundsätzlich „schwächerer“ Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Radfahrer und Nutzer von Kleinstfahrzeugen erheblich verbessern sollen.

Weil Sicherheit auch im Jahr 2040 weiterhin an erster Stelle stehen werde, könnte der Gesetzgeber künftig vorschreiben, dass in jedem Auto eine Außenkamera im Kühler integriert werde. Thomas Strobel sieht darin drei Vorteile: Neben einer lückenlosen und dann gerichtsfesten Dokumentation der Fahrt könne sich der ohnehin autonom chauffierte „Automitfahrer“ die Straße vor ihm via Bildschirm anzeigen lassen. Die Folge: Automobilhersteller könnten auf die für Steinschlag anfälligen Windschutzscheiben fast und auf die altmodischen Scheibenwischer mit rubbelnder und schmierender Gummilippe ganz verzichten.

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