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Fokus Elektromobilität Conference on Future Automotive Technology

| Autor / Redakteur: Axel de Schmidt / Claus-Peter Köth

Die Etablierung der Elektromobilität ist für Branchenexperten eine Frage der Zeit. Nach den euphorischen Erwartungen der vergangenen Jahre prägen jetzt Schlagworte wie „Wirtschaftlichkeit“, „Fokussierung“ und „Durchhaltevermögen“ die Diskussion.

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Für Experten ist es eine Frage der Zeit bis die Elektromobilität etabliert ist. Die Konzept-Studie „Mute“ der TU München zeigt, wie das aussehen kann.
Für Experten ist es eine Frage der Zeit bis die Elektromobilität etabliert ist. Die Konzept-Studie „Mute“ der TU München zeigt, wie das aussehen kann.
( Foto: TU München )

Für den Gastgeber sind die zahlreichen technologischen Fragen schon kein entscheidender Stolperstein mehr auf dem Weg in die elektromobile Zukunft. „Das Hauptproblem“, so Prof. Dr.-Ing. Markus Lienkamp, Inhaber des Lehrstuhls für Fahrzeugtechnik an der Technischen Universität München (TUM), sei vielmehr „die Wirtschaftlichkeit“. Künftig gehe es vor allem darum, sich auf Fahrzeugkonzepte zu fokussieren, die auch wirtschaftlich darstellbar sind, erklärte Lienkamp zur Eröffnung der „Conference on Future Automotive Technology“, die mit dem Fokus Elektromobilität vom 26.-27. März 2012 auf dem Campus der TU München in Garching stattfand. Als Veranstalter waren die Bayern Innovativ GmbH und der Cluster Automotive beteiligt.

Industrie und Wissenschaft

Ziel des vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie stark unterstützten zweitägigen Kongresses war den rund 400 Teilnehmern eine ausgewogene Mischung von Beiträgen aus Industrie und Wissenschaft zu bieten und den Innovationstransfer und die Vernetzung zu fördern. Eine begleitende Ausstellung von sechs Industriesponsoren wurde als Plattform für Fachgespräche am Rande der Konferenz rege genutzt. In sechs Plenarvorträgen und 40 Fachbeiträgen wurden die fünf Themenblöcke „Vehicle Concepts“, „Powertrain“, „Energy Storage“, „Production“ sowie „Mobility & Service“ behandelt. Das TUM Science Center for Electromobility hatte bereits mit acht Lehrstühlen und 21 Instituten die „MUTE“-Konzept-Studie erarbeitet, die 2011 auf der IAA Premiere hatte. Mit „visiom“ ist bereits ein Nachfolge-Projekt mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung avisiert.

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Bayerische Strategie

Der bayerische Staatsminister Martin Zeil erläuterte in seinem Grußwort das starke Engagement des Freistaats für den Ausbau der Elektromobilität und skizzierte die 5-Punkte-Strategie der Staatsregierung. Ein Kernelement ist dabei das Projekt „Elektromobilität verbindet - Bayern und Sachsen“. Dabei will die Politik nur den Rahmen setzen und Fördermöglichkeiten definieren. Die Entwicklung und Ausarbeitung der Konzepte soll allein den Unternehmen und Forschungsinstitutionen vorbehalten bleiben. Als ein Bewerber für die von der Bundesregierung geförderten „Schaufenster Elektromobilität“ will Bayern zum Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität werden.

Faktor Zeit

Einen Ausblick auf die künftigen Marktchancen der Elektrofahrzeuge wagte Dr. Christoph Grote, Geschäftsführer der BMW Forschung und Technik GmbH. Die Herausforderungen gehen nach seiner Einschätzung weit über die Fahrzeugtechnik hinaus. Hier „kennen wir uns inzwischen recht gut aus“, sagte Grote. Gefordert sei zunächst „Durchhaltevermögen“, dabei spiele der Zeitfaktor eine große Rolle: Allerdings könne man „Zeit auch mit viel Geld nicht kaufen, wenn man technologisch zu spät angefangen hat“. Immerhin wirken die großen Trends aus Sicht Grotes zugunsten der im Bereich Elektromobilität aktiven Unternehmen. Der wesentliche Treiber sei hier die Endlichkeit der Ressourcen: „Die nächste Ölkrise kommt bestimmt, aber wir wissen nicht, wann sie kommt“, so Grote.

Aus der Defensive heraus

Wichtig für Hersteller wie BMW sei vor allem die Umkehrung der bisherigen Diskussionsansätze: „Wir müssen aus der Defensive heraus“, sagte Grote. „Nötig ist ein Zusatznutzen, bei dem das Elektrofahrzeug auch ein konventionelles Fahrzeug schlägt.“ Ein positives Fazit zog der BMW-Manager aus den bisherigen Feldversuchen mit den Modellen Mini E und Active E. Auch wenn das Laden für viele Nutzer nach wie vor „eines der größten Mysterien“ sei und die öffentliche Ladeinfrastruktur „nicht gut angenommen“ wurde, habe sich für 90 Prozent der Nutzer die Reichweite der Fahrzeuge als alltagstauglich erwiesen. Hemmfaktoren waren eher der begrenzte Stau- und Passagierraum. Für den nächsten Schritt, die Serienfertigung des BMW i3, kommt es jetzt laut Grote vor allem darauf an, nicht nur praktisch zu überzeugen, sondern, „emotional zu begeistern“. Schließlich dürfe Elektromobilität „keine Selbstkasteiung sein“.

Sicherheitsstandards erforderlich

Auch im Bereich Sicherheit dürfen Elektrofahrzeuge gegenüber konventionellen Antrieben keinerlei Nachteile aufweisen. Hier kommt nach Auffassung von Dr. Lothar Wech, TÜV SÜD Automotive GmbH, München, der Normung eine zentrale Bedeutung zu. Standards dienten schließlich nicht zuletzt der Überprüfbarkeit der Sicherheit. Dabei dürfe allerdings die Normung nicht die laufende technische Entwicklung behindern.

Vorreiterrolle Chinas

Einen Blick auf den Status quo der Elektromobilität in China warf in Garching Christian Hochfeldt, Program Director, Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), Peking. Nach 12.000 elektrischen Fahrzeugen, die im Jahr 2010 auf Chinas Straßen verkehrten, sehen die staatlichen Ausbaupläne für 2012 bereits für 2012 eine Steigerung auf 50.000 Fahrzeuge vor. Der überwiegende Teil besteht allerdings aus Bussen und Taxen im öffentlichen Verkehr. Mit zahlreichen E-Bikes, Scooters und Low Speed EVs gehört Elektromobilität in Chinas Ballungsräumen bereits zum Alltag. Hochfeldt verwies auf die strategische Erkenntnis der Verantwortlichen, den eher geringen technologischen Rückstand der heimischen Industrie in diesem Segment schneller aufholen zu können als im Bereich der konventionellen Antriebe.

Zukünftige Herausforderungen

Als ein besonderes Problem vor allem für den Einkauf sieht Franziscus van Meel, bisheriger Leiter Elektromobilitätsstrategie bei der Audi AG, die Konzentration der für die Elektromobilität essentiellen Seltenen Erden auf chinesische Fördergebiete. Auch die Möglichkeiten ausländischer Hersteller zur Erschließung des chinesischen Marktes erscheinen eher zwiespältig. So droht bei lokaler Produktion und Entwicklung von Komponenten für Elektrofahrzeuge zumindest ein Teil des Know-how-Vorsprungs westlicher Hersteller verloren zu gehen. Für grundsätzlichen Pessimismus sieht der Audi-Manager allerdings keinen Anlass. Weltweit gebe es „kein Bilderbuchland zum Thema Mobilität“. Die deutsche Automobilindustrie sei „die beste der Welt“. Zwar bestehe an weiter steigenden Kosten für Treibstoff und Mobilität kein Zweifel. Für Elektrofahrzeuge erwachse daraus aber die Chance, in etwa zehn Jahren nach TCO-Berechnung preislich das Niveau konventioneller Fahrzeuge erreichen zu können.

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