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Elektromobilität VW E-Up: Konkurrenzfähiger Kleinwagen

| Autor / Redakteur: Jürgen Wolff / Andreas Grimm, Andree Stachowski

Mit dem E-Up steigt Volkswagen ab Herbst in den Markt der reinen Elektroautos ein. Die technischen Eckdaten und der Praxistest zeigen ein alltagstaugliches Fahrzeug.

Die Elektroversion des VW Up kommt im Herbst in den Handel. Im Vorabtest erweist sich das Modell als alltagstauglich.
Die Elektroversion des VW Up kommt im Herbst in den Handel. Im Vorabtest erweist sich das Modell als alltagstauglich.
(Foto: Jürgen Wollf)

Nach und nach kommen mehr vollwertige Elektroautos in den Verkauf und drängen in einen Nischenmarkt, den bisher ein paar Modelle wie der Renault Zoe oder der Nissan Leaf besetzt hatten. Nun schickt Europas Primus Volkswagen die elektrische Version des Kleinwagens Up ins Rennen und setzt gleich einmal ein Zeichen des Selbstbewusstseins: Angeboten wird der Elektro-Up nämlich ausschließlich mit hochwertiger Ausstattung. Das bedeutet, dass das ökologisch korrekte Fahren auch mit dem Up nicht billig wird.

Der E-Up wird ab einem Basispreis von 26.900 Euro zu haben sein. Allerdings sind im Preis inbegriffen unter anderem Navigationssystem, Climatronic, Multifunktionsanzeige, Frontscheiben- und Sitzheizung sowie abgedunkelte Heckscheiben. Die Benzin-Version dagegen gibt es bereits ab 9.975 Euro, mit Diesel ab 12.950 Euro.

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Obwohl der elektrische Kleinwagen damit gut doppelt so teuer ist wie ein herkömmlicher VW Up, liegt er so schlecht nicht im Konkurrenz-Umfeld:

  • Der deutlich spartanischere Mitsubishi i-MiEV und seine Derivate Peugeot Ion und Citroen C-Zero etwa stehen mit rund 29.400 Euro in der Liste.
  • Nissan will für die Basisversion der zweiten Generation des – allerdings größeren – Leaf 29.700 Euro haben.
  • Nur auf den ersten Blick preiswerter ist man mit dem Renault Zoe ab 21.700 Euro dabei – denn da kommt noch einmal eine monatliche Akku-Miete von mindestens 79 Euro drauf.

Voll alltagstaugliches Modell

Im Alltag bringt der E-Up praktisch keine Nachteile zum Benziner, nicht einmal beim Härtetest in den Alpen hinauf zum Silvretta-Stausee. Zum einen ist es am Berg natürlich hilfreich, wenn das komplette Drehmoment von 210 Nm schon ab der ersten Umdrehung anliegt. Der Motor zieht durch bis zur Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h, ein Schalten ist nicht nötig. Und so sehr der Bergaufstieg an den Kräften des Akkus zehrt, die nächste Bergabfahrt füllt den Stromspeicher – Stichwort Rekuperation – wieder im Rahmen der physikalischen Möglichkeiten.

Der E-Up hat drei einfach über den Automatikhebel anwählbare Rekuperations-Stufen. Entsprechend stark ist die Bremskraft, die der Generator ausübt. Normalerweise hat man bergab den Fuß auf der Bremse oder einen niedrigen Gang eingelegt – der VW-Stromer macht das von alleine. Der Lohn der gebremsten Berg- und Talfahrt: Von anfangs im Testfahrzeug angezeigten 150 Kilometer Reichweite bleiben nach dem Aufstieg noch 50 Kilometer übrig, die während des Abstiegs wieder auf über 140 Kilometer ansteigen.

Auch bei den Abmessungen und dem Raumangebot muss der Elektro-Fahrer keine Einschränkungen fürchten. Die Lithium-Ionen Akkus mit 18,7 kWh sind unter der Rückbank verstaut, das Kofferraum-Volumen erleidet keine Einbußen. Die Rückbank lässt sich problemlos umklappen, um den Laderaum bei Bedarf zu vergrößern. Das Gewicht der Batterien verschafft dem elektrifizierten und mit 1.130 Kilogramm rund 100 Kilo schwereren Up zudem einen niedrigeren Schwerpunkt, was seiner Straßenlage zugute kommt. Die 160 Kilometer Reichweite sind im Normalfall ebenso ausreichend – für einen Zweitwagen oder ein reines Stadtfahrzeug.

Fahrwerte ähnlich wie beim Benziner

Die Fahrwerte des Fronttrieblers sind ähnlich wie beim Benziner: Für den Spurt von 0 auf 100 km/h braucht der E-Up 12,4 Sekunden. Beim maximalen Drehmoment kommt der Benziner auf 171 Nm, das Elektro-Derivat auf 210 Nm. Der Elektromotor vorne unter der Haube schafft 60 kW/82 PS, der Benziner bringt es mit seinen drei Zylindern auf 55 kW/75 PS. Nur bei der Höchstgeschwindigkeit ist der Benziner mit 171 km/h klar im Vorteil. Das zahlt er dann allerdings auch mit einem offiziellen Durchschnittsverbrauch von 4,2 Litern Super auf 100 Kilometern.

Aufgeladen wird der E-Up an der Steckdose. Und braucht dafür seine Zeit. Wer eine der wenigen Gleichstrom-Schnelladesäulen mit bis zu 40 kW zur Verfügung hat, der verschafft den entladenen Akkus binnen 30 Minuten wieder 80 Prozent ihrer Ladung. Alternativ lässt sich der E-Up auch an einer herkömmlichen Steckdose mit 2,3 kW oder über eine eigene Wallbox mit 3,6 kW aufladen. Dann dauert es entsprechend länger, doch seine „Tankkosten“ liegen bei weniger als der Hälfte der Benzinversionen. Die kommen bei einem Benzinpreis von 1,59 Euro pro Liter auf 6,68 Euro je 100 Kilometer. Für den E-Up gibt Volkswagen den nach NEFZ ermittelten Energiepreis pro 100 Kilometer mit „weniger als drei Euro“ an.

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