Im Interview: Dr. Lars-Peter Thiesen

Zum Antrieb mittels Wasserstoff-Brennstoffzelle

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Müssen aus Ihrer Sicht die OEM gegenüber der Industrie in Vorleistung gehen, um die notwendige Infrastruktur für Wasserstofffahrzeuge bereitzustellen?

Der Aufbau der Wasserstoff-Infrastruktur kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten am selben Strang ziehen und ihren Teil einbringen – und damit meine ich die OEM, die Öl- und Gase-Industrie und auch die Regierung. Wir sind in den letzten 15 Jahren schon gewaltig in Vorleistung getreten durch die Entwicklung der Brennstoffzellen-Antriebssysteme, und die Entwicklung zu einem Serienprodukt wird bei jedem einzelnen Fahrzeughersteller weitere hohe dreistellige Millionenbeträge erfordern.

Jetzt müssen die Tankstellenbetreiber und die Hersteller der Betankungstechnik zeigen, was sie können, und sich auch finanziell entsprechend einbringen. Und die Aufgabe der Regierung wird es sein, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass der Kunde ein Brennstoffzellenfahrzeug kaufen wird und auch genügend Tankstellen vorfindet.

Seit April dieses Jahres ist in Berlin an einer Tankstelle so genannter Windwasserstoff verfügbar. Möglich machen das mit Total und Enertrag ein Mineralölkonzern und ein Energieunternehmen. Inwieweit sehen Sie diese Branchen in der Pflicht, die Infrastruktur für Wasserstoff-Brennstoffzellen zu fördern?

Grundsätzlich kann Wasserstoff aus (nahezu) jedem Primärenergieträger erzeugt werden. Aber besonders umweltfreundlich ist er natürlich, wenn regenerative Energiequellen zum Einsatz kommen. Deshalb ist es enorm wichtig, dass die Mineralöl- und Energiekonzerne ihr Engagement im Bereich der erneuerbaren Energien verstärken. Und genau dann kann Wasserstoff sein volles Potenzial ausschöpfen: Er ist nämlich nicht nur ein umweltfreundlicher Kraftstoff, sondern auch das beste Medium um große Mengen von Energie zwischen zu speichern – und das wird umso notwendiger, je mehr Windkraft- und Solaranlagen in Betrieb gehen.

Ein paar Jahre in die Zukunft gedacht: Ab wann kann Ihrer Meinung nach Mobilität mittels Brennstoffzelle flächendeckend zum Einsatz kommen?

Das Jahr 2015 ist als Datum seitens der Autohersteller genannt worden. Unseren eigenen Plan haben wir im Detail noch nicht bekanntgegeben, aber es wird entscheidend von den Randbedingungen abhängen, zu denen eben auch die Verfügbarkeit von Wasserstoff-Tankstellen gehört. Die Stückzahlen und damit die Marktdurchdringung werden in den Jahren danach stark ansteigen, aber bis das Straßenbild von Brennstoffzellenfahrzeugen geprägt werden wird, vergehen sicher noch 15 bis 20 Jahre. Immerhin fährt ein Auto im Schnitt etwa zehn Jahre auf der Straße, bevor es in der Schrottpresse landet.

Das Interview führte Thomas Günnel.

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