Batterien Preise für Lithium-Ionen-Akkus im Jahr 2022 gestiegen

Von Thomas Günnel

Die Preise für Batteriepakete steigen erstmals wieder – nach einem Abwärtstrend seit zwölf Jahren. Das hat Bloomberg NEF ermittelt und gibt eine Prognose für die kommenden Jahre.

Die Preise für Batteriepakete sind laut Bloomberg NEF im Jahr 2022 erstmals wieder gestiegen; seit zwölf Jahren.
Die Preise für Batteriepakete sind laut Bloomberg NEF im Jahr 2022 erstmals wieder gestiegen; seit zwölf Jahren.
(Bild: BMW AG)

Lithium-Ionen-Batteriepakete sind erstmals seit dem Jahr 2010 wieder teurer geworden. Das berichtet das Forschungs- und Analyseunternehmen Bloomberg NEF. Steigende Kosten für Rohstoffe, Batteriekomponenten und die zunehmende Inflation sind demnach die Hauptgründe dafür.

In Zahlen bedeutet das: Der volumengewichtete Preis in allen Sektoren stieg auf 151 US-Dollar/kWh in 2022 – und liegt damit sieben Prozent über dem Vorjahrespreis. Der Preisanstieg konnte durch günstigere Chemikalien wie Lithium-Eisen-Phosphat (LFP) nicht kompensiert werden. Die Preise werden laut der Prognose im kommenden Jahr auf einem ähnlichen Niveau bleiben.

Zellen bestimmen immer mehr den Preis

Die Zahlen sind der Durchschnitt über mehrere Batterieanwendungen: einschließlich verschiedener Arten von Elektrofahrzeugen, Bussen und stationären Speicherprojekten. Insbesondere für batterieelektrische Fahrzeugpakete (BEV) lagen die Preise im Jahr 2022 auf volumengewichteter Durchschnittsbasis bei 138 US-Dollar/kWh. Auf Zellebene lagen die durchschnittlichen BEV-Preise bei 115 US-Dollar/kWh.

Die Zellen stehen durchschnittlich für 83 Prozent des Gesamtpaketpreises. In den vergangenen drei Jahren hat sich das Kostenverhältnis von Zelle zu Packung von der traditionellen 70:30-Aufteilung entfernt. Das liegt teilweise am veränderten Packungsdesign: zum Beispiel „Cell-to-Pack“-Ansätzen, die geringere Kosten ermöglichen.

Batteriepakete in China am günstigsten

Auf regionaler Ebene waren die Batteriepaketpreise in China mit 127 US-Dollar/kWh am niedrigsten. Pakete in den USA und Europa waren um 24 Prozent beziehungsweise 33 Prozent höher. „Höhere Preise spiegeln die relative Unreife dieser Märkte, die höheren Produktionskosten, das vielfältige Anwendungsspektrum und Batterieimporte wider“, schätzen die Analysten ein. „Für das obere Ende des Sortiments treiben geringe Mengen und kundenspezifische Bestellungen die Preise in die Höhe.“

Die Preise hätten im Jahr 2022 laut Bloomberg NEF (BNEF) noch stärker steigen können. Dass dies nicht geschah, lag vor allem am umfangreicheren Einsatz der als LFP bekannten kostengünstigen Kathodenchemie; und dass weniger teures Kobalt in Kathoden auf Nickelbasis eingesetzt wurde.

Im Durchschnitt waren LFP-Zellen im Jahr 2022 20 Prozent billiger als Lithium-Nickel-Mangan-Kobaltoxid (NMC)-Zellen. Allerdings haben selbst kostengünstige Chemien wie LFP, die besonders den Lithiumcarbonatpreisen ausgesetzt sind, die steigenden Kosten in den Lieferketten zu spüren bekommen. Die Preise für LFP-Batteriepakete stiegen im Jahr 2022 um 27 Prozent, verglichen mit 2021.

„Aggressivere Strategien gegen volatile Märkte“

Evelina Stoikou ist Energy Storage Associate bei BNEF und Hauptautorin des Berichts. „Preissteigerungen bei Rohstoffen und Komponenten haben am meisten zu den höheren Zellpreisen beigetragen, die im Jahr 2022 beobachtet wurden“, fasst sie zusammen. „Inmitten dieser Preiserhöhungen für Batteriemetalle haben große Batteriehersteller und die Autohersteller sich aggressiveren Strategien zugewandt, um sich gegen Volatilität abzusichern, einschließlich Direktinvestitionen in Bergbau- und Raffinerieprojekte.“

BNEF erwartet, dass der Batteriepreis erst im Jahr 2024 sinken wird. Dann lassen voraussichtlich die Lithiumpreise nach, weil mehr Förder- und Raffineriekapazitäten ihren Betrieb aufnehmen. Basierend auf der aktualisierten beobachteten Lernrate prognostiziert die Batteriepreisumfrage 2022, dass die durchschnittlichen Paketpreise bis zum Jahr 2026 unter 100 US-Dollar/kWh fallen werden.

Dies ist zwei Jahre später als bisher erwartet. Für Autohersteller heißt das: Das Umfeld für Elektroautos bleibt schwierig, vor allem auf Märkten ohne Subventionen für die Modelle. Davon betroffen sein könnten zudem Energiespeicherprojekte.

Rekordnachfrage nach Batterien

Yayoi Sekine, Leiter der Energiespeicherung bei BNEF, sagte: „Trotz eines Rückschlags durch Preisrückgänge erreicht die Batterienachfrage jedes Jahr neue Rekorde. Die Nachfrage wird im Jahr 2022 603 GWh erreichen – fast doppelt so viel wie im Jahr 2021. Die Ausweitung des Angebots mit dieser Wachstumsrate ist eine echte Herausforderung für die Branche, aber auch die Investitionen in den Sektor steigen schnell und die technologische Innovation verlangsamt sich nicht.“

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Investitionen in Forschung und Entwicklung, bessere Herstellprozesse und größere Kapazitäten in der Lieferkette werden laut BNEF helfen, die Batterietechnik zu verbessern – und die Kosten im nächsten Jahrzehnt zu senken. Dazu zählen zum Beispiel Silizium- und Lithiummetallanoden, Festkörperelektrolyte und neue Kathodenmaterialien.

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