Betriebsversammlungen VW streicht ein Viertel der Management-Stellen

Quelle: dpa 4 min Lesedauer

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VW-Chef Blume kündigt bei Betriebsversammlungen in Emden und Zwickau harte Einschnitte an: ein Viertel weniger Management-Stellen in Zentralfunktionen. Weiterhin unklare Zukunft für vier Werke.

Die Zukunftsmodelle von VW wie der ID3 werden in Emden gebaut - trotzdem steht das Werk möglicherweise zur Disposition.(Bild:  Volkswagen)
Die Zukunftsmodelle von VW wie der ID3 werden in Emden gebaut - trotzdem steht das Werk möglicherweise zur Disposition.
(Bild: Volkswagen)

VW-Konzernchef Oliver Blume hat bei der Betriebsversammlung am gefährdeten Standort Emden spürbare Einschnitte im Management angekündigt. Angesichts des Spardrucks schaue man auch dort genau hin und baue ein Viertel der Stellen ab, sagte Blume. „Alle Bereiche müssen ihren Teil beitragen; es ist ein Kraftakt, der nur gemeinsam gelingen kann.“ 

Mit Blick auf den drohenden Stellenabbau insgesamt sagte der VW-Boss, dass es in einem nächsten Schritt insbesondere um die Kosten außerhalb der direkten Fahrzeugproduktion gehe – also: Konzernstellen, zentrale Funktionen, Entwicklung oder Vertrieb. Mit Blick auf die bedrohten Standorte wiederholte Blume, er wolle Werksschließungen vermeiden, bisher gebe es keine Beschlüsse. 

Der VW-Boss betonte in Emden die schwierige Wettbewerbslage des Standorts. Die Arbeitskosten lägen mehr als doppelt so hoch wie an vergleichbaren europäischen Standorten, auch bei den Fabrikkosten seien andere Werke deutlich günstiger, sagte Blume. Das Werk in Ostfriesland gilt als gefährdet, weil es noch keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er Jahre gibt.

Emden produziert Elektromodelle

Dass das Werk Emden auf der Kippe stehen soll, hatte überrascht, weil dort schon Ende 2024 der letzte Verbrenner vom Band gelaufen war und nach einer Milliardeninvestition ausschließlich E-Autos gebaut werden. In dem Werk arbeiten rund 7.700 Beschäftigte. Der Standort gilt in Ostfriesland als der wichtigste industrielle Arbeitgeber. 

„Die Welt, auf deren Grundlage wir viele Entscheidungen der vergangenen Jahre getroffen haben, gibt es so nicht mehr“, sagte Blume. Es gebe Veränderungen und deshalb müsse die Lage immer wieder neu bewertet werden. In Emden seien die Kosten zwar gesenkt, aber eben weiter vergleichsweise hoch. „Das ist kein Vorwurf, es ist die Realität, an der wir uns messen lassen müssen“, sagte Blume. 

Nach seiner Ankündigung, den Sparkurs zu verschärfen, wird beim größten Autobauer Europas um Zehntausende zusätzliche Jobs und vier ganze Standorte gebangt. Neben Emden waren dabei auch Zwickau und Hannover sowie das Werk der Tochter Audi in Neckarsulm in den Fokus geraten. Auch dort fehlt nach Angaben des Vorstands eine wettbewerbsfähige Belegung.

Auch in Zwickau geht die Angst um

Nach Emden reiste Blume weiter nach Zwickau, wo ebenfalls eine Betriebsversammlung stattfand. Noch eher als Emden galt die Fabrik dort als Pionier der Elektromobilität bei Volkswagen. Seit 2020 werden ausschließlich E-Autos gebaut. Zuletzt sank die Zahl der Beschäftigten in Zwickau aber schon von rund 11.000 zu Hochzeiten auf aktuell noch etwa 8.000. Mehr als 1.000 weitere Jobs werden in den nächsten Jahren planmäßig wegfallen, 2027 soll eine der beiden Fertigungslinien stillgelegt werden. 

 Nach Unternehmensangaben lobte Blume in Zwickau die Anstrengungen der Beschäftigten, die Kosten am Standort zu senken. „Ihr habt Kosten gesenkt, Abläufe verbessert und den vereinbarten Personalumbau planmäßig vorangebracht. Kurz gesagt: Ihr habt gezeigt, dass Veränderung möglich ist“, sagte er bei der Betriebsversammlung. „Man kann allen im Konzern nur immer wieder sagen: Schaut nach Sachsen, wie gut das da gelaufen ist.“

 Trotzdem sei man nicht am Ziel. Es gehe darum, dauerhaft die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu sichern. „Die Arbeitskosten liegen heute bei mehr als dem Doppelten vergleichbarer europäischer Standorte. Und auch bei den Fabrikkosten liegen andere Werke noch deutlich günstiger“, so Blume.

Klarheit hat der Auftritt für die Beschäftigten allerdings nicht gebracht. „Die entscheidenden Fragen sind nicht beantwortet worden“, konstatierte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Zwickau, Thomas Knabel. Mike Rösler, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates von Volkswagen Sachsen sprach von einer „gemischten Stimmung“. Es habe nicht die Antworten gegeben, die sich viele erhofft hätten, aber auch keine Hiobsbotschaften.

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 An der Autoproduktion hängen viele Jobs bei Zulieferern. Das machte Marcel Kuczyk, Vize-Betriebsratsvorsitzender von Schnellecke Logistics in Glauchau, deutlich. Er war mit mehreren Kollegen vors Zwickauer VW-Werk gekommen, um sich für dessen Erhalt starkzumachen. Allein am Standort seines Unternehmens arbeiteten rund 600 Menschen. Sie hängen seinen Angaben nach zu 100 Prozent an der Autofabrik von VW.

Blume: keine Entscheidung zu möglichen Werkschließungen

 Blume bekräftigte den Angaben zufolge, dass es für die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm noch keine „keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre“ gebe. „Ich möchte aber auch klarstellen, dass es keine Entscheidung zu möglichen Werkschließungen gibt.“

 Sollte es trotz aller Anstrengungen am Ende keine Belegung für sie geben, dann stehe Volkswagen trotzdem in der Verantwortung. Blume: „Wir kämpfen um industrielle Perspektiven und um Beschäftigung für unsere Standorte. Mit Partnern. Mit Investoren. Mit neuen industriellen Lösungen.“

Mit dem Motorenwerk in Chemnitz und der Gläsernen Manufaktur in Dresden hat Volkswagen zwei weitere Standorte in Sachsen. Dort wird Blume an diesem Donnerstag erwartet. In Dresden werden bereits keine Fahrzeuge mehr produziert.