Fahrbericht

McLaren P1: Von 0 auf 300 in 16,5 Sekunden

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V8 mit 737 PS plus 179 elektrische PS

Der Treibsatz für diesen Höllenritt steckt im Heck direkt im Nacken der beiden Insassen – und macht ein infernalisches Spektakel. Denn für ihr Flaggschiff haben die Briten den 3,8-Liter großen V8 aus dem 12C noch einmal kräftig überarbeitet. Mit Hilfe zweier Turbos holen sie nun 543 kW/737 PS und bis zu 720 Nm aus dem Renntriebwerk, das beim Kickdown so laut und ungehobelt brüllt wie ein Kampfjet beim Start.

Doch der McLaren beherrscht auch die leisen Töne: Denn genau wie der Porsche 918 Spyder ist er im Grunde ein Plug-In-Hybrid. Zum V8-Benziner trägt eine E-Maschine weitere 132 kW/179 PS und 260 Nm bei. Mit dem Lithium-Ionen-Akku kann, wenn es sein muss, immerhin gute zehn Kilometer rein elektrisch gefahren werden.

Dabei ist er zwar kaum weniger flott unterwegs, beschleunigt in etwa 8,4 Sekunden auf Tempo 100 und schafft weit über 150 km/h. Aber anders als Porsche geht es McLaren bei diesem Antrieb nicht mal im Geringsten um Effizienz oder Emissionen, selbst wenn sich damit der Verbrauch auf 8,3 Liter und der CO2-Ausstoß auf 194 g/km schönrechnen lassen.

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Nur die Performance zählt

Worauf es den Briten beim P1 einzig und allen ankommt, das ist die Performance. Und welchen Beitrag dafür die E-Maschine leistet, beweist nichts eindrücklicher als das IPAS-Knöpfchen im Lenkrad. Wer zuvor in den Boost-Modus gewechselt und die E-Maschine so in die Zwangspause geschickt hat, der kann sich die zusätzliche Kraft damit auf Knopfdruck zurückholen: Von jetzt auf sofort und für schier endlose 30 Sekunden hämmert der P1 dann mit der vereinten Kraft beider Triebwerke voran und presst einem auch noch die letzte Luft aus den Lungen: Major Tom im Tiefflug – ein Katapultstart auf dem Flugzeugträger kann dagegen nur ein Klacks sein.

Und das IPAS-Knöpfchen ist nur eines von zweien, die im Lenkrad locken. Denn auf der linken Seite gibt es einen zweiten Taster, der mit DRS beschriftet ist und fast die gleiche beschleunigende Wirkung hat. DRS steht für Drag Reduction System und lässt den Heckflügel in wenigen Sekundenbruchteilen in sich zusammen fallen. Das wirkt bei Vollgas, als würde dem P1 von jetzt auf sofort eine Last von 600 Kilo genommen und gibt dem Fahrer einen besonderen Kick, den er besser nicht in den Kurven ausprobiert. Nur gut, dass man kaum die Bremse antippen muss, damit der Flügel wieder hochschnellt und seinen segensreichen Beitrag zur Stabilität leistet.

Eine Karosserie aus Karbon, ein Fahrwerk wie im Rennwagen, Bremsen mit endzeitlicher Verzögerung, ein Motor mit schier unversiegbarer Leistung und einem elektrischen Boost, der das KERS aus der Formel 1 zum Kinderspielzeug stempelt und dazu noch Kurvengeschwindigkeiten an der Grenze zur Zauberei – viel näher als mit dem McLaren P1 kann man dem Formel 1-Gefühl kaum kommen.

Ausverkauft

Allerdings hat dieses Vergnügen auch seinen Preis. Denn der P1 ist nicht nur einer der faszinierendsten Sportwagen dieser Zeit, sondern mit seinen 1.067.000 Euro auch einer der teuersten. Dem Erfolg tut das offenbar keinen Abbruch: Alle 375 angekündigten Exemplare sind bereits verkauft und die Liste der möglichen Nachrücker umfasst auch schon wieder 50 Namen. Sie alle hoffen, dass einer der bestätigten Kunden wieder abspringt, weil ihn eine Scheidung oder ein Aktiendeal teuer zu stehen kommt. Anders dürfte es nichts werden, mit dem Platz hinter dem Steuer des P1, sagt McKenzie und gibt sich ziemlich unbeirrbar. An der limitierten Stückzahl wird nicht gerüttelt und auf einen frühen Nachfolger braucht man nicht zu hoffen: „So ein Auto baut man nicht alle Tage.“

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