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Wiener Motorensymposium 2018

Antriebstechnik: Eine Branche wehrt sich

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Die Elektromobilität schafft es nicht

Natürlich hat auch die E-Mobilität noch Entwicklungspotential. Neue Batteriekonzepte, die angeblich immer gerade vor der Tür stehen, sollen eine höhere Energiedichte bieten. Die liegt zur Zeit auch bei den besten Batterien 25fach niedriger als bei Dieselkraftstoff. Und die Öffentlichkeit harrt einer Lösung der Rohstoffproblematik, die sich zunehmend als geopolitisches Wirtschafts-, Umwelt- und Menschenrechtsfiasko entpuppt.

Die Autohersteller, die bereits Milliarden in das Thema versenkt haben, üben sich in Zweckoptimismus: Wer einmal ein Elektroauto gefahren sei, kehre nicht mehr zum Verbrenner zurück, behauptet ein Vortragender aus dem Hause BMW. Und Porsche-Chef Oliver Blume beteuert, der neue Mission E fahre sich wie ein echter Sportwagen. Auf Nachfrage von Motoren-Koryphäe Friedrich Indra muss er präzisieren: Man könne damit zehnmal von 0 auf 100 km/h oder viermal von 0 auf 200 km/h hochbeschleunigen, bevor das Auto in ein Not-Sparprogramm umschaltet. Das bedeutet: Für eine Runde auf der Nordschleife dürfte es nicht reichen.

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Die Politik blockiert

Kein Wunder, dass die versammelten Entwickler ihre Verwunderung über die autofeindliche politische Diskussion zum Teil kaum verbergen konnten. Angesichts der Faktenlage müsse die Verteufelung des Verbrenners zurückgenommen werden. Die Einfahrbeschränkungen in Innenstädte grenzten an eine automobile Apartheid. Und die Partikeldiskussion? Hier sollte man sich vielleicht eher auf Fahrräder konzentrieren, so der sarkastische Einwand eines Forschers.

Die Emissionen durch Brems- und Felgenabrieb der Drahtesel lägen mittlerweile höher als die Emissionen durch moderne Autos. Was die E-Mobilität betrifft, herrscht Skepsis: „Kein Autohersteller kann sich die Infrastruktur leisten und auch keine Kunde“, gibt ein Manager zu bedenken. Ein anderer sagt: „Gott sei Dank müssen wir nicht in Produktionsanlagen investieren.“

Fehlplatzierte Messpunkte

Unterdessen gewährte ein VDA-Vertreter interessante Einblicke in die politischen Entscheidungsmechanismen in Berlin. Dabei erwähnte er einige der wenigen Messpunkte, an denen überhaupt noch die NOx-Grenzwerte überschritten werden. In Kiel etwa werde am Theodor-Heuß-Ring 600 Meter vom Hafen entfernt gemessen, wobei noch ein Bahnhof dazwischenliege. Hier werden der Autoindustrie die Emissionen durch Dieselloks und Schifffahrt untergeschoben.

In Köln wird am Kleveschen Ring an einer Stelle gemessen, an der sich wegen der Sperrung der Leverkusener Brücke der internationale Schwerverkehr vorbei zwängt. Und die „rote Laterne“ München messe am Endpunkt von drei Autobahnen: „Die Städte wollen mit der 'blauen Plakette' andere Probleme lösen, nämlich ihr Verkehrsproblem.“ Bundeskanzlerin Merkel wiederum stehe auf dem Standpunkt, sie könne das Thema der fehlplatzierten Messpunkte nicht anpacken. Dies müsse von den Umweltverbänden kommen.

Elektromobilität: Doch kein Allheilmittel?

Doch es gibt, auch dies war in Wien zu hören, inzwischen auch nachdenkliche Politiker. In den Diskussionen setze sich langsam aber sicher die Erkenntnis durch, dass die E-Mobilität als Allheilmittel untauglich ist. Im Jahr 2020 wird der Zeitpunkt erreicht, zu dem eigentlich eine Million Elektroautos auf der Straße sein sollten. Dieses Ziel wird, das lässt sich mit Sicherheit sagen, weit verfehlt. Und dann dürfte eine breite Diskussion darüber einsetzen, welche Rolle die einzelnen Technologien im Individualverkehr der Zukunft spielen sollen. Sie käme keinen Augenblick zu früh. Und die Erkenntnisse des diesjährigen Motorensymposiums könnten dabei eine entscheidende Rolle spielen.

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