TÜV-Studie Umwelt- und Klimakrise belastet deutsche Unternehmen massiv

Quelle: Pressemitteilung des TÜV-Verbandes

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Die Auswirkungen der Umwelt- und Klimakrise sind allgegenwärtig. Das spürt auch die Wirtschaft. Eine Studie des TÜV-Verbands zeigt nun, wie deutsche Unternehmen hinsichtlich des Klimaschutzes aufgestellt sind.

Die Mehrheit der befragten Unternehmen erwartet, dass die Politik Verantwortung für die Lösung der globalen Klimaprobleme übernimmt.
Die Mehrheit der befragten Unternehmen erwartet, dass die Politik Verantwortung für die Lösung der globalen Klimaprobleme übernimmt.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Niedrige Flusspegelstände oder Extremwetterlagen: Die Folgen der Umwelt- und Klimakrise belasten die deutsche Wirtschaft schon jetzt massiv. Bei ihren Bemühungen für mehr Umwelt- und Klimaschutz haben viele Unternehmen jedoch Nachholbedarf.

Die Ergebnisse der repräsentativen Ipsos-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands unter 504 Unternehmen ab 25 Mitarbeitern machen nun deutlich, wo die Stellschrauben für die Nachhaltigkeitsprobleme der Unternehmen liegen.

Hohe Kosten bremsen Klimaschutz aus

Sie leiden unter Material- und Rohstoffmangel oder Störungen in ihren Lieferketten. Als Folge der Krise brechen ganze Märkte für bestimmte Produkte und Dienstleistungen weg. Das berichten die Unternehmen in der aktuellen „TÜV Sustainability Studie“. Und auch für die Zukunft erwarten fast vier von fünf Unternehmen Schäden als Folge der Umwelt- und Klimakrise (79 Prozent).

„Trotzdem hinken viele Unternehmen bei den eigenen Bemühungen für mehr Umwelt- und Klimaschutz hinterher“, sagt Prof. Axel Stepken, Präsident des TÜV-Verbands, bei Vorstellung der Studienergebnisse. Größte Bremsfaktoren für mehr Nachhaltigkeit sind hohe Kosten (61 Prozent), fehlende personelle Ressourcen (47 Prozent) und die derzeit unsichere gesamtwirtschaftliche Lage (46 Prozent).

Nachhaltigkeitsstrategie fehlt vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen

Laut den Ergebnissen der Studie tun sich vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) beim Umwelt- und Klimaschutz noch immer schwer. Eine Nachhaltigkeitsstrategie können bei Betrieben mit 25 bis 49 Mitarbeitenden nur 47 Prozent vorweisen. Messbare Umweltziele wie eine Verringerung des Energieverbrauchs oder eine Erhöhung der Recyclingquote haben lediglich 38 Prozent festgelegt.

„Ohne eine Strategie und messbare Ziele bleiben Umweltmaßnahmen in der Regel Stückwerk. Sie sind notwendig, um Aktivitäten bewerten und bei Bedarf nachsteuern zu können“, erläutert Stepken. Organisatorisch setzen viele Unternehmen eher auf die Sensibilisierung der Mitarbeitenden (74 Prozent) als ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem (34 Prozent) einzuführen.

Praktische Maßnahmen für den Klimaschutz

Die Studie zeigt jedoch auch, dass die Unternehmen bereits eine Vielzahl praktischer Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit ergriffen haben. Für 65 Prozent ist Umweltfreundlichkeit bei der Auswahl von Material ein wichtiges Kriterium und 63 Prozent nutzen zumindest teilweise erneuerbare Energien. Noch wenig verbreitet ist dagegen beispielsweise eine gänzlich klimaneutrale Logistik (24 Prozent).

Dabei haben sich die Unternehmen zum Teil ehrgeizige Ziele gesetzt. Gut vier von fünf Unternehmen streben Klimaneutralität an (82 Prozent). Allerdings haben nur 31 Prozent einen festen Zeitplan für die Erreichung dieses Ziels: Davon sind 5 Prozent nach eigener Aussage schon jetzt klimaneutral, 22 Prozent wollen dieses Ziel bis spätestens 2030 erreichen und 4 Prozent bis spätestens 2050.

Wunsch nach gesetzlichen Vorgaben

Auch der Wunsch nach gesetzlichen Vorgaben und damit die Schaffung gleicher Wettbewerbsbedingungen auf dem Markt war eines der Ergebnisse der Studie. So befürworten 73 Prozent der befragten Unternehmen eine Regulierung des Produktdesigns in Bezug auf Langlebigkeit, Reparatur- oder Recyclingfähigkeit.

Auch wünschen sich 72 Prozent der Unternehmen, dass die Einhaltung von Umwelt- und Klimaschutzvorgaben von unabhängigen Stellen geprüft wird. Denn unabhängige Prüfungen sind wiederum „die Grundlage für die Kennzeichnung von Produkten, an der sich Verbraucher und Lieferanten orientieren können“, so Stepken.

Unterstützung hinsichtlich des Klimaschutzes erwarten die Unternehmen also auch von der Politik. 73 Prozent fordern, dass die nationale und internationale Politik Verantwortung für die Lösung der globalen Umwelt- und Klimaprobleme übernimmt. Aus Sicht des TÜV-Verbands muss jetzt vor allem die EU-Gesetzgebung rund um den „Green Deal“ so schnell wie möglich auf den Weg gebracht und in nationales Recht überführt werden, um den Klimawandel zu bremsen.

Bislang ist – durch das im vergangenen Jahr in Kraft getretene Europäische Klimagesetz – lediglich der große Rahmen gesetzt: Die EU muss bis 2050 klimaneutral sein. Zudem gilt es, den Ausstoß von Treibhausgasen in der EU bis 2030 um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren.

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