Suchen

Deutscher Logistik-Kongress Potential in den Schnittstellen

| Autor / Redakteur: Axel de Schmidt / Michael Ziegler

Die nachlassende Konjunktur ist in den Supply Chains vieler Unternehmen deutlich spürbar. Auf die zunehmende Anspannung in den Lieferketten reagieren die Automobillogistiker im Rückgriff auf krisenerprobte Konzepte.

Mit rund 3.300 Teilnehmern konnte der 29. Deutsche Logistik-Kongress an die gute Frequenz der Vorveranstaltungen anknüpfen.
Mit rund 3.300 Teilnehmern konnte der 29. Deutsche Logistik-Kongress an die gute Frequenz der Vorveranstaltungen anknüpfen.
(BVL/Bublitz)

Auf die „angespannte Situation in den Lieferketten“ hat der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie e.V. (VDA), Matthias Wissmann, vor dem Plenum des 29. Deutschen Logistik-Kongresses hingewiesen, der vom 17. bis 19.Oktober mit 3.300 Teilnehmern in Berlin stattfand. Dies gelte vor allem für diejenigen Unternehmen, die ihren Absatzmarkt in Europa haben. Allerdings sei die Situation nicht mit dem dramatischen Einbruch nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008 zu vergleichen. Das komplette Risikomanagement sei heute „um ein Vielfaches besser“, so Wissmann. Gerade im Vergleich zu den französischen Autobauern zeige sich die Stärke der deutschen Industrie. Diese Stärke sei aber „nicht gottgegeben“, sondern müsse „immer wieder hart erarbeitet werden“.

Bildergalerie

Französische Fehler

Vor allem dürfe der Fehler der französischen Politik der frühen 1980er Jahre nicht wiederholt werden, „Premiumfahrzeuge zu diskriminieren“. Mittlerweile habe Frankreich nur noch halb so viele exportabhängige Unternehmen wie Deutschland, das auch zur „erfolgreichsten Logistiknation der Welt“ aufgestiegen sei. Um nicht „auf Dauer zurückzufallen“, betonte Wissmann die Notwendigkeit eines „gesellschaftlichen Paradigmenwechsels“, denn „ohne Infrastrukturinvestitionen geht uns die Luft aus“. Für die Automobilindustrie und ihre Interessenvertreter komme es jetzt entscheidend darauf an, auf die Politik einzuwirken, um von „ideologischen Bewertungen“ abzurücken. Als Beispiel nannte der VDA-Präsident die Diskussion um den „Gigaliner“.

Kostenfaktor Beschaffung

Nach Ansicht von Dieter Ruh, Director Global Supply Chain Management, Webasto Roof & Components, haben „die Produktionssysteme vieler Zulieferer und auch des einen oder anderen OEM ein regelrechtes Revival erfahren“. Inzwischen habe aber der Elan, den eingeschlagenen Kurs konsequent fortzusetzen, wieder nachgelassen. Als „Hauptspielwiese“, um Kosten zu reduzieren, hat der Marktführer für Schiebedächer Webasto die Beschaffungslogistik entdeckt. Der gesamte Materialfluss in den weltweit 30 Werken des Zulieferers erfolgt über „Supermärkte“, die mit einem maximalen Zweitagesbestand ausgestattet werden. „Wir bauen auch die Reste unserer Läger ab“, kündigte Ruh in Berlin an. Läger befinden sich nur noch an einzelnen Standorten. „Wir sind in der Umsetzung des Produktionssystems und in der Reduzierung der Kosten relativ weit gekommen“, so Ruh. Eine zunehmende Herausforderung für den Tier-1-Zulieferer sei die wachsende Zahl sehr volatiler Abrufe auch im Kurzfristbereich. Um den bekannten Bullwhip-Effekt zu vermeiden, versuche Webasto, sowohl die eigene Produktion, als auch die der nachgeordneten Zulieferer zu „beruhigen“.

(ID:36450360)