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China Market Insider China kürzt gerade erst verlängerte E-Auto-Subventionen

| Autor / Redakteur: Henrik Bork* / Jens Scheiner

Die chinesische Staatsregierung reduziert die Subventionen für E-Autos und fördert nur noch Fahrzeuge unter 39.000 Euro. Deutsche Premiumhersteller profitieren damit nicht mehr von den Kaufanreizen.

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Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet die »Automobil Industrie« regelmäßig über den chinesischen Automobilmarkt.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet die »Automobil Industrie« regelmäßig über den chinesischen Automobilmarkt.
(Source: Deposit Photos )

China will die gerade erst verlängerten Subventionen für bestimmte Elektroautos nun doch um zehn Prozent kürzen. Das chinesische Finanzministerium gab die Reduzierung am Donnerstag vergangener Woche (23.04.) bekannt, bestätigte aber gleichzeitig die Verlängerung der Förderung um zwei Jahre bis zum Jahr 2022. Ursprünglich hätten die Kaufanreize in diesem Jahr auslaufen sollen, waren dann aber im März wegen des befürchteten Nachfragerückgangs aufgrund der Coronakrise verlängert worden.

Die nun reduzierten Subventionen gelten nur für E-Autos, inklusive Hybridfahrzeuge und Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb mit Verkaufspreisen von weniger als 300.000 chinesischen Yuan (rund 39.000 Euro).

Hochwertige E-Autos werden nicht mehr gefördert

Teslas Model 3, das seit kurzem in Shanghai produziert wird, und die qualitativ hochwertigen E-Autos von Daimler und BMW, die allesamt teurer sind, werden demnach nicht mehr gefördert. Inwiefern dies ab jetzt die Verkäufe der ausländischen Marken in China bremsen wird, ist unter Marktbeobachtern in Peking und Shanghai derzeit noch umstritten.

Manche Insider argumentieren, die Subventionen hätten für chinesische Käufer solcher Luxusautos ohnehin nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Im Vergleich zu den Preisen für Top-E-Modelle seien die Subventionen von umgerechnet etwa 3.200 Euro pro Wagen zu gering, um das Kaufverhalten massiv zu beeinflussen, hieß es. Andere Beobachter sind skeptischer. Der Effekt müsse erst abgewartet werden, sagten sie.

Chinas Regierung benutzt die Subventionen einerseits, um die in der Folge ihrer Coronavirus-Politik eingebrochene Binnenkonjunktur wieder anzukurbeln, ist andererseits seit geraumer Zeit besorgt wegen ihrer rasch wachsenden Staatsverschuldung. In den kommenden zwei Jahren sollen die Subventionen für E-Autos weiter reduziert werden – im Jahr 2021 um 20 Prozent und im Jahr 2022 um 30 Prozent, gab das Finanzministerium nun bekannt.

Gleichzeit hat Peking aber das ambitionierte neue Ziel verkündet, dass NEV (New Energy Vehicles) bis zum Jahr 2025 landesweit ein Viertel aller verkauften Neuwagen stellen sollen. In absoluten Zahlen sind in China bislang 3,81 Millionen Elektrofahrzeuge verkauft worden, zitierte die Wirtschaftszeitung „Diyi Caijing“ vor wenigen Tagen den chinesischen Analysten Zhang Xiang.

Deutliche Verunsicherung der Staats- und Parteiführung

Das Hin- und Her von krisenbedingten Verlängerungen und kurz darauf wieder Kürzungen von Subventionen für die heimische E-Mobilität deutet jedoch trotz aller optimistischen Prognosen und ambitionierten Pläne auf eine deutliche Verunsicherung der kommunistischen Staats-und Parteiführung hin – angesichts der nun aufziehenden Weltwirtschaftskrise.

Für dieses Jahr war ursprünglich das Ziel von fünf Millionen verkauften E-Autos ausgegeben worden, so Zhang. Diese optimistische Zahl kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Absatz von E-Autos in China seit geraumer Zeit nur schleppend vorangeht. Die Verkäufe waren schon im vergangen Jahr rückläufig, nachdem Peking Subventionen zurückgefahren hatte. Der März 2020 war nun schon der neunte Monat in Folge, in dem in China weniger E-Autos als im Vormonat verkauft wurden. Der Absatz lag 50 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum.

Infolge der Coronakrise und der drastischen Shutdowns sind die Verkäufe in China bereits im Februar massiv eingebrochen, und erholen sich aktuell nur zögerlich.

*Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Peking.

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