Suchen

Lamborghini Monocoque aus CFK

| Autor / Redakteur: ar / Bernd Otterbach

Murciélago-Nachfolger: Die Zelle des künftigen Lamborghini-Flaggschiffs ist komplett aus Kohlefaser gefertigt und wurde als Monocoque-Struktur konstruiert.

Firmen zum Thema

Extreme und kompromisslose Supersportwagen in bester italienischer Tradition sind für Lamborghini gewissermaßen Ehrensache. Jetzt legt die Marke nach. Doch im Mittelpunkt stehen längst nicht mehr nur Beschleunigungswerte und Höchstgeschwindigkeiten. Das Thema aktuell heißt „Leistungsgewicht“. Den TechDay Leichtbau in Zusammenarbeit mit Audi nahm Lamborghini-Präsident Stephan Winkelmann heute zum Anlass, das Monocoque des Murciélago-Nachfolgers bereits vor der Weltpremiere in Genf zu enthüllen.

Man definiere die Zukunft seiner Sportwagen neu, sagte Stephan Winkelmann in Sant’Agata Bolognes. Im Vordergrund blieben selbstverständlich Design und Performance als die wichtigsten Kaufgründe. „Das Design war immer der erste Kaufgrund für einen Lamborghini – und wird es immer bleiben.“ Allerdings definiert man die Performance grundlegend neu. Die Höchstgeschwindigkeit sei nicht mehr so entscheidend, denn alle Supersportwagen schafften mehr als 300 km/h, erklärt Präsident und CEO von Automobili Lamborghini SpA. Handling und Beschleunigung seien wesentlich wichtiger. Ein entscheidender Faktor ist dabei das beide Faktoren beeinflussende Leistungsgewicht. Leistung allein steht bei Lambo nicht mehr im Mittelpunkt. Winkelmann: „Weil wir nicht noch höhere Geschwindigkeiten brauchen und weil die CO2-Emissionen auch für Supersportwagen eine Rolle spielen.“

Das Gewicht muss runter

Seit den 1980er-Jahren ist das durchschnittliche Gewicht aller Lamborghini-Modelle um etwa 500 Kilo gestiegen; eine Folge der Anforderungen an Sicherheit, Komfort und Emissionswerte. „Ein Trend, den wir dringend umkehren müssen. Da wir aber weder auf Sicherheit noch auf Komfort verzichten können, werden wir neue Materialien einsetzen“, sagt der Chef des Hauses, in dem Kohlefaser als Zauberwort gilt. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet man in Sant’Agata Bolognese mit diesem Werkstoff. Das Unternehmen unterhält in Sant’Agata Bolognese und Seattle Forschungslaboratorien. Man beherrsche eine Reihe von Technologien, „die uns für die Produktion von kleinen Serien in eine klare Führungsposition bringen“, sagt Winkelmann stolz und kündigt an, dass künftig bei jedem neuen Lamborghini Kohlefaser-Technologie zur optimalen Gewichtsreduzierung zum Einsatz kommen wird. So soll der neue Lamborghini V12 2011 ein völlig neues Kapitel in der Geschichte der Marke eröffnen.

Das innovative Monocoque des Murciélago-Nachfolgers aus Carbon-Composite-Materialien steht für die Schlüsseltechnologie für den Automobilbau von morgen, insbesondere für Hochleistungs-Sportwagen. Diese Werkstoffe haben nicht nur geringes Gewicht, sondern auch exzellente Werkstoffeigenschaften: Sie sind sehr leicht, extrem fest und hoch präzise. Zudem lassen sich in CFK hoch komplexe Bauteile mit integrierten Funktionen formen, was die Zahl der Einzelteile reduziert und damit wiederum Gewicht einspart und die Fahrzeuge verbrauchsärmer macht. Vor allem aber verbessert sich das Leistungsgewicht und damit die Performance. Ein Supersportwagen in CFK-Bauweise beschleunigt schneller, zeigt ein überlegenes Handling und bremst auch besser.

Die Zelle des künftigen Lamborghini-Flaggschiffs ist komplett aus Kohlefaser gefertigt und wurde als Monocoque-Struktur konstruiert. Die lasttragende Struktur des Fahrzeugs ist als eine Schale konstruiert. Sie wirkt physikalisch als einziges Bauteil. Damit lassen sich die Vorteile der extremen Steifigkeit der kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffe (CFK) optimal nutzen.

Rennwagen der Formel 1 werden seit Jahren in dieser Bauweise gefertigt und glänzen mit extremer Crashsicherheit. Dasselbe gilt für einen Straßensportwagen, der die Monocoque-Technologie nutzt: Die Passagierzelle aus Kohlefaser wirkt wie ein extrem sicherer Schutzkäfig.

Konstruktion bietet deutliche Vorteile

Das neue Lamborghini-Monocoque ist aus einer Reihe von Einzelteilen mit spezifischen Funktionen aufgebaut. Zu ihnen gehören auch aussteifende Elemente, die in Braiding-Technologie gefertigt werden. Sie gilt als eine der besten Technologien, um im Crashfall Energie zu absorbieren. Die gesamte Struktur wirkt wie ein einziges Bauteil, inklusive des Unterteils, der sogenannten Wanne (tub), und des kompletten Dachs.

Bei Lamborghini betont man die Vorteile der Voll-Monocoque-Bauweise, die andere Lösungen wie eine einfach auf die Wanne aufgeschraubte Dachkonstruktion nicht ermöglichen. Das gesamte Monocoque wiegt gerade mal 147,5 Kilogramm.

Neben der überlegenen passiven Sicherheit durch die extreme Festigkeit eines Kohlefaser-Voll-Monocoques überzeugt diese Bauweise auch durch hohe Torsionssteifigkeit. Das Monocoque ist vorn und hinten mit ebenfalls hochsteifen Hilfsrahmen aus Alu verbunden, an denen die Radführungen sowie Motor und Getriebe montiert sind.

Der gesamte Rohbau des künftigen V12-Modells wiegt lediglich 229,5 Kilogramm und besitzt dabei eine Torsionssteifigkeit von 35.000 Newtonmetern pro Grad Verdrehwinkel. Die Folge: eine überaus exakte Radführung und exzellente Lenkpräzision. Das neue Topmodell von Lamborghini folge den feinsten Lenkbewegungen mit faszinierender Präzision und bringe die Exaktheit eines perfekt abgestimmten Rennwagens auf die Straße, verspricht die Marke.

(ID:370917)