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Wirtschaft Coronakrise verzögert autonomes Fahren und geteilte Mobilität

| Redakteur: Svenja Gelowicz

Die Autoindustrie entwickelt trotz der Krise weiter an den CASE-Themen – an manchen mehr, an anderen weniger. Doch welche Technik wollen die Verbraucher?

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(Bild: Mercedes-Benz)

Die Elektrifizierung des Antriebs und Connected Services werden von den Unternehmen der Autoindustrie weiter stark forciert. Die Coronakrise bremst allerdings das automatisierte Fahren und insbesondere Mobilitätsdienste. Das ist ein Ergebnis des „Digital Auto Report“ der Beratungsfirma PWC Strategy&.

Beim hochautomatisierten Fahren hakt es weniger an der Sensorik. „Das Fahren ist das einfachste“, sagt Studienautor Christoph Stürmer. Schwierigkeiten bereite den OEMs besonders die Sensorfusion und Tests sowie Validierung. Während aktuell Fahrerassistenzsysteme der Level 2 zum Einsatz kommen, könnte die Stufe 3 (bedingte Automatisierung) ab 2022 auf Autobahnen starten – vorausgesetzt, die Bundesregierung schafft die erwarteten Rahmenbedingungen.

Für 2028 rechnen die Berater mit den ersten vollautomatisiert fahrenden Privat-Pkws auf öffentlichen Straßen. Im Autobahnverkehr kann der Fahrer dann dauerhaft das Steuer aus den Händen lassen und sich anderen Tätigkeiten widmen; auf Landstraßen und in der Stadt ist dies dann zumindest in bestimmten Gebieten möglich. Vollautonomes Fahren sei also weiterhin viel Vision, jedoch „eine sehr kraftvolle“. Grundsätzlich müsse die Autobranche bei der teuren Technik auf Skaleneffekte durch gemeinsame Plattformen setzen. „Alleine ist das kaum zu heben.“

Die geteilte Mobilität kommt derweil noch stärker unter Druck. Privatfahrzeuge bleiben für viele Menschen auch nach der Corona-Pandemie für viele Menschen ein bevorzugtes Verkehrsmittel. Öffentliche Verkehrsmittel und Angebote wie Carsharing sinken in der Beliebtheit eher. 31 Prozent der Teilnehmer in Deutschland gaben an, dafür ihren Pkw öfter als zuvor nutzen zu wollen. Für 45 Prozent ändert sich demnach nichts, während 24 Prozent den Wagen seltener nehmen wollen. PWC Strategy& hat dazu etwa 2.600 Konsumenten in Deutschland, den USA und China befragt.

Verbraucher sind kritisch gegenüber öffentliche Verkehrsmittel

Auch das Fahrrad (33 Prozent) und Zu-Fuß-Gehen (32 Prozent) werden in Deutschland häufiger als Option für die Zeit nach Corona genannt. Hier kündigen gleichzeitig aber viele Befragte weniger Nutzung im Vergleich zum Auto an. Verlierer sind der öffentliche Nahverkehr (minus 64 Prozent), Taxi- und Fahrdienste wie Uber (- 76 Prozent), Carsharing (- 77 Prozent) und weitere Sharing-Dienste (- 79 Prozent).

In den USA und in China zeigen sich ähnliche Muster. Dort ist der künftig häufigere Einsatz des Autos mit plus 67 beziehungsweise plus 60 Prozent sogar noch deutlich stärker als hierzulande. Chinesische Verbraucher räumen jedoch auch Sharing-Diensten größere Chancen ein.

Branchenexperte Stürmer erklärte: „Es ist zu früh zu sagen, dass sich durch Corona alles ändert.“ Doch die Einflüsse der Pandemie aufs Mobilitätsverhalten seien „nicht unbeachtet geblieben“. Ein Grund,gemeinschaftlich genutzte Verkehrsmittel zu meiden, ist die Sorge, sich dort mit dem Covid-19-Erreger zu infizieren. Mehr als die Hälfte der Befragten in Deutschland (58 Prozent) erklärten, sie wären grundsätzlich offen für eine Nutzung; Voraussetzung seien aber regelmäßige Reinigung und Desinfektion oder geringere Fahrpreise.

Deutschlands Konsumenten wollen weiterhin Verbrennungsmotoren

Die Berater klopften auch die Wahrnehmung zentraler Technik-Trends wie E-Mobilität, Vernetzung und autonomes Fahren bei den Kunden ab. Lediglich in China sind – vor allem unter jüngeren Leuten – Elektro- oder Hybridmotoren die populärste Antriebsart, in Deutschland und noch stärker in den USA dagegen weiterhin Benziner oder Diesel.

Mehr Internet im Auto ist überall begehrt, auch wegen des Schubs für die Digitalisierung während der Krise. Doch bisher wollen Verbraucher dafür eher wenig Geld ausgeben. „Man muss sich als OEM stark gegenüber anderen digitalen Diensten wie Spotify beweisen, um profitabel vordringen zu können“, sagt Studienautor Jonas Seyfferth.

Mit Material von dpa und SP-X

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