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Studie: „Mobiles Arbeiten“ wird Normalität

| Redakteur: Jens Scheiner

Laut dem Abschlussbericht der Studie „Mobiles Arbeiten“ sind schon heute etwas mehr als die Hälfte aller Mitarbeiter mobil tätig, dies hat Vor- und Nachteile – für Arbeitgeber und Beschäftigte.

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Die Studie „Mobiles Arbeiten“ gibt einen Ausblick auf zukünftige Anforderungen an Arbeitgeber und neue Herausforderungen für Arbeitnehmer.
Die Studie „Mobiles Arbeiten“ gibt einen Ausblick auf zukünftige Anforderungen an Arbeitgeber und neue Herausforderungen für Arbeitnehmer.
(Bild: Franz Pfluegl)

Laut den Studienautoren von Messeveranstalter Spring Messe Management, der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin), der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V. sowie dem Büro für Arbeits- und Organisationspsychologie ist die Vorstellung, dass Mobile Worker hauptsächlich unterwegs, im Café oder im Park arbeiten, bislang nicht das vorwiegende Szenario. Auch Homeoffice sei nur ein Teil dessen, was mobiles Arbeiten heute ausmache. „Arbeitnehmer sind dort tätig, wo sie gerade aufgrund von Terminen, aktuellen Teamzusammensetzungen oder ihrer Work-Life-Balance sein müssen – also sehr häufig auch an wechselnden Orten im eigenen Betrieb“, so Prof. Dr. Jochen Prümper von der HTW Berlin.

Die Arbeitssituationen und ergonomischen Rahmenbedingungen IT-gestützter, mobiler Arbeit sind der Studie zufolge in mancher Hinsicht sogar besser als bei stationärer Arbeit. Mobile Worker profitieren demnach insbesondere von der Dauer, Lage und Verteilung der Arbeitszeit. Mehr als die Hälfte der Befragten sehen bessere oder viel bessere Gestaltungsmöglichkeiten. Doch gleichzeitig kann ein mobiles Arbeitsumfeld auch Nachteile für Arbeitnehmer haben, da sie häufig ihren Arbeitsort verlagern, und so wechselnden physikalischen Faktoren wie Licht, Temperatur und Klima ausgesetzt sind. Hinzu kommt oft ein ablenkendes Umfeld und unvorhersehbare akustische Störquellen. Sehr viele Mobile Worker berichteten über psychische Symptome wie Anspannung, vorzeitige Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder gesteigerte Reizbarkeit.

Gefährdungsbeurteilung: KMU tun sich am schwersten

Ein entsprechender Gesundheitsschutz – das zeigt die Studie ebenfalls – ist eine offene Flanke. Für mobile IT-Arbeitsplätze haben bisher die wenigsten Unternehmen eine Gefährdungsbeurteilung gemäß § 5 Arbeitsschutzgesetz vorgenommen. Drei Viertel der Betriebe führen diese nur teilweise oder gar nicht durch. Besonders große Versäumnisse räumen die Befragten in Bezug auf die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung durch mobile Arbeit ein. Während eine Mehrheit der sehr großen Unternehmen (≥ 3000 Beschäftigte) Gefährdungsbeurteilungen ihrer Arbeitsplätze im Allgemeinen voll und ganz durchgeführt hat (62,4 Prozent), nimmt diese Zahl bei den kleineren Unternehmen sukzessive ab. An mobilen IT-Arbeitsplätzen schneiden Organisationen aller Größen schlecht ab, doch auch hier zeigt sich eine Differenzierung. Sehr große Unternehmen haben nur zu 37,6 Prozent Gefährdungsbeurteilungen speziell für ihre mobilen Bildschirmarbeitsplätze durchgeführt, große zu 24,5 Prozent, sehr kleine zu 29,3 Prozent, kleine zu 20,3 Prozent und mittlere zu 15,5 Prozent. Demnach tun sich kleine und mittlere Unternehmen bei diesem Thema am schwersten.

„An stationären Bildschirmarbeitsplätzen müssen die Unternehmen für die Gefährdungsbeurteilung im einfachsten Fall lediglich eine einzige Arbeitsstätte einer Beurteilung unterziehen. Bei mobiler Bildschirmarbeit hingegen gibt es nicht den festen Arbeitsort, nicht den einen Nutzungskontext“, erklärt Prof. Prümper ein Problem der Arbeitgeber. Da Unternehmen die mobilen Systeme in dynamischen Umwelten beurteilen müssten, seien viel kleinteiligere Untersuchungen der möglichen negativen Auswirkungen in verschiedensten Arbeitssituationen nötig.

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Über den Autor

Jens Scheiner

Jens Scheiner

Redaktioneller Mitarbeiter Online/Print, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE