Interview „Spielen bei der Batterieforschung in der ersten Liga“

Autor / Redakteur: Gerald Scheffels / Lena Straßberger

Prof. Martin Winter, Leiter des MEET Batterieforschungszentrums der WWU Münster, zu den Trends in der Batterietechnik, der Frage, warum alle „Gigafactories“ auf die Lithium-Ionen-Technik setzen, und den Problemen einer CO2-neutralen Produktion.

Prof. Martin Winter, Gründer und wissenschaftlicher Leiter des Batterieforschungszentrum MEET.
Prof. Martin Winter, Gründer und wissenschaftlicher Leiter des Batterieforschungszentrum MEET.
(Bild: FZ Jülich)

Herr Prof. Winter, wenn Sie auf mehr als zehn Jahre Forschung im MEET zurückblicken: Wie hat sich die Herangehensweise Ihrer Arbeit verändert?

Bei der Bewertung von Werkstoffen und Technologien schauen wir heute immer auf das Gesamtpaket – also den Prozesskreislauf vom Rohstoff bis zum Recycling. Da wir anwendungsorientiert forschen, haben wir viel stärker sowohl die Batteriekosten als auch die Produktionsfähigkeit in großen Serien im Blick.

Welche Konsequenzen hat der Kostenaspekt? Können Sie das an einem Beispiel erläutern?

Die Rechnung ist einfach: Materialkosten machen etwa 80 Prozent der Zellkosten aus, die Zellkosten wiederum 80 Prozent der Batteriekosten und das gesamte Batteriesystem etwa 35 Prozent der Herstellkosten eines Autos. Die Materialien der Batterie sind somit ein großer Kostentreiber. Daraus könnte man voreilig den Schluss ziehen: Natrium ist günstiger als Lithium und somit besser. Aber das greift zu kurz. Lithium ermöglicht im Vergleich zu Natrium eine etwa dreimal höhere Energiedichte. Man benötigt also weniger Rohstoffe, der Transport ist günstiger, die Produktion und das Recycling ebenso, und die Batterie im Fahrzeug ist kleiner. Unter diesem Aspekt ist die Lithium-Ionen-Technik noch immer die erste Wahl. Das zeigt auch die Praxis. Alle Batteriefabriken, die zurzeit entstehen, werden Lithium-Ionen-Zellen produzieren.