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Branchenanalyse Berylls: Die Wahrheit hinter dem Apple- & Google-Car

Autor / Redakteur: Andreas Radics/ Jonas Wagner / Christian Otto

Viel wird über das Engagement der großen IT-Unternehmen in der Automobilbranche gemutmaßt. Das Beratungsunternehmen Berylls Strategy Advisors sieht hier Aufklärungsbedarf und bietet mit einigen Fragen einen Impuls für die interne Diskussion bei OEMs und Zulieferern.

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Die IT-Giganten Google und Apple scheinen die Automobilbranche vor sich herzutreiben
Die IT-Giganten Google und Apple scheinen die Automobilbranche vor sich herzutreiben
(Foto: Berylls Strategy Advisors)

Täglich gibt es neue Gerüchte und Ankündigungen zu autonomen, batterieelektrischen Fahrzeugen aus dem Silicon Valley. Insbesondere das Engagement von Apple und Google sorgt auch für Verunsicherung bei der deutschen Automobilindustrie. Es scheint beinah, als würden die Unternehmenslenker der Automobilbranche unweigerlich die Rolle eines Getriebenen einnehmen. Dabei lässt sich bei genauem Betrachten der Aktivitäten der Kalifornier nur festhalten, dass es außer Prototypen und Personalmeldungen wenig Konkretes gibt.

Gerade vor diesem Hintergrund empfiehlt die Unternehmensberatung Berylls Strategy Advisors, dass die deutsche Autoindustrie dem Hype Sachlichkeit, Souveränität und Selbstbewusstsein entgegensetzen und die Deutungshoheit über die Mobilität der Zukunft zurückgewinnen soll. Zudem hat Berylls elf Fragen an Manager von OEMs und Zulieferern formuliert, die den internen Diskurs im Unternehmen anregen sollen. Die Branchenkenner bieten zudem auch einige Antworten zur Einordnung:

1. Wieso sollten Apple & Co. eigentlich Autos verkaufen?

Automobile zu bauen, zu vertreiben und vor allem auch den Service anzubieten, ist definitiv nicht das Kerngeschäft von Apple & Co. Angesichts der bestehenden Anbieterstrukturen, Investitionsbedarfe, weltweiten Überkapazitäten und Margenaussichten wird es das auch nicht werden. Für die Silicon-Valley-Akteure ist es viel naheliegender, ihr bestehendes Kerngeschäft zu erweitern, statt neue und bis dato völlig unbekannte Geschäftsfelder zu erschließen. Für diese Unternehmen gibt es aussichtsreichere Geschäftsfelder mit interessanteren Marktstrukturen und stärkerer Skalierbarkeit als den Automobilbau.

2. Was macht das Automobilgeschäft für diese Unternehmen denn interessant?

Es ist die Zeit, die wir Tag für Tag im Auto verbringen. Durchschnittlich verbringt jeder Berufspendler über eine Stunde in seinem Fahrzeug. Das ist brachliegendes Potenzial für Unternehmen, die von der Mediennutzung leben. Einfache Logik: Fährt das Auto autonom, kann die Mediennutzung deutlich erweitert werden, da der Fahrer nach Beschäftigung sucht. Wer den medialen Zugang zum Fahrer hat, dem winkt Mehrgeschäft durch Daten, Apps, Verkauf von Inhalten, Werbung und dem Generieren von Nutzungsdaten – ein Milliardenmarkt.

3. Was wollen Apple & Co. also wirklich?

Sie wollen das autonome Fahrzeug und sie wollen diejenigen sein, die den Fahrer und andere Passagiere während der Autofahrt mit Daten und Inhalten versorgen. Dafür brauchen sie die Automobilhersteller, damit autonomes Fahren Realität wird. Das Kalkül: Da jeder Apple & Co. zutraut, ein autonomes Auto zu bauen, führen Ankündigungen aus dem Silicon Valley dazu, dass der Rest der Industrie die Entwicklungsaufwendungen und das -tempo steigert – und am Ende bekommen Apple und andere, was sie suchen: Ein flächendeckendes Angebot autonomer Pkw von verschiedenen Marken und in allen Preisklassen.

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