Es hat zwar ein bisschen gedauert, doch jetzt startet auch General Motors mit aller Macht ins Elektrozeitalter – und will so auch in Europa wieder auf einen grünen Zweig kommen.
General Motors will mit E-Autos zurück nach Europa.
(Bild: General Motors)
Ungefähr 1.000 Autos im Jahr – wo General Motors überall sonst auf der Welt eine große Nummer ist, zählen die Amerikaner in Europa zu den Exoten und müssen sich in der Zulassungsstatistik noch hinter Luxusmarken wie Rolls-Royce, Bentley oder Lamborghini einreihen. Doch glaubt man Mahmoud Samara, sind die Tage in der Nische gezählt.
Denn der smarte Europachef der Amerikaner hat einen Plan für „substanzielles Wachstum“: Nirgendwo auf der Welt, so haben sie es in Detroit aus ihren Statistiken gelesen, wächst der Markt für Elektroautos so stark wie in Europa. Und nirgendwo haben sie noch so viel Potenzl zum Aufstieg. Deshalb kündigt Samara einen Neustart für die alte Welt an und will Cadillac & Co diesseits des Atlantiks wieder auf einen grünen Zweig führen.
Fokus auf E-Autos
„Denn wir werden uns in Zukunft vor allem auf Elektrofahrzeuge fokussieren.“ Zwar will Samara erst im nächsten Jahr verraten, mit welchen Marken und Modellen und nach welchem Zeitplan der Weg aus der Nische gelingen soll. „Doch an Auswahl mangelt es uns nicht“, sagt Samara und verweist auf die ambitionierten Ziele seiner Chefin Mary Barra.
Die GM-Chefin will die Transformation mit 27 Milliarden Dollar beschleunigen, den amerikanischen Riesen bis 2040 zum CO2-neutralen Unternehmen umbauen und sich 2035 vollends vom Verbrenner verabschieden. Allein bis 2025 will sie dafür weltweit 30 neue Elektroautos auf den Markt bringen – da soll dann für Europa der richtige Mix dabei sein.
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Cadillacs erstes E-Auto Lyriq hat Chancen in Europa
Ganz oben auf der Liste steht dabei sicherlich der Cadillac Lyriq, mit dem die vornehmste der GM-Töchter jetzt auf die Electric Avenue eingeschwenkt ist: In den USA mindestens 60.000 Dollar teuer und mit seinen knapp fünf Meter eher zugeschnitten auf den Wettbewerb mit den Mercedes EQS SUV oder dem BMW iX als dem Ford Mustang Mach-E startet der Crossover mit Heckantrieb, 340 PS und rund 100 kWh-Batterie für gute 500 Kilometer Fahrt, bevor er mit bis zu 190 kW wieder geladen werden muss.
Dass das Elektroauto bei Cadillac kein Einzelgänger sein soll, haben die Amerikaner erst Mitte Juli mit dem Celestiq unterstrichen, der als amerikanische Antwort auf Maybach & Co aus einer neuen Manufaktur in Detroit laufen soll – mit stattlichem Design, hochgradig individualisierter Ausstattung und mit standesgemäßer Antriebs- und Speicher-Technik. Immerhin werden dem Luxusliner bis zu 500 PS und 200 kWh nachgesagt, mit denen dann über 800 Kilometer möglich sein sollten. Allerdings auch zu einem stolzen Preis, für den die Schätzungen bis zu 300.000 Dollar reichen.
Der Hummer ist zurück
Während Cadillac so wieder in die Luxusklasse strebt und die Ära der Heckflossen-Monster in eine neue Zeit übersetzt, lässt GMC die Vergangenheit hochleben und erlaubt sich ein Comeback des Hummers, für das sich niemand mehr schämen muss. Schließlich gibt’s das Ungetüm erstens nicht mehr fürs Militär, und zweitens fährt es nun zeitgemäß mit einem E-Motor, der ihm sogar den Weg über den Atlantik ebnen könnte. Wobei die Elektrifizierung allein aus so einem Koloss freilich keinen Klimaschützer macht. Schließlich stecken im Doppel-Whopper-Boden zwei Batteriepakete wie im Lyriq mit zusammen mehr als 200 kWh und an den Achsen des 110.000 Dollar teuren Erstlings sind drei Motoren mit zusammen gut 1.000 PS montiert – so richtig Nachhaltig ist das vielleicht doch nicht.
Mit der Elektrifizierung könnte es aber nicht nur zum Comeback solcher Dinosaurier wie dem Hummer kommen. Sie erschließt GM auch völlig neue Märkte und Zielgruppen – zum Beispiel die leichten Nutzfahrzeuge. Denn vor allem mit Blick auf Kurierdienste und Lieferflotten haben die Amerikaner in dem eigens ausgegliederten Start-up Brightdrop einen eigenen elektrischen Lieferwagen entwickelt, der nicht wie so viele europäische Modelle umgerüstet wurde, sondern auf einer neuen, um die Batterie herum konstruierten Architektur steht.
Dieser Zevo 600 fährt mit seinen 120-kWh-Batterien über 400 Kilometer weit und erfreut sich in den USA auch wegen seiner Ergonomie und seiner geringen Betriebskosten bereits großer Beliebtheit. So hat allein FedEx bereits 2.500 Exemplare bestellt – und europäische Auslieferer könnten bald nachziehen.
Ist die Corvette die letzte echte Neuheit ohne Stecker?
Zwar werden sich die Freunde des „american way of drive“ mit der neuen Offensive von ein paar liebgewordenen Unvernünftigkeiten verabschieden müssen. Denn selbst wenn sich Samara um jede konkrete Aussage herum laviert, dürfte es in Zukunft weder beim offiziellen GM-Händler noch beim freien Importeur noch viele Verbrenner-Neuheiten geben. Wahrscheinlich wird die Corvette Z06, die als potente Sportversion gerade ihren Einstand in den USA gibt und dann 2023 auch nach Europa kommt, die letzte Neuheit ohne Stecker sein.
Doch keine Sorge, das markiert nicht das Ende von Lust und Leidenschaft und auch nicht das aus für den Klassiker, beschwichtigen sie in Detroit. So, wie es die Amerikaner schon beim Hummer bewiesen haben, setzten sie auch die Corvette unter Strom: Sie kommt erst als Hybrid und dann im nächsten Durchgang rein elektrisch.
Stand: 08.12.2025
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