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Elektromobilität

Start-up Twaice: Gesundheitscheck für die Batterie

| Autor: Svenja Gelowicz

Das Münchener Start-up Twaice überwacht mit einem digitalen Zwilling den Lebenszyklus von Batterien. Ingenieure können die Software von Twaice schon in der Entwicklung nutzen, um Batteriesysteme zu validieren. Das soll auch für mehr Tempo sorgen.

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Die Gründer von Twaice (v. li.): Michael Baumann und Stephan Rohr.
Die Gründer von Twaice (v. li.): Michael Baumann und Stephan Rohr.
( Bild: Twaice )

Mit über drei Millionen Euro Kapital im Rücken steht ein Unternehmen, das es erst seit einem Jahr gibt, gar nicht schlecht da. Das wissen auch Stephan Rohr und Michael Baumann. Die beiden haben nach etwa vier Jahren Forschung an der Technischen Universität München das Unternehmen Twaice gegründet. Schon im letzten Herbst sammelten sie eine Anschubfinanzierung von 1,2 Millionen Euro ein, Ende Mai gab es eine erneute Finanzspritze von etwa zwei Millionen.

Eigentlich wollten sie gebrauchte Fahrzeugbatterien in einem „zweiten Leben“ als stationäre Speicher nutzen. Dabei sind sie schnell auf ein dringlicheres Problem gestoßen. „Wir hatten keinen Einblick in den Zustand und die Nutzungshistorie der Batterien. Daher wussten wir nicht, wie lange sie noch in verschiedenen Belastungszuständen funktionieren“, sagt Stephan Rohr.

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E-Mobilität: Großes Interesse an der Software

Baumann und Rohr schrieben sich auf die Fahne, eine Analysesoftware für Batterien zu entwickeln. Nach Angaben der Gründer besteht gesteigertes Interesse an ihrer Software in der Industrie. Der Hochlauf der Elektromobilität und die Dringlichkeit, das Herzstück eines E-Autos besser analysieren zu können, spielt dem Digitalunternehmen direkt in die Karten.

Das junge Unternehmen sitzt im Norden Münchens. Mit über 20 fest angestellten Mitarbeitern ist der Platz bereits jetzt knapp, ein Anbau soll deshalb Abhilfe schaffen. Denn das Team soll sich schon bis zum Jahresende zahlenmäßig verdoppeln. Die begehrten Softwarespezialisten zu finden, sei dabei kein Problem, die Nähe zur TU München helfe, sagt Rohr.

Twaice: Ein Zwilling in der Cloud

Die Idee von Twaice: Ein virtuelles Abbild von Batterien zu schaffen, einen sogenannten digitalen Zwilling. Der liegt in einer Cloud und erhält Messdaten des Batteriemanagementsystems – wie Spannung, Strom oder Temperatur. Algorithmen bearbeiten die Informationen bereits vorab und reduzieren die Datenmengen. „Wir bestimmen den Zustand der Batterie, zum Beispiel die Kapazität, aber auch die Alterungseffekte in den Batteriezellen“, erklärt Gründer Michael Baumann. In der Cloud laufen dann komplexere Analysen ab.

Baumann sagt, die Software nutze die „normalen Fahrzyklen“ eines E-Autos, um den Zustand der Batterie zu bestimmen. Dabei untersuche die Software nicht nur das gesamte Batteriepack, sondern könne auch in die Ebene der Module oder Zellen eintauchen.

Von der Technik sollen zum Beispiel E-Flottenbetreiber profitieren. Durch den digitalen Zwilling sollen sie ihre Betriebskosten senken können. Probleme und schlimmstenfalls Betriebsausfälle könnten durch die Echtzeitanalysen vermieden werden. Das ist eine Vision von Twaice.

Der Automobilzulieferer Bosch bietet seit kurzem ebenfalls einen Cloud-Service an, der unter anderem die Steuerung der Ladevorgänge optimieren soll. Die Software namens „Battery in the Cloud“ soll Lebensdauer und Leistung überwachen und Vorhersagen zur Lebensdauer machen.

Den Alterungsprozess der Batterie kennen

Auch bei Twaice will man in die Zukunft schauen: Eine schlaue Software simuliert, wie sich verschiedene Parameter auswirken, zum Beispiel auf die Leistung. Techniker könnten dann reagieren und die Konfiguration des Batteriemanagementsystems anpassen, sagt Stephan Rohr. Vor allem könnte man dadurch den Alterungsprozess abbilden – und dabei bestimmte Belastungen, beispielsweise das Klima, berücksichtigen. Das hilft nicht zuletzt bei der Einschätzung der Garantieversprechen.

Das würde die Entwicklung beschleunigen und könnte langwierige und teure Labortests ersetzen. Glaubt man Stephan Rohr, dann weichen die oft stark vom Realbetrieb ab. Auch diesen soll die Software besser abbilden.

Rohr: „Das richtige Thema zum richtigen Zeitpunkt“

Geld verdient das Münchener Software-Start-up bereits mit Kundenprojekten unter anderem bei deutschen Autoherstellern. Die Software sei marktreif und die Kommerzialisierung laufe gerade. Die Gründer erwarten ein „hohes Auftragsvolumen“, mit dem eingesammelten Kapital will man nun vor allem den Salesbereich kräftig aufbauen. „Wir hatten Glück, mit dem richtigen Thema zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt zu kommen“, sagt Stephan Rohr. Die Zustandsüberwachung von Batterien sei gerade eine Herausforderung für viele Entwickler. Twaice will sich nun als unabhängiger Softwareanbieter auf dem Markt platzieren. Das heißt auch: Potenzielle Käufer erhalten eine Abfuhr von den Gründern.

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Über den Autor

Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Autojournalistin

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