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Historische Fahrzeuge

Benz Patent-Motorwagen: Weit vor der IAA

| Redakteur: Thomas Günnel

Ohne ihn gäbe es wohl keine IAA: Am 29. Januar 1886 meldet Carl Benz seinen Motorwagen zum Patent an. Sein Patent-Motorwagen, wie das dreirädrige Gefährt fortan heißt, ist damit offiziell das erste Automobil.

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Carl Benz mit Familie und Baron Theodor von Liebieg im Jahre 1894, mit Benz Victoria und Benz Patent-Motorwagen Vis-à-Vis. Der Benz Victoria war das erste vierrädrige Fahrzeug von Carl Benz.
Carl Benz mit Familie und Baron Theodor von Liebieg im Jahre 1894, mit Benz Victoria und Benz Patent-Motorwagen Vis-à-Vis. Der Benz Victoria war das erste vierrädrige Fahrzeug von Carl Benz.
(Foto: Daimler)

Es ist die technische Eigenständigkeit, die den Patent-Motorwagen zum ersten Auto macht. Im Unterschied zu anderen Erfindern hat Benz nicht lediglich einen Verbrennungsmotor in ein vorhandenes Kutschenfahrgestell eingebaut und damit zum Selbstbeweger (altgriechisch/lateinisch: auto/mobil) gemacht. Seine Konstruktion umfasst das gesamte Fahrzeug: Ihm ist vollkommen klar, dass ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor anderen technischen Gesetzen folgt als eine Pferdekutsche.

Deutsche Reichspatent Nr. 37435

Mit klassischen Ingenieursmethoden schafft Benz innovative Technik: Wichtigste Merkmale des 1885 realisierten zweisitzigen Gefährtes sind der kleine, schnell laufende Einzylinder-Viertaktmotor, liegend im Heck eingebaut, der Stahlrohrrahmen, das Differential und drei Drahtspeichenräder. Der Motor leistet 0,75 PS (0,55 kW). Details sind der automatische Einlass-Gleitschieber, das gesteuerte Auslassventil, die elektrische Hochspannungs-Summer-Zündung samt Zündkerze und die Wasser-/Thermosiphon-Verdampfungskühlung. Damit ausgestattet, rollt der erste Motorwagen im Jahr 1886.

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Im November des selben Jahres erklärte die Deutsche Reichspatent Nr. 37435 den Motorwagen offiziell zum ersten Automobil. Insgesamt baut Benz rund 25 Exemplare des dreirädrigen Motorwagens. Im August 1888 nimmt sich Bertha Benz, die Ehefrau des Erfinders, heimlich ein zu diesem Zeitpunkt bereits verbessertes Exemplar und fährt damit mit ihren Söhnen rund 180 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim und zurück. Die Reise verschafft dem Fahrzeug starke Publizität und Benz verkauft eine Reihe von Fahrzeugen an Kunden.

Die Modelle I bis III

Das Modell I ist der ursprüngliche Patent-Motorwagen. Er hat Stahlspeichenräder und weitere konstruktive Details, die auf den Fahrradbau der Zeit verweisen. Das modifizierte Modell II entsteht ursprünglich ebenfalls als Dreirad, wird dann aber versuchsweise auf vier Räder umgebaut. Der Wagen ist inklusive der Achsschenkellenkung, die in ihm erprobt wird, ein weiterer wichtiger Schritt hin zum modernen Automobil. Vermutlich hat es nur ein Exemplar gegeben.

Das erste Automobil, das in geringen Stückzahlen verkauft wird, ist aber das Modell III. Es gibt unterschiedliche Aufbauten. So kann der Kunde sich für eine zusätzliche Vis-à-vis-Sitzbank und damit insgesamt vier Sitzplätze entscheiden oder auch für ein Faltverdeck. Das Fahrzeug hat Holzspeichenräder. Die beiden hinteren, angetriebenen Räder, Durchmesser: rund 125 Zentimeter, sind mit Stahl beringt, während das lenkbare Vorderrad, Durchmesser: 80 Zentimeter, mit Vollgummi belegt ist. Der Radstand beträgt rund 1,58 Meter und die Spurweite 1,25 Meter.

Die patentierte Achsschenkellenkung

Im Jahr 1893 folgt ein vierrädriges Fahrzeug: Der Benz Victoria verfügt über die auf Carl Benz patentierte Achsschenkellenkung. Der Motor leistet 3 PS (2,2 kW) und das Modell ist in unterschiedlichen Karosserien erhältlich und wird in größerer Stückzahl gebaut. Das erste in Großserie hergestellte Auto der Welt mit etwa 1.200 gebauten Exemplaren ist das Benz Velociped von 1894, ein leichter und preiswerter Kleinwagen.

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