Renesas will eine integrierte und offene Plattform für das Design und Lifecycle-Management von Elektronikprodukten auf Systemebene schaffen. Dafür übernimmt der Chiphersteller den Software-Anbieter Altium.
Hidetoshi Shibata (links), CEO von Renesas, und Aram Mirkazemi, CEO von Altium. Auf eine langjährige Kooperation folgt nun die Übernahme.
(Bild: Renesas Electronics)
Der japanische Elektronikkonzern Renesas will das Unternehmen Altium kaufen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in den USA ist in Australien börsennotiert und machte im vergangenen Geschäftsjahr bis Juni 2023 einen Umsatz von umgerechnet etwa 245 Millionen Euro. Zu den Produkten gehören Leiterplatten-Designsoftware und die Cloud-Entwicklungsplattform Altium 365. Die Führungen beider Konzerne hätten der Übernahme bereits zugestimmt. Diese soll in der zweiten Jahreshälfte 2024 abgeschlossen sein. Danach werde Altium als hundertprozentige Tochtergesellschaft von Renesas weiterhin von CEO Aram Mirkazemi geleitet.
Demnach wird Renesas alle ausstehenden Aktien von Altium zu einem Barpreis von 68,50 Australische Dollar pro Aktie erwerben. Dies entspricht einem Eigenkapitalwert von circa neun Milliarden Dollar (ca. 890 Milliarden Yen oder 5,6 Milliarden Euro) und einem Unternehmenswert von 8,8 Milliarden Dollar.
Mit den Produkten von Altium will Renesas eine integrierte und offene Cloud-Plattform für das Design und das Lifecycle-Management von Elektroniksystemen schaffen, die eine Zusammenarbeit auf Komponenten-, Subsystem- und Systemebene ermöglicht. Nach eigenen Angaben ist die Transaktion der erste „bedeutende Schritt des Unternehmens, um den Entwicklern von Elektroniksystemen eine verbesserte Benutzererfahrung und Innovationen auf Systemebene zu ermöglichen“.
Hintergrund ist, dass das Design und die Integration von elektronischen Systemen immer komplexer wird. Das Entwickeln von Elektroniksystemen ist bislang ein komplizierter und iterativer Prozess, an dem mehrere Akteure aus unterschiedlichen Teams und etliche Designschritte beteiligt sind – von der Komponentenauswahl und -bewertung bis hin zur Simulation und dem physischen PCB-Design.
Auch die Anforderungen an die fertigen Produkte steigen: Ingenieure müssen in der Lage sein, Systeme zu entwerfen, die nicht nur funktional, sondern effizient und kostengünstig sind, und das bei verkürzten Entwicklungszyklen. Hinzu kommt, dass die Produkte auch immer strengere Richtlinien und Gesetze einhalten müssen.
Die von Renesas und Altium geplante offene Plattform soll diese Schritte auf Systemebene vereinheitlichen. Dazu sollen das Embedded-Portfolio von Renesas – das Hochleistungsprozessoren, Analogtechnik, Stromversorgungs- und Konnektivitätslösungen umfasst – in die Cloud-Plattform von Altium integriert werden. Renesas will letztlich alle E-CAD-Bibliotheken seiner Produkte im Altium Public Vault veröffentlichen.
Auch Dienste von Drittanbietern aus dem gesamten Ökosystem sollen in die Plattform integriert werden, um alle Schritte des Elektronikdesigns nahtlos in der Cloud ausführen zu können.
Altium hat 1985 in Australien begonnen, als einer der weltweit ersten Anbieter PCB-Design-Tools zu entwickeln. Mittlerweile gilt das Unternehmen als einer der globalen Marktführer auf diesem Gebiet. Mit der weltweit ersten digitalen Plattform für das Design und die Realisierung von Elektronikhardware („Altium 365“) ermöglicht die PCB-Designsoftware von Altium laut Mitteilung eine nahtlose Zusammenarbeit über den gesamten PCB-Designprozess hinweg.
Im Juni 2023 gab Renesas bekannt, dass das Unternehmen die gesamte Entwicklung des PCB-Designs auf der cloudbasierten Plattform Altium 365 von Altium standardisiert hat. Renesas hat mit Altium zusammengearbeitet, um alle E-CAD-Bibliotheken seiner Produkte im Altium Public Vault zu veröffentlichen. Mit Funktionen wie der Suche nach Herstellerteilen auf Altium 365 können Kunden Renesas-Bauteile direkt aus der Altium-Bibliothek auswählen. (me)
Stand: 08.12.2025
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