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Getriebetechnik Neuer modularer Hybrid-Getriebebaukasten

| Redakteur: Wolfgang Sievernich

ZF und Porsche haben einen modularen Hybrid-Getriebebaukasten entwickelt. Das neue 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe eignet sich für Heck- und Allradantriebe und ist optional mit einem Hybridmodul erhältlich.

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Der neue Hybrid-Getriebebaukasten von ZF integriert optional ein Hybridmodul und ist für Standard, Allrad, Hybrid und Allrad-Hybrid-Antriebe erhältlich.
Der neue Hybrid-Getriebebaukasten von ZF integriert optional ein Hybridmodul und ist für Standard, Allrad, Hybrid und Allrad-Hybrid-Antriebe erhältlich.
(Bild: ZF)

Basierend auf einem neuen 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (8DT) hat der Automobilzulieferer ZF zusammen mit dem Sportwagenhersteller Porsche einen modularen Hybridbaukasten entwickelt. Optional lässt sich zudem ein 100 Kilowatt starkes Hybridmodul in das neue Sportgetriebe für Heck- und Allradantriebe integrieren. Das neue Doppelkupplungsgetriebe steht für Front-Längs-Konfigurationen in vier unterschiedlichen Varianten als Standard, Allrad, Hybrid und Allrad-Hybrid zur Verfügung und ist bis 1.000 Newtonmeter Drehmoment nutzbar. Die Drehmomentklasse definiert sich dabei über unterschiedlich ausgelegte Doppelkupplungsmodule, das Grundgetriebe samt Radsatz bleibt stets unverändert. Dies soll auch für die Getriebehydraulik, das Schaltungssystem, die Parksperre sowie das elektronische Steuergerät samt Software gelten.

Weitere Antriebsstrang-Konfigurationen möglich

Um das 8DT-Grundgetriebe möglichst kurz und kompakt zu gestalten, wurde ein neues Radsatzkonzept mit zwei Vorgelegewellen und einer Summierwelle konstruiert. Aus der weitgehenden Mehrfachnutzung der Festräder, die alle auf den Getriebeeingangswellen angeordnet sind, ergeben sich weniger Radebenen – deshalb fällt das Grundgetriebe deutlich kürzer aus. Erst dadurch ließ sich das Hybridmodul ohne Längenzuwachs in den begrenzten Bauraum integrieren. Diese Radsatzarchitektur bietet zudem den Vorteil, im Sinne des Baukastenprinzips neben Front-Längs-Anwendungen künftig weitere Antriebsstrang-Konfigurationen bedienen zu können.

Die optionale Hybridvariante integriert Torsionsdämpfer, Trennkupplung samt Aktuatorik sowie die elektrische Maschine und findet direkt in der Kupplungsglocke Platz. Mit 100 Kilowatt Spitzenleistung, 55 Kilowatt Dauerleistung und 400 Newtonmetern Drehmoment kann ein Fahrzeug so rein elektrisch auf bis zu 140 Stundenkilometern beschleunigt werden. Weiterhin sollen auch andere Hybridfunktionen, wie das Rekuperieren oder Boosten umsetzbar sein.

Kupplungsdruck variiert nach Drehmoment

Bei der Allradvariante des neuen 8DT leitet ein integrierter Allradverteiler das Drehmoment bedarfsgeregelt an das Vorderachsgetriebe weiter. Die „Hang-on“-Allradkupplung ist als nasslaufende Lamellenkupplung ausgeführt – das Lamellenpaket wird im Dauerschlupf betrieben. Je nachdem, welches Drehmoment gerade situationsabhängig an der Vorderachse gefordert ist, variiert der Kupplungsdruck. Dadurch soll das System spontan auf jede Fahrsituation reagieren können.

Um die Getriebesumpftemperatur nicht zu limitieren, verbaute ZF die selbst entwickelte elektronische Getriebesteuerung extern. Sie ermöglicht dynamische Schaltwechsel und ist auch verbrauchsoptimierend auslegbar. Im Eco-Modus wird das Getriebe-Druckniveau und damit der Leistungsbedarf abgesenkt. Im Start-Stopp-Modus schaltet der Verbrennungsmotor schon ab einer Geschwindigkeit von zehn Stundenkilometern ab, ferner ist das Segeln mit abgestelltem Motor auch bei hohen Geschwindigkeiten möglich. In Serie startete das 8DT im neuen Porsche Panamera.

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