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Continental forscht an Kautschuk aus russischem Löwenzahn

| Autor / Redakteur: ampnet/deg/dpa / Svenja Gelowicz

Um eine Alternative zu tropischen Kautschukbäumen zu haben, forscht Continental an Kautschuk aus Löwenzahn.
Um eine Alternative zu tropischen Kautschukbäumen zu haben, forscht Continental an Kautschuk aus Löwenzahn. (Bild: Continental)

Der Zulieferer Conti hat gestern (6. Dezember) ein Forschungs- und Versuchslabor für Kautschuk aus russischem Löwenzahn eröffnet. Damit soll eine alternative Rohstoffquelle zum Katschukbaum aus den Tropen erforscht werden.

Die weiße Pflanzenmilch im Löwenzahn klebt: Sie enthält Kautschuk. Continental will sich dies zunutze machen und künftig Naturkautschuk für Autoreifen aus Löwenzahnwurzeln statt nur aus tropischen Kautschukbäumen gewinnen. Dazu eröffnete der Automobilzulieferer am Donnerstag (6. Dezember) feierlich sein „Taraxagum Lab Anklam“ genanntes Forschungs- und Versuchslabor in Anklam, Mecklenburg-Vorpommern.

Nach dem Spatenstich im November 2017 ist das Gebäude auf dem 30.000 Quadratmerer großen Areal jetzt bezugsfertig. Künftig sollen dort der Anbau und die Verarbeitung von russischem Löwenzahn als alternative Rohstoffquelle zum Kautschukbaum in den Tropen erforscht werden. Der Reifenhersteller plant, bei positiven Versuchsergebnissen den Rohstoff binnen zehn Jahren in der Serienproduktion einzusetzen.

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Mittelfristig sollen an dem neuen Standort rund 20 Mitarbeiter aus den Bereichen Agrarwissenschaften, Chemie, Produktions- und Verfahrenstechnik beschäftigt sein. Diese kümmern sich um den Anbau der Pflanzen sowie um die Entwicklung, den Aufbau und den Betrieb von Maschinen für Versuche zur Weiterverarbeitung von russischem Löwenzahn. Das Wirtschaftsministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern förderte das Vorhaben mit 11,6 Millionen Euro, um Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen. Continental hatte im August 2016 die Planungen für das Labor vorgestellt und im November 2017 mit dem Bau auf dem Grundstück begonnen.

Über Kautschuk aus russischem Löwenzahn

Versuche, Kautschuk aus Löwenzahn zu gewinnen, gab es schon in den Dreißigerjahren unter anderem in der Sowjetunion und während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch es haperte an geeigneten Pflanzen und einer vernünftigen Extraktionstechnik, wie Professor Dirk Prüfer von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sagt. Er ist Leiter eines Teams, das gemeinsam mit dem Reifenproduzenten nach Möglichkeiten suchte, den Kautschuk aus Löwenzahnwurzeln zu extrahieren. Naturkautschuk ist heute noch für Lkw-Reifen und Winterreifen für Pkw unerlässlich.

An dem Projekt haben Wissenschaftler der Universität Münster und des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME, Pflanzenzüchter, das Julius-Kühn-Institut Quedlinburg und Continental jahrelang gearbeitet. Als Rohstoff dient Russischer Löwenzahn, der kleiner ist, aber einen viel höheren Kautschukgehalt besitzt als die einheimische Pflanze, wie Prüfer erläutert. Etwa 15 Prozent der Wurzel sei Kautschuk. „Schon bei den ersten Experimenten zeigte sich, dass der Kautschuk so gut ist wie vom Kautschukbaum“, sagt der Wissenschaftler. Inzwischen sei der Löwenzahn züchterisch so optimiert worden, dass der Gehalt an Inhaltsstoffen stabil ist.

Wie der Anbau und die Verarbeitung funktionieren

Bei der Standortwahl für das Versuchslabor half der Zufall mit. Prüfer stellte die Idee 2013 in Anklam auf Biotechnologietagen vor und stieß in der Stadt auf Interesse. Alles weitere ergab sich: geeignete Böden und große Flächen in der Umgebung, Landwirte, die zum Anbau des „Unkrauts“ bereit waren, sowie Erfahrungen in der Stadt mit der Verarbeitung von Wurzeln von Zuckerrüben. In Anklam produziert die einzige Zuckerfabrik Mecklenburg-Vorpommerns.

2017 bauten Landwirte von vier Unternehmen rund um das nahegelegene Ducherow erstmals in größerem Umfang Löwenzahn an, auf etwa 30 Hektar. Anfang der Woche erntete die Ducherower Agrar GmbH ihre zwölf Hektar große Fläche ab, wie ein Mitarbeiter sagt. Das Blattgrün bleibe auf dem Acker, die Wurzeln würden nach Anklam gebracht. Sorgen, dass der Löwenzahn sich in der Region jetzt überall verbreitet, gebe es in der Bevölkerung nicht.

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Denn der Russische Löwenzahn wildert nicht aus, wie Prüfer versichert. Er vermehrt sich im Unterschied zum einheimischen geschlechtlich. Daher sei er einfacher zu kreuzen und zu züchten. Ziel seien größere Wurzeln und ein Ertrag von einer Tonne Kautschuk pro Hektar. Das entspräche dem Ertrag auf Kautschukplantagen, vergleicht Prüfer. Geerntet werden die Wurzeln vorläufig mit einer Möhrenerntemaschine. „Es muss aber eine spezielle Erntemaschine gebaut werden“, sagt er.

Im Labor werden die Wurzeln in Mühlen mit Wasser zerquetscht, wobei der Kautschuk ausgewaschen wird – ohne giftige Lösungsmittel. Die Rückstände können in die Biogasanlage kommen oder zu Bioethanol verarbeitet werden. Auch das ist Prüfer zufolge ähnlich wie bei der Zuckerrübenverarbeitung.

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