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Wirtschaft Software im Fahrzeug: „Einkäufer brauchen neues Know-how“

| Autor: Svenja Gelowicz

Laura Kronen, Director bei der PwC-Strategieberatung „Strategy&“, spricht über neue Anforderungen für Einkäufer, Software-Pricing-Modelle und neue Arbeitsformen.

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Laura Kronen, Director bei Strategy&, der Strategieberatung von PwC.
Laura Kronen, Director bei Strategy&, der Strategieberatung von PwC.
(Bild: Strategy&)

Frau Kronen, im Digital Auto Report von PwC Strategy& heißt es, dass die Materialkosten für die Herstellung von Fahrzeugen bis 2030 um 18 Prozent steigen könnten. Was sind die Treiber dafür?

Da ist zum einen natürlich der Wechsel vom Verbrenner hin zur Elektrifizierung, bei dem die Batterie der Haupttreiber ist, aber auch Faktoren wie Onboard-Charger oder Lademanagement und die zugehörige Software relevant sind. Während bei bisherigen Systemen wie einem Tank die Anzahl der zu erfüllenden Anforderungen, die in allen Kombinationen getestet und abgesichert sein mussten, maximal in die Hunderte ging, liegt sie nun deutlich im fünfstelligen Bereich. Fahrerassistenzsysteme der Level 1 und 2 sowie Connectivity-Funktionen spielen ebenso eine Rolle.

Während das Bezahlen für die bloße Anzahl von „Lines of Code“ wenig sinnvoll erscheint, kann man auch einen Grundpreis vereinbaren und zahlt dann einen Preis pro Sprint.

Sie haben selbst für eine andere Studie mit OEM-Einkaufsleitern gesprochen und unter anderem erforscht, wie sich der Einkauf durch den zunehmenden Anteil von Software verändert. Was haben Sie herausgefunden?

Dabei geht es vor allem um das Thema Qualitätssicherung, die Absicherung der Lieferfähigkeit und die Funktionsfähigkeit der Software. Dies ist häufig schwierig, weil die Beurteilungskompetenz für Software-Architekturen teilweise nicht ausreichend vorhanden ist. Das ist beispielsweise ein Thema bei der Frage: Was darf mich Software kosten, was ist das richtige Pricing-Modell? Da liegen erst wenig Erfahrungswerte vor. Einkäufer brauchen dafür neues Know-how. Denn während es früher vor allem wichtig war, technisches Grundverständnis mit guten Projektmanagement-Skills zu kombinieren, ist heute zusätzlich fundiertes Software-Verständnis gefragt.

Die OEMs bauen teilweise gerade eigene Softwarehäuser auf und wollen eigene Betriebssysteme fürs Fahrzeug entwickeln. Was heißt das für die Beschaffungsabteilungen?

Dieser Aufbau von eigenen Softwarehäusern ist für die OEMs sehr wertvoll. Sobald sie eigene Erfahrungen sammeln, schaffen sie Referenzen, um dem Einkauf eine Logik an die Hand zu geben. Zum Beispiel bei der Einführung neuer Pricing-Modelle: Während das Bezahlen für die bloße Anzahl von „Lines of Code“ wenig sinnvoll erscheint, kann man auch einen Grundpreis vereinbaren und zahlt dann einen Preis pro Sprint. Bei letzterem stellt sich die Frage, wie man den Outcome definiert. Dafür muss es eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen OEM und Lieferanten geben.

Ein Schwerpunkt Ihrer Studie lag auf dem Thema agiles Arbeiten im Einkauf. Wie weit sind die Unternehmen?

Alle von uns befragten Unternehmen haben bereits erste Erfahrungen mit agilen Arbeitsweisen gesammelt – sowohl als Schnittstellenpartner zwischen Entwicklung und Lieferanten als auch intern bei der Bearbeitung komplexer Problemstellungen. Agiles Arbeiten geht allerdings mit kultureller Veränderung einher – dafür braucht es die Unterstützung des Top-Managements sowie einen klaren Fahrplan.

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Über den Autor

 Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Redakteurin Wirtschaft und Mobilität