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China Market Insider Neue Sicherheitsstandards für Elektroautos in China

| Autor / Redakteur: Henrik Bork* / Jens Scheiner

China reagiert auf die sich häufende Anzahl der Brände von Elektroautos und erlässt Sicherheitsstandards für die drei Bereiche - Elektrofahrzeuge, Batterien für Elektrofahrzeuge und elektrische Passagierbusse. Die verpflichtenden Maßnahmen sollen ab dem 1. Januar 2021 in Kraft treten.

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Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet die »Automobil Industrie« regelmäßig über den chinesischen Automobilmarkt.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet die »Automobil Industrie« regelmäßig über den chinesischen Automobilmarkt.
(Source: Deposit Photos )

Mindestens fünf Minuten muss es ab jetzt dauern, bis eine Autobatterie in China nach einem Defekt Feuer fängt. So steht es in den neuen Sicherheitsstandards für Elektroautos und ihre Batterien, die gerade in China veröffentlicht worden sind. Die chinesische Regierung reagiert damit auf die nicht seltenen spektakulären Unfälle, bei denen Elektroautos mitten auf der Fahrbahn oder an der Ladestation Feuer gefangen haben.

Gleich drei neue nationale Sicherheitsstandards im Bereich Elektromobilität hat Chinas Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) in der vergangenen Woche veröffentlicht. Sie werden obligatorisch sein und ab dem 1. Januar 2021 in Kraft treten. Chinas höchstes Gremium für Marktregulierung SAMR und das Standardisierungs-Komitee SAC haben sie bereits abgesegnet.

Die drei Sicherheitsstandards gelten für drei Bereiche - Elektrofahrzeuge, Batterien für Elektrofahrzeuge und elektrische Passagierbusse. Weil die Sicherheit von Elektroautos ein Hauptanliegen der Konsumenten sind, seien die neuen, strengeren Standards „eine Garantie für die nachhaltige und gesunde Entwicklung“ der Elektromobil-Industrie in China, kommentierte das Online-Portal „Sino Auto“.

Fünf Minuten Zeit zur Flucht

Der neue Standard „GB 38031-2020“ hat die Überschrift „Sicherheitsanforderungen für Power-Batterien“. Er enthält die neue Fünf-Minuten-Regelung. Ab sofort gibt es einen obligatorischen neuen Thermodiffusions-Test für Autobatterien. Ihn bestehen nur Batterien, die mindestens fünf Minuten lang nach dem thermalen Durchgehen einer Batteriezelle nicht Feuer fangen oder explodieren. Dies solle dem Fahrer und seinen Passagieren „genügend Zeit zur Flucht“ geben, schreibt das chinesische Fachmedium Gasgoo. Chinas Gesetzgeber hat damit erkennbar und schnell auf die spektakulären Brände von Elektroautos reagiert, die seit Jahren das Image der Branche beschädigen und in diesem Jahr, in einem ungewöhnlich heißen Frühling in China, auch schon wiederholt für Schlagzeilen gesorgt haben.

So war am 8. Mai ein Elektroauto im zentralchinesischen Changsha mitten auf der Strasse plötzlich in Brand geraten. Am Unfallort aufgenommene Videos zeigten einen schnell gelöschten, aber komplett ausgebrannte Motorraum. Nur wenige Wochen zuvor, am 6. April, sei in Xinyu in der Ostprovinz Jiangxi ein Elektroauto an der Ladestation explodiert, berichtete die Zeitung „Jiemian Xinwen“. Und ein Elektroauto der Marke Dongfeng sei kürzlich auf einem Parkplatz in Shenzhen in der Nähe von Hongkong beim Laden ausgebrannt und habe dabei auch einen elektrischen Lieferwagen und ein weiteres Auto in Flammen gesetzt.

Safety Week

Die Safety Week ist die Plattform für das gesamte Spektrum der Produkte der Fahrzeugsicherheit und der Technologien, die in ihrer Entwicklung eingesetzt werden. Neben Vorträgen zur aktiven und passiven Sicherheit von Fahrzeugen gibt es auf der Konferenz unter anderem Sessions zur Lichttechnik und zum automatisierten Fahren.

Alle Informationen und das Programm der Safety-Week

Weitere verpflichtende Maßnahmen für E-Autohersteller

Die nun veröffentlichten Sicherheitsstandards sind die ersten obligatorischen Anforderungen ihrer Art in China. Bisher hätten sich die Hersteller nur sehr unterschiedlich an das existierende Patchwork aus Vorschriften gehalten, kommentierten chinesische Medien.

Neben der Fünf-Minuten-Regelung gibt es eine Menge neuer Details, die insgesamt deutlich strengere Sicherheitsanforderungen an die Hersteller einführen. So muss in Elektroautos (Sicherheitsstandard GB 18384-2020) künftig eine Warnfunktion eingebaut werden, die den Fahrer von der Überhitzung einer Batterie in Kenntnis setzt. Auch bei der Isolations-Widerstandsmessung, der Wasserdichtheit, der Koppelkapazität und in vielen anderen Bereichen gelten ab nächstem Jahr strengere Vorgaben.

Besonders stark sind die Anforderungen an die Sicherheit von Elektrobussen verschärft worden, die wegen der großen Zahl der Passagiere und der Größe ihrer Batterien als besonders schutzbedürftig erkannt worden sind. Der neue „Sicherheitsstandard für elektrische Busse“ (GB 38032-2020) formuliert etwa strengere Voraussetzungen für das Verhalten des Batteriegehäuses im Falle einer Kollision.

Über den Autor

*Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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