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Renault K-ZE: Der Dacia unter den Elektro-Autos

| Autor / Redakteur: Benjamin Bessinger/SP-X / Maximiliane Reichhardt

Mit dem K-ZE will Renault das Geschäft mit den Stromern beleben.
Mit dem K-ZE will Renault das Geschäft mit den Stromern beleben. (Bild: Renault / SP-X/Benjamin Bessinger)

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Kleiner Preis, große Leistung: So, wie die Franzosen vor 20 Jahren mit dem Dacia Logan den Markt der Billigautos aufgemischt haben, könnte der kleine Renault K-ZE jetzt das Geschäft mit den Stromern beleben. Doch die Sache hat einen kleinen Haken.

Jeremie Coiffier ist bei Renault der Spezialist für die besonderen Fälle. Denn als einer der leitenden Ingenieure im Alpine-Projekt hat er bewiesen, dass auch ein Volumenhersteller einen faszinierenden Sportwagen bauen und aus dem Stand mit Spezialisten wie Porsche konkurrieren kann. Und jetzt hat er eine noch viel wichtigere Mission: Er soll für die Franzosen mit einem kleinen Akku-Auto den größten Elektromarkt der Welt erobern und hat deshalb für China den K-ZE entwickelt.

Billig-Auto mit über 250 Kilometern Reichweite

Der Stromer hat vor ein paar Wochen auf der Motorshow in Shanghai seine Weltpremiere gefeiert und soll in diesem Sommer auf den Markt kommen. Bei dem K-ZE setzt Jeremie Coiffier anders als der Rest der westlichen Welt nicht auf Luxus, Leistung und Prestige, sondern will die Chinesen mit ihren eigenen Waffen schlagen und greift deshalb ganz unten an: Mit einem Billig-Auto, das für umgerechnet nicht einmal 15.000 Euro mehr als 250 Kilometer Reichweite bietet und so mit den günstigsten Modellen aus lokaler Produktion konkurriert.

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Alles anders als bisher

Dafür musste Coiffier allerdings alles anders machen als bisher: Er hat das Auto nicht in Paris entwickelt, sondern in China, hat die Mannschaft radikal verkleinert und die Prozesse beschleunigt, hat statt der teuren und unbeweglichen Zulieferer aus dem Westen neue Partner im Osten gesucht und hat sich für die Produktion in Wuhan mit dem heimischen Hersteller Dongfeng zusammengetan. Und er hat sich beim Format beschränkt und statt eines ausgewachsenen SUV im Stil von Audi E-Tron oder Mercedes EQ C einen Geländewagen für die Westentasche auf die Räder gestellt, der mit 3,74 Metern Länge etwa das Format eines Twingo hat. Aber das Ergebnis kann sich trotzdem sehen lassen: „Wir haben das Beste aus beiden Welten vereint“, sagt Coiffier und freut sich: „Jetzt können wir europäische Standards zu einem chinesischen Preis anbieten.“

Wenig Lack und kein Leder

So ist aus dem K-ZE ein Billigauto geworden, dem man seinen niedrigen Preis nicht anmerkt. Das beginnt beim Design, das keineswegs lust- und lieblos ist, sondern mit den SUV-Allüren trendig und pfiffig wirkt, und das endet bei der Materialqualität, die so gar nichts mit den stinkenden Plastikwüsten zu tun hat, die man von chinesischen Billigautos kennt. Natürlich gibt es bei diesem Preis wenig Lack und kein Leder. Aber das Cockpit ist hübsch, modern und weitgehend digital, die Konsolen sind bunt, wo man den K-ZE anfasst, fühlt er sich gut an und wenn die Türen ins Schloss fallen, klingt das ebenfalls halbwegs solide.

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Vor allem aber überrascht der K-ZE mit einer Ausstattung, die europäische Kleinwagenkunden vor Neid erblassen lässt: Eine Klimaanlage zum Beispiel ist genau wie die elektrischen Fensterheber Standard – und ohne großen Touchscreen mit Online-Navigation, WiFi-Hotspot und Smartphone-Integration fährt in China eh kein Kunde vom Hof. Selbst die Rückfahrkamera haben die Franzosen in den Serienstand erhoben. Dafür allerdings müssen den K-ZE-Kunden zwei Airbags reichen und ESP gibt es weder für Geld noch gute Worte.

Limit: 105 Kilometer pro Stunde

Fahrerisch darf man von dem Winzling keine Wunder erwarten. Schließlich hat der E-Motor nur 33 kW/45 PS und kommt auf gerade einmal 125 Newtonmeter. Aber wenn es um urbane Mobilität geht und nicht um das Kilometerfressen auf der Autobahn, wo der Diesel ohnehin unschlagbar ist, dann ist der Billigstromer die beste Wahl. Nicht zuletzt, weil er trotz des immerhin 26,8 kWh großen Akkus mit 921 Kilo deutlich weniger wiegt als die Konkurrenz und weil Coiffier bei der Alpine gelernt hat, wie man ein leichtes Auto sportlich und ausgewogen abstimmt, beschleunigt der K-ZE im Stopp-And-Go-Verkehr angenehm spritzig und fühlt sich in den Schikanen der Stadt erwachsen und souverän an. Und auch die Marterstrecke auf dem Testgelände der auf 120.000 Autos im Jahr ausgelegten Fabrik in Wuhan meistert er klaglos ohne großes Klappern und Rappeln. Nur freie Straßen sind seine Sache nicht. Denn bei 105 km/h hat Coiffier das Limit gesetzt, weil sonst die Normreichweite von 271 Kilometern nie und nimmer zu schaffen wäre. Aber schneller darf man in China ohnehin nirgends fahren und auch bei uns in den Städten wäre das genug.

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Der K-ZE ist ein globales Projekt

Überraschend viel Auto für wenig Geld - die Grundidee des K-ZE kommt einem verdächtig vertraut vor. Denn nach dem gleichen Prinzip hat Renault vor bald 20 Jahren mit Dacia schon einmal den Markt durcheinandergewirbelt. Und vieles spricht dafür, dass es nun wieder so kommen könnte. Und zwar nicht nur in China. Denn Coiffier betont bei jeder Gelegenheit, dass der K-ZE ein globales Projekt ist, dessen Konstruktion auch die Zulassungskriterien in Europa und sogar in den USA berücksichtigt habe. „Viel mehr als ein ESP und einen neuen Stecker müssten wir nicht einbauen, um den Wagen in den Westen zu bringen“, sagt Coiffier und ist überzeugt davon, dass der Kleine auch bei uns großen Erfolg haben könnte: Denn während die Franzosen in China mit einem Dutzend Konkurrenten kämpfen müssen, wäre der K-ZE in Europa tatsächlich einzigartig.

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