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Neue Modelle Mitsubishi Pajero: Urgestein auf Abwegen

| Autor / Redakteur: Wolfgang Sievernich / Wolfgang Sievernich

Der Mitsubishi Pajero ist in seiner vierten Generation seit 2007 auf dem Markt und soll erst 2020 durch einen Nachfolger ersetzt werden. Wie sich das aktuelle Modell schlägt und ob er sich mit SUV messen kann, haben wir in einem ausführlichen Test erfahren.

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Der Mitsubishi Pajero gehört zu den Urvätern des heutigen SUV-Booms, ist aber selbst noch ein waschechter Geländewagen.
Der Mitsubishi Pajero gehört zu den Urvätern des heutigen SUV-Booms, ist aber selbst noch ein waschechter Geländewagen.
(Bild: Mitsubishi)

Der Mitsubishi Pajero gehört zu den Urvätern des heutigen SUV-Booms, ist aber selbst noch ein waschechter Geländewagen. 1982 erstmals eingeführt ist er heute in der vierten Generation auf dem Markt und gilt neben der Mercedes G-Klasse, dem Toyota Landcruiser und dem 2016 eingestellten Land Rover Defender als einer der letzten echten Geländekraxler auf unseren Straßen. Erhältlich ist er in als Drei- und Fünftürer und fand im vergangenen Jahr 2.144 deutsche Neuwagen-Käufer.

Mit heutigen SUV hat der Mitsubishi Pajero kaum mehr etwas gemein. Beliebt bei Jägern ob seiner Geländeeigenschaften sowie bei Reit- und Segelfreunden als Zugwagen für schwere Anhänger ist der Pajero eher ein Typ fürs Grobe und im Gegensatz zu den meisten SUV eher abseits der Straßen anzutreffen. Nicht umsonst werden laut Mitsubishi mehr als 90 Prozent der Modelle mit Anhängerkupplung verkauft, die Zielgruppe weiß seine Qualitäten offensichtlich zu schätzen. Obwohl der Fünftürer den Löwenanteil des Absatzes ausmacht, haben wir uns dem selteneren Dreitürer zugewandt und testen den 3,2 Liter Diesel mit Automatik. Der Vierzylinder produziert eine Leistung von 190 PS/140 Kilowatt, für den Vortrieb sorgt ein Turbodiesel-Direkteinspritzer mit Ladeluftkühler und Fünfgang-Automatikgetriebe.

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Herausragende Bergsteiger-Eigenschaften

Hochbeinig steht der Pajero vor uns auf dem Platz: Mit 700 Millimeter Wattiefe lassen sich kleinere Flüsse und Bäche durchqueren, mit einem Rampenwinkel von 70 Grad an der Front auch steile Hänge hocharbeiten. Der Allradantrieb mit Viskosperre, vier Fahrmodi für unterschiedliche Fahrbahnbedingungen und eine Traktionskontrolle unterscheiden den Geländewagen von den martialisch aussehenden, aber zumeist weich gespülten SUV deutlich. Er ist ein Arbeitstier, gebaut für die Natur und nicht den Stadtverkehr – das zeigt sich im Testbetrieb anschaulich. Die Nickbewegungen der Karosserie beim Bremsen, der große Wendekreis von 10,6 Metern, die gefühllose Lenkung, die erkennbar schaltende Automatik oder der Testverbrauch von bis zu 12 Litern Diesel lassen den 2,2 Tonnen schweren und nur 4,40 Meter kurzen Geländewagen dort fremd erscheinen. Damit übertrifft der Pajero die Werksangabe des durchschnittlichen Verbrauchs von 8,1 Liter Diesel auf 100 Kilometer sogar deutlich.

Innenraum etwas angestaubt

Obwohl es den Passagieren nicht an Komfort fehlt: Volllederausstattung und Wurzelholz im Lenkrad sowie der Mittelkonsole, ein 6,1 Zoll großer Touchscreen für das Infotainmentsystem mit Navigation, Radio-CD- und MP3. Das Soundsystem stammt von Rockford, ein elektrisches Glasschiebedach, Fernlichtassistent, Licht- und Regensensor sowie eine Rückfahrkamera sind nahezu auf dem neuesten Stand. Leider machen die kleinen Tasten des Infotainmentsystems die Bedienung kompliziert, die Zieleingabe im Navigationssystem blieb vor Fahrtantritt anfangs ein ungelöstes Rätsel der Bedienung. Außen hat Mitsubishi dem Pajero in der Top-Version Chrom an Trittbrettern, Außenspiegeln und Kühlergrill spendiert – und versprüht damit im Gesamteindruck ein wenig den Charme der Neunziger Jahre.

Von erhöhter Warte blicken wir auf den Verkehr hinab, das hektische Treiben und der Lärm der Großstadt gehen im wohligen Blubbern des großvolumigen Dieselmotors unter. Dass der auch auf der Autobahn eine gute Figur abgibt, zeigt sich bei der Höchstgeschwindigkeit von 180 Kilometern in der Stunde; doch treibt das den Verbrauch noch weiter in die Höhe, weswegen wir von derartigen Geschwindigkeitsexzessen im Testbetrieb lieber absehen.

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Enger Zugang für hintere Passagiere

Die Sitzposition geht auf den Frontsitzen auch für großgewachsene Redakteure in Ordnung, doch der Zugang zu den hinteren Sitzen gestaltet sich durch die Fronttüren schwierig. Typisch für Geländewagen ist das außen montierte Reserverad an der Hecktür. Die ist links angeschlagen und in engen Parklücken deswegen nur beschwerlich zu öffnen und der Kofferraum zu beladen. Mit 290 Litern Volumen ist der zudem klein, reicht aber für das Gepäck von zwei Personen, falls ein Vierbeiner nicht auch noch mit hinein muss.

Nachfolger erst 2020

Rund drei Jahre lang wird der heutige Pajero noch durchhalten, bevor die Japaner den Nachfolger für den großen Geländewagen der Marke vorstellen wollen. Auch wenn er in die Jahre gekommen ist, wer einen echten Geländegänger zum Bergsteigen sucht und fahrdynamische Nachteile sowie einen etwas angestaubten Innenraum verschmerzen kann, ist ab einem Einstiegspreis von 32.990 Euro für den Dreitürer und 44.990 Euro für die Top-Version dabei. Für alle anderen gibt es eine schier endlose Zahl an SUV, doch deren Terrain endet meist dort wo es beim Pajero gerade erst richtig losgeht.

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