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Interview

Toyota: Produktprogramm, Strategien und die Konkurrenz

Welche Absatzziele verfolgt Toyota? Wie sieht das kommende Produktprogramm aus? Wie schätzt der Automobilhersteller seine Konkurrenz ein? Alain Uyttenhoven, Vizepräsident Toyota Motor Europe, im Interview mit »Automobil Industrie«.

| Autor/ Redakteur: Thomas Günnel / Thomas Günnel

Welche Absatzziele verfolgt Toyota? Wie sieht das kommende Produktprogramm aus? Wie schätzt der Automobilhersteller seine Konkurrenz ein? Alain Uyttenhoven, Vizepräsident Toyota Motor Europe, im Interview mit »Automobil Industrie«.

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Alain Uyttenhoven, Vizepräsident Produktplanung & Marketing sowie New Management Direction, Toyota Motor Europe: „Deutschland ist einer der solideren Märkte.“
Alain Uyttenhoven, Vizepräsident Produktplanung & Marketing sowie New Management Direction, Toyota Motor Europe: „Deutschland ist einer der solideren Märkte.“
( Toyota)

Wie beurteilen Sie das Wachstumspotenzial von Toyota in den USA, in Asien und vor allem in Europa?

Wir hatten im vergangenen Jahr Schwierigkeiten wegen des Tsunamis in Japan und einer Flut in Thailand. Im Gesamtjahr haben wir etwas mehr als sieben Millionen Autos verkauft: Ich spreche dabei nur von Toyota und Lexus. Für dieses Jahr peilen wir etwa 8,6 Millionen Fahrzeuge an. Die offizielle Zahl ist 8,58. Das ist natürlich ein großer Sprung. Wir gehen davon aus, dass sich der japanische Markt wieder stabilisiert. Außerdem wird unser Absatz in China von etwa 880.000 Einheiten auf etwas mehr als eine Million wachsen. Auch in den USA erwarten wir ein Comeback: sowohl auf dem gesamten Fahrzeugmarkt als auch bezogen auf Toyota. Der Grund dafür ist unsere Produktlawine im zweistelligen Bereich. Dadurch wird unser Absatz in Amerika von 1,6 auf 1,9 Millionen Fahrzeuge wachsen. In Europa werden wir auch wachsen – leider nicht in der gleichen Größe. Wir erwarten für den gesamten Fahrzeugmarkt Ost- und Westeuropa einen Rückgang um fünf Prozent. Eine Ausnahme bildet wahrscheinlich Russland: Im vergangenen Jahr stieg unser Absatz dort von 1,9 Millionen im Jahr 2010 auf 2,6 Millionen. Wir glauben, dass wir dieses Mal mehr in Richtung 2,8 Millionen gehen könnten. Insgesamt wird Toyota in Europa in diesem Jahr von ungefähr 822.000 auf 835.000 Einheiten wachsen. Natürlich mit etwas mehr Wachstum in den osteuropäischen Märkten, während die westeuropäischen Märkte dramatisch sinken werden – besonders in Südeuropa.

Thema Dieselmotoren und Kooperation mit BMW: Wollen Sie auf lange Sicht keine eigenen Dieselmotoren mehr herstellen?

Toyota ist langfristig orientiert. Solange die Kooperation für beide Unternehmen sinnvoll ist, kann sie andauern. Wir kaufen in einer ersten Phase einen 1,6- und 2-Liter-Motor von BMW. Im Gegenzug bringen wir Know-how bei Batterien ein. Die erste Applikation haben wir ab 2014.

Halten Sie dennoch an Ihrer Dieselmotorenfertigung in Polen fest?

Ja. Der Dieselmotor, den wir in Polen fertigen, ist ein 90-PS-Motor. Er wird im B-Segment verbaut und ist absolut nicht von der Kooperation mit BMW berührt. Es sind unterschiedliche Kategorien: Der 1,6-Liter-Motor von BMW fängt da an, wo der 1,4-Liter-Motor endet.

Im Wettbewerb um den „größten Automobilhersteller der Welt“ konkurrieren Sie vor allem mit GM, Volkswagen und Hyundai/Kia. Welchen Platz wollen Sie einnehmen?

Volkswagen hat sich dieses Ziel gesetzt, nicht Toyota. Wir sagen: Kunden kaufen Autos one-by-one und wir verkaufen sie individuell. Wenn wir durch diesen Erfolg der größte OEM weltweit werden, fein. Aber das ist für uns kein Ziel an sich.

Wen von den Genannten sehen Sie als ihren schärfsten Mitbewerber?

Das ist eine sehr interessante Frage. Toyota und Volkswagen haben die direkte Konkurrenz immer sehr elegant vermieden. Wo Toyota sehr stark ist, ist Volkswagen nicht so stark – das ist nicht negativ gemeint – und umgekehrt. Aber Volkswagen ist definitiv ein Konkurrent. General Motors ist auch ein Konkurrent, der gerade ein großes Comeback erlebt. Sie müssen definitiv mit Hyundai rechnen, Renault/Nissan ist auch da und Ford. Man darf auch nicht vergessen, dass der größte Automobilhersteller der Welt chinesisch ist. Alle chinesischen Automobilunternehmen die Joint Ventures sind gehören indirekt dem chinesischen Staat. Es gibt ungefähr 50 chinesische Marken auf dem Heimatmarkt. Einmal wird die Volksrepublik wahrscheinlich entscheiden, dass so viele nicht notwendig sind.

Mit welchem Produktprogramm stellen Sie sich der Konkurrenz gegenüber auf?

Toyota hat mehr als 80 Karosserievarianten weltweit. Toyota möchte sich mit zwei Merkmalen profilieren: zum einen durch die sehr hohe Qualität. Wir haben gerade bei der Kundenzufriedenheitsstudie von J.D. Power gesehen, dass die Toyota-Autos ebenso viele erste Plätze haben, wie alle anderen Automobilhersteller zusammen. Das ist in Europa nicht gleich ersichtlich, weil es beim ADAC so eine Art Historieneffekt gibt. Zum anderen möchten wir uns mit dem Thema Hybrid profilieren. Wir waren der erste OEM, der Hybridfahrzeuge auf den Markt gebracht hat, und einige haben uns damals belächelt. Heute sprechen alle von Hybrid und Plug-in-Hybrid kommt auch. Hier wird sich noch Einiges tun.

Sie wollen künftig auch das Sportwagensegment wieder stärker bedienen.

Das ist auch wichtig, ja. Seitdem Akio Toyoda da ist, sagen wir: „Passion is back“. Uns wurde vorgeworfen, dass wir in der Vergangenheit zu rationale Autos gebaut hätten. Der Grund dafür könnte zu schnelles Wachstum gewesen sein. Natürlich haben wir uns an Volumenautos orientiert – und Autos, die mit Leidenschaft zu tun haben, sind manchmal nur in kleineren Stückzahlen zu verkaufen. Aber wir haben daraus gelernt und kommen jetzt mit einem Auto, das sehr erschwinglich ist – 30.000 Euro – aber Spaß macht wie ein echter Sportwagen.

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