CO2-neutrale Kraftstoffe „Wir werden nicht Kabel an den Stränden der Costa Brava vorbeilegen“

Von Claus-Peter Köth

Erst gestern appellierte der Zuliefererverband Clepa an den französischen Präsidenten Macron, dem Potenzial von E-Fuels mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Doch ist es dafür, zumindest im Pkw, nicht zu spät? Wir haben nachgefragt bei Norbert Alt von der FEV Group.

Norbert W. Alt ist Geschäftsführer und COO der FEV Group.
Norbert W. Alt ist Geschäftsführer und COO der FEV Group.
(Bild: FEV)

Herr Alt, gemäß des aktuellen Koalitionsvertrags sollen in Deutschland ab 2035 neben Elektroautos auch „nachweisbar mit E-Fuels betankbare Verbrenner-Fahrzeuge neu zugelassen werden können“. Ein neuer Hoffnungsschimmer für den Verbrennungsmotor und für die Befürworter von E-Fuels?

Ein möglichst hoher Marktanteil von reinen E-Fahrzeugen ist im Zeitalter der regenerativen elektrischen Energie aufgrund des hohen Wirkungsgrades des E-Fahrzeugs unbedingt anzustreben. Zusätzlich brauchen wir E-Fuels für die Bestandsflotten, um die Klimaziele 2030/2035 im Transportsektor erreichen zu können. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Bestandsflotte nicht nur die Fahrzeuge betrifft, die heute auf der Straße sind, sondern auch die Fahrzeuge, die heute und morgen erst verkauft werden. Denn selbst im Rekordjahr 2021 wurden noch achtmal mehr Pkw mit Verbrennungsmotoren zugelassen als batterieelektrische Autos. FEV schlägt vor, dass neben rein elektrischen Fahrzeugen auch sogenannte „Hybrid-BEVs“ im Markt bleiben sollten – auch nach 2035. Diese haben zusätzlich zur Batterie ein hocheffizientes Energiewandlersystem an Bord, welches mit E-Fuels CO2-neutral betrieben wird.

Die Batterietechnik entwickelt sich rasant weiter, zusätzlich wird sehr viel Geld in den Aufbau eines brauchbaren Ladenetzes gesteckt. Ist es für E-Fuels im Pkw nicht schon zu spät – zumindest in Europa?

Wir brauchen Technologieoffenheit um eine wirkliche Chance zu haben, die Klimaziele im Transportsektor 2030/2035 zu erreichen. Das heißt, wir brauchen möglichst viele Elektrofahrzeuge, aber zusätzlich E-Fuels für die Bestandsflotten und die Hybrid-BEVs. Zudem brauchen wir H2 für Fahrzeuge mit Wasserstoff-Verbrennungsmotoren und Brennstoffzellenantriebe, die auch einen signifikanten Beitrag zur CO2-Reduktion leisten. Die Entweder-Oder-Diskussion ist nicht zielführend, wir brauchen alles – auch nach 2035.