Wirtschaft „Die Lage ist ernst“ – VDA-Präsidentin Müller

Von Sven Prawitz 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Hildegard Müller vertritt als VDA-Präsidentin die deutsche Automobilindustrie. Sie stellt sich gegen Populisten, deren Hass und Fremdenfeindlichkeit. Wirtschaft und Politik fordert sie auf, Haltung zu zeigen und die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen.

Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie.(Bild:  Dominik Butzmann/Verband der Automobilindustrie)
Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie.
(Bild: Dominik Butzmann/Verband der Automobilindustrie)

Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser hat mit seinen Aussagen Geschäftsführer und Vertreter der Wirtschaft aufgefordert, ein Zeichen gegen radikale Parteien zu setzen. In den vergangenen Tagen folgten ihm zum Beispiel die Geschäftsführer Holger Engelmann von Webasto, Jochen Weyrauch von Dürr und Ingemar Bühler von Plastics Europe und brachten auf der Netzwerkplattform Linkedin ihre Positionen gegen Faschismus zum Ausdruck. Auch VDA-Präsidentin Hildegard Müller hat sich zur aktuellen gesellschaftlichen und politischen Lage in Deutschland geäußert. Hier ist ihre Aussage im Wortlaut.

Stellungnahme Hildegard Müller

„Populisten versuchen gerade in Zeiten großer Veränderungen, die Unsicherheit und Zukunftsangst von Menschen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Sie haben dabei keine Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit. Eine zukunftsorientierte Politik für Deutschland und Europa kann daraus nicht entstehen. Diese Populisten, teilweise Extremisten, verlieren in erschreckender Art und Weise ihre Hemmungen und werden immer menschen- und demokratiefeindlicher. Wir müssen und werden dem entgegentreten. Hass, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit haben in unserer Gesellschaft keinen Platz.

Wir alle – und damit meine ich explizit auch die Wirtschaft – müssen für unsere Werte, für unsere Demokratie einstehen und Verantwortung übernehmen. Wir müssen Haltung zeigen.

Allein in den Unternehmen der deutschen Automobilindustrie sind etwa 780.000 Menschen beschäftigt – wir erreichen unendlich viele Menschen. Wir leben jeden Tag in unseren Unternehmen Weltoffenheit, Toleranz, Offenheit, von positiver Neugier geleiteten Austausch und Diversität. Diese Werte sind Teil unserer DNA als international agierende Unternehmen – und darüber hinaus von elementarer Bedeutung für unser Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell.

Die Lage ist ernst: Denn immer häufiger richten Proteste sich nicht gegen einzelne Entscheidungen – diese sind oft nur eine Art Auslöser – sondern vielmehr gegen unser politisches und gesellschaftliches System. Das ist nicht nur eine Bedrohung für unsere Demokratie, es ist eine Bedrohung für unseren Standort. Für Investoren sind unsere demokratischen Werte von essenzieller Bedeutung – und genauso für unsere Attraktivität als ein Land, das auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen ist. Internationale Fachkräfte müssen gerne in unserem Land leben. Wir sind am stärksten, wenn wir Veränderungen, wenn wir Herausforderungen als Chance sehen.

Gleichzeitig muss die Politik jetzt gerade die Menschen, die nicht aus rechtsextremer Überzeugung, sondern aus Frust, Verlustängsten, Zukunftsangst und gefühlter Alternativlosigkeit abdriften, zurückgewinnen. Was es jetzt braucht, ist eine Politik, die Sicherheit ausstrahlt, die den Bürgerinnen und Bürgern in diesen schwierigen Zeiten das berechtigte Gefühl gibt, einen klaren Plan, ein Zielbild zu haben und dabei die Sorgen und Ängste der Menschen ernst nimmt.“

(ID:49888008)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung