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Elektromobilität

Start-up Volabo: Neues Konzept für den E-Antrieb

| Autor: Svenja Gelowicz

Das Start-up Volabo aus Ottobrunn hat ein elektrisches Antriebskonzept namens Iscad entwickelt – und erprobt es gerade mit Zulieferern. Um den unkonventionellen Antrieb schnell auf die Straße zu bringen, gucken die Gründer auch Richtung Fernost.

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Das Team von Volabo entwickelt einen E-Motor: Aktuell hat das Start-up zwölf Mitarbeiter und sitzt in Ottobrunn bei München.
Das Team von Volabo entwickelt einen E-Motor: Aktuell hat das Start-up zwölf Mitarbeiter und sitzt in Ottobrunn bei München.
( Bild: Volabo )

Ein Schrank, etwa 70 Zentimeter groß, gefüllt mit allerlei Elektronik. Ein Kabel verbindet diesen Kasten mit einem Motor. Dieser ausladende Aufbau dient zur Demonstration: Die Technologie funktioniert. Nun, eineinhalb Jahre später, ist der Schrank überflüssig. Die Elektronik passt in einen Zylinder und ist jetzt direkt an den Motor angebaut – in einem umgerüsteten Minivan eines deutschen Herstellers. Ein Riesenerfolg für Volabo, ein junges Start-up aus Ottobrunn (Landkreis München). „Unseren dritten Prototypen in einem Fahrzeug demonstrieren zu können, ist ein wichtiger Schritt“, sagt Florian Bachheibl sachlich. Er ist einer der beiden Geschäftsführer von Volabo. Die vierte Generation steht in den Startlöchern; das zwölfköpfige Team wartet noch auf Bauteile. „Die hat dann A-Muster-Stand“, berichtet Bachheibl.

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Volabos Intelligent Stator Cage Drive (Iscad)

Volabo ist eine Ausgründung der Universität der Bundeswehr München. Bachheibl war Doktorand am Lehrstuhl für elektrische Antriebstechnik und Aktorik. Dort entstand die Idee für Iscad: „Intelligent Stator Cage Drive“. Das Konzept sei quergedacht, sagt der Gründer, aus Grundlagenforschung entstanden; das ganze Ökosystem E-Fahrzeug werde dadurch optimiert. Denn der E-Antrieb verwendet statt Kupferwicklungen einfache Aluminiumstäbe für einen massiven Statorkäfig. Jeder Stab wird über eine eigene Elektronikeinheit mit Strom versorgt und kann durch eine schlaue Regelung angesteuert werden. Dadurch könnte ein virtuelles Getriebe erzeugt werden.

Florian Bachheibl, Geschäftsführer von Volabo: „Unser System ist leichter und kleiner als konventionelle Asynchronmotoren.“
Florian Bachheibl, Geschäftsführer von Volabo: „Unser System ist leichter und kleiner als konventionelle Asynchronmotoren.“
( Bild: Volabo )

Diese Ansteuerungssoftware entwickeln die Gründer schon seit 2015, derzeit arbeiten fünf Leute des Teams daran. Neben Kupfer fehlen auch seltene Erden. Volabo will damit Rohstoffengpässe umgehen: Das System bestehe großteils aus Silizium, Eisen und Aluminium.

Die Vorteile von Iscad? Wie oft Bachheibl diese schon genannt haben muss, merkt man, wenn man ihm diese Frage stellt. „Der Motor ist sehr robust durch den Aufbau der Wicklung – Aluminiumstäbe statt dünner Drähte“, sagt Bachheibl.

Volabo-Motor soll 25 Prozent weniger Energie brauchen

Außerdem könne die Zahl der magnetischen Pole durch die Elektronik im Betrieb verändert werden. So könne der Motor über größere Betriebsbereiche optimiert werden, 25 Prozent Energie gegenüber heutigen Motoren gespart werden. „Das System ist auch leichter und kleiner als konventionelle Asynchronmotoren“, sagt Bachheibl.

Und: Der Motor läuft bei 48 Volt, also unterhalb der Berührschutzgrenze, und sei damit intrinsisch sicher bei Unfällen oder Wartung. Volabos Fokus liegt auf Modellen für die Massenmobilität mit 50 bis 150 kW Leistung. Kostenpunkt? „Wir sind derzeit kostengleich zu etablierten Antriebstechnologien“, so der Ingenieur.

Volabo erprobt mit ZF

Mit Iscad hat Volabo einige Preise eingeheimst, unter anderem die ZF Electric Innovation Challenge gewonnen. Weitere Zulieferer, mit denen sie den E-Antrieb gerade erproben, dürfen die Gründer nicht nennen. Vorgespräche mit Herstellern für Zusammenarbeiten sind laut Bachheibl in Aussicht. „Die Erprobung läuft gut. Wir freuen uns, die produktnahe Version unseres Systems zu testen“, resümiert er. Am Ende soll eine Komponente entstehen. In dem umgebauten Minivan kann die schon mal demonstriert werden.

Will Volabo mal als Tier-1 agieren? Nein, sagt Bachheibl, als Technologie- und Softwareanbieter. Aktuell generiert sein Unternehmen Umsätze durch Auslegungsprojekte für Firmen, die Grundlage dafür ist ausschließlich die Technologie – noch als Konzept. Später sollen Partner die Antriebe fertigen, Volabo selbst will die Regelungskomponente zuliefern. „Die Ansteuerungssoftware ist eine unserer Kernkompetenzen“, erklärt Bachheibl. „Außerdem wollen wir bei der Konstruktion und dem Engineering dieser Antriebe unterstützen.“

Doch bis dahin gilt es vor allem: Überzeugungsarbeit leisten – gerade weil manche OEMs, allen voran Porsche, die Standard-Antriebsspannung bei entsprechender Anwendung von 400 auf 800 Volt erhöhen wollen. Für das unkonventionelle Konzept sucht das Start-up derweil nach Kunden, die den Antrieb in der Erstanwendung nutzen wollen. An solche Entscheider heranzukommen: schwierig.

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Volabo sucht Investoren

Volabo rechnet damit, Mitte 2020 Iscad als fertiges Antriebssystem liefern zu können. „Es gibt neue Player in der Autoindustrie, die sehr schnell und agil sind“, sagt Bachheibl. Natürlich in China, aber auch in Europa. „Wir befinden uns in Gesprächen.“ Nun braucht Volabo vor allem eines: Geld. Das Start-up sucht Investoren, um die Entwicklung zur Serienreife voranzutreiben. Das sollte nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen.

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Über den Autor

Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Autojournalistin