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Gastkommentar Über das Aus von Coup: Das Ende der Augenwischerei

| Autor/ Redakteur: Arthur Kipferler / Maximiliane Reichhardt

Bosch musste seinen E-Roller-Verleih „Coup“ einstellen. Mobilitätsexperte Arthur Kipferler, Partner bei Berylls Strategy Advisors, kommentiert in einem Gastbeitrag das Ende der Euphorie rund um Mobility-Start-ups.

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Bosch stellt seinen E-Roller Sharing-Dienst Coup ein.
Bosch stellt seinen E-Roller Sharing-Dienst Coup ein.
(Bild: Bosch)

Arthur Kipferler ist Partner bei Berylls Strategy Advisors.
Arthur Kipferler ist Partner bei Berylls Strategy Advisors.
(Bild: Dominik Osswald)

Bosch hat seinen E-Roller Sharing-Dienst Coup eingestellt und damit der Euphorie rund um Dienstleistungen zu neuer Mobilität einen empfindlichen Dämpfer verpasst. Tatsächlich operieren viele Mobility-Start-ups auf sehr dünnem Eis, decken mit ihrem Angebot keine „echte“ Nachfrage oder gar ein Grundbedürfnis. Kunden mieten bei ihnen ein Auto oder einen E-Roller für einen Weg, den sie ansonsten zu Fuß oder mit dem Bus, der Straßenbahn zurückgelegt hätten. Daraus ist bislang noch kein nachhaltig funktionierendes Geschäftsmodell entstanden. Denn leider liegt der Mietpreis oft unter jenen Kosten, die nötig wären, um diesen Service dauerhaft und zuverlässig zu betreiben.

Die sinnvolle Subvention, beispielsweise der Busse und Bahnen des ÖPNV, macht es den Newcomern unmöglich, ihren Service preislich unter dem klassischen Angebot zu positionieren und dann auch noch komfortabler zu sein.

Ein Mobilitätsangebot ist kein Selbstläufer

Die Auslastung ist und bleibt ein Killer bei allen Alternativen, erst recht beim Rollerverleih: Der Anbieter muss zunächst mehrere hundert bis tausend Roller in eine Stadt stellen, um eine gute Verfügbarkeit zu signalisieren und Kunden in der Folge zum Download der App zu bewegen. Selbstverständlich kann so ein Angebot richtig profitabel sein, wenn alle Roller 95 Prozent der Zeit vermietet sind. So weit die Theorie, die übrigens gleichermaßen für Busse oder Taxen gilt.

In der Praxis aber gibt es Nichtstoßzeiten, Regen, Nacht, Glätte und vieles mehr, was das Erreichen der Profitabilität extrem herausfordernd, wenn nicht unmöglich macht. Nur wenn die Mobilitäts-Start-ups zu marktgerechten Preisen über eine ordentliche Auslastung eine profitable Kostenposition für ihren Service erreichen, machen solche Angebote aus wirtschaftlicher Sicht Sinn.Tatsächlich ist offenbar selbst mit den üppigen Bosch-Ressourcen im Hintergrund, ein Mobility-Angebot alles andere als ein Selbstläufer. Im Business-Plan verbergen sich einfach zu viele Hürden, die erfolgreich genommen werden müssen, die wichtigsten sind: günstige Kosten der Fahrzeuge, ihr Verschleiß und die Wartung, Marketingbudgets, die IT des Gesamtsystems und natürlich die Auslastung der Roller. Unternehmen, die eine Jonglage mit so vielen Bällen beherrschen, haben eine Chance auf Erfolg. Coup gehörte nicht dazu und verschwindet, viele weitere Mobility Start-ups werden folgen.

Zur Person

Arthur Kipferler startete seine berufliche Laufbahn 1989 bei der Boston Consulting Group, für die er 13 Jahre mit Fokus auf die Automobilindustrie tätig war. Nach seiner Beraterkarriere hielt er führende Management Positionen bei Toyota in Europa und den USA. 2013 und 2014 war er globaler Programmleiter Future Retail bei der BMW Group. Danach hatte er leitende Strategie- und Planungsaufgaben bei Jaguar Land Rover in Coventry, UK. Arthur Kipferler verstärkt den Partnerkreis bei Berylls in den Schwerpunktthemen Vertrieb, Digitalisierung sowie Konzeption und Umsetzung von Unternehmens-, Produkt- und Regionalstrategien.

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