Ioki On-demand-Shuttles: Mobilitätshilfe für ländliche Regionen?

Redakteur: Svenja Gelowicz

Menschen auf dem Land haben weniger Mobilitätsoptionen – flexible Shuttles könnten eine Lösung sein. Die Bahn-Tochter Ioki liefert dazu nun Zahlen und der Unternehmenschef Michael Barillère-Scholz erklärt, warum die Fahrzeuge eine Art Daseinsvorsorge für Kommunen werden könnten.

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Ridepooling in Deutschland: Ein Anbieter, der das möglich macht, ist die Bahn-Tochter Ioki.
Ridepooling in Deutschland: Ein Anbieter, der das möglich macht, ist die Bahn-Tochter Ioki.
(Bild: ioki)

Manche von ihnen klingen sehr nett: Emil oder Knut beispielsweise. Andere tragen ausgefallenere Namen, zu ihnen gehören der „Isartiger“, „Berlkönig“ oder die Darmstädter „Heinerliner“. Sie alle sind sogenannte Ridepooling-Angebote und transportieren an unterschiedlichen Orten Personen flexibel von A nach B. Während für den Isartiger die Münchner Verkehrsgesellschaft verantwortlich ist und der Berlkönig unter der Flagge der Berliner Verkehrsbetriebe fährt, steckt die Bahn-Tochter Ioki hinter Knut, Emil und Heinerliner. Ioki bietet Plattformen für On-Demand-Dienste und verfügt über die Schnittstellen, um die Angebote in den vorhandenen ÖPNV zu integrieren.

Die Autobauer wollen den Pkw-Bestand erhalten. Wir wollen ihnen stark reduzieren.

Ioki-Chef Michael Barillère-Scholz

Michael Barillère-Scholz ist Chef von Ioki. Als wir ihn Anfang Oktober auf dem ITS Weltkongress zum Gespräch treffen, fährt in seiner Heimatstadt Frankfurt der Ridepooling-Dienst Knut erst seit wenigen Tagen. Das Angebot soll dort die Stadtteilgrenzen im Norden der Stadt erschließen. Barillère-Scholz selbst besitzt kein Auto und hat Knut bei der Anreise genutzt, um die erste Teilstrecke von der Haustüre zur S-Bahn-Station zu bewältigen.

330 Ridepooling-Angebote der Deutschen Bahn

Die Verbindung des Ioki-Chefs beschreibt das Prinzip Ridepooling im Kern, wenn es nach der Vision der Deutschen Bahn geht. „Wir wollen damit den ÖPNV stärken und die erste und letzte Meile verbessern“, sagt Barillère-Scholz. Ioki lernt aus den Projekten, welche Gebiete sich dafür eignen und verbessert laufend seine Algorithmen. Und den Kunden scheint es zu gefallen: „Wir beobachten eine steigende Nachfrage im In- und Ausland.“

Die Bahn hat eigenen Angaben zufolge in den vergangenen drei Jahren etwa 330 solche Angebote mit flexiblen Fahrzeiten und Haltestellen in den ÖPNV integriert und damit sieben Millionen Fahrgäste transportiert. Ioki hat diese Angebote jüngst ausgewertet. Laut der Analyse steht 27 Millionen Menschen in Deutschland, die in Metropolregionen und Großstädten leben, ein „sehr guter“ öffentlicher Nahverkehr zur Verfügung. Schwerer haben es Personen, wenn sie im ländlichen Raum wohnen: weniger als die Hälfte der Haltestellen auf dem Land wird mehr als zweimal pro Stunde bedient. Außerdem befinden sich über 90 Prozent der On-Demand-Angebote, Leihräder oder E-Scooter in Großstädten.

„Für Kommunen können solche Angebote eine Daseinsvorsorge sein“

Für Ioki-Chef Michael Barillère-Scholz wirft das die Frage auf, inwiefern der öffentliche Verkehr in ländlichen Regionen verbessert werden kann. In Wittlich beispielsweise, einer Kreisstadt in Rheinland-Pfalz mit weniger als 20.000 Bewohnerinnen und Bewohnern, löst ein digitaler Rufbus, das „Wittlich Shuttle“, sukzessive den Linienbusverkehr ab. „Für Kommunen können solche Angebote eine neue Art der mobilen Daseinsvorsorge sein, um für Bürger einen attraktiven ÖPNV zu schaffen“, sagt Barillère-Scholz. Damit die Ridepooling-Angebote keine direkte Konkurrenz zum ÖPNV darstellen, brauche es einen „Komfortzuschlag“, um die On-Demand-Shuttles zu nutzen.

Das unterscheidet die Bahn-Bestrebungen auch deutlich vom Wettbewerber Moia, Volkswagens Ridepooling-Dienst. Denn die Hamburger wollen vorerst nur Großstädte erschließen, wie Moia-Chef Robert Henrich im Gespräch mit Automobil Industrie verriet.

„Autonomes Ridepooling attraktiver als autonomes Fahren“

Die Konkurrenten eint allerdings, dass sie auf autonomes Fahren setzen. „Für Kunden wird autonomes Ridepooling attraktiver sein als ein autonomes Auto“, ist sich Barillère-Scholz sicher. Ab Ende des Jahrzehnts, sagt er, wird dieses Verkehrsangebot dominieren. Er sieht einen großen Vorteil, den Ioki gegenüber Anbietern wie Volkswagen hat: die Unabhängigkeit von bestimmten Anbietern bei Technologie und Fahrzeugen. „Die Autobauer wollen den Pkw-Bestand erhalten. Wir wollen ihnen stark reduzieren.“

Die Ioki-Analyse liefert dazu Zahlen: Demnach besitzt jeder vierte deutsche Haushalt mehr als ein Auto – fast alle im ländlichen Raum. Insgesamt 42 Millionen Haushalten gehören zwölf Millionen Zweit-, Dritt- oder Viertwagen. 380.000 On-Demand-Fahrzeuge könnten diese Autos ersetzen. Mit zwölf Millionen weniger Pkws könnten im Verkehr hierzulande 15 Millionen Tonnen CO2 sparen – das entspricht rund zehn Prozent der jährlichen Gesamt-Emissionen des Verkehrssektors.

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