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Wirtschaft

Daimler schockiert mit neuer Gewinnwarnung

| Autor/ Redakteur: dpa / Svenja Gelowicz

Erst vor wenigen Wochen hatte Daimler bekanntgegeben, dass das operative Ergebnis 2019 nicht wie ursprünglich geplant über dem von 2018, sondern etwa auf demselben Niveau liegen soll. Nun muss der Konzern die Prognose nochmals senken.

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Der Daimler-Konzern senkt zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit seine Gewinnerwartungen für das laufende Jahr.
Der Daimler-Konzern senkt zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit seine Gewinnerwartungen für das laufende Jahr.
(Bild: Daimler)

Die Serie der schlechten Nachrichten für Daimler und seinen neuen Vorstandschef Ola Källenius reißt nicht ab. Der Konzern senkt zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit seine Gewinnerwartungen für das laufende Jahr und schockiert damit die Branche. Die Verkaufszahlen bleiben mau, die diversen Probleme unter anderem mit dem Diesel, die den Konzern schon lange plagen, werden nun wohl noch viel teurer als gedacht. Daimler legt weitere Milliarden auf die hohe Kante, um sich gegen Risiken zu wappnen. Und das hat Folgen: Im operativen Geschäft wird am Ende des Jahres noch weniger Gewinn übrig bleiben als 2018, wie Daimler am Freitag ankündigte.

Eigentlich hätten Källenius und sein ebenfalls neuer Finanzchef Harald Wilhelm die Zahlen für das erste Halbjahr erst übernächste Woche verkünden sollen. So schlecht, wie die Zwischenbilanz nun ausfiel, konnte Daimler so lange allerdings nicht warten. Ein Verlust von 1,6 Milliarden Euro steht im zweiten Quartal nach vorläufigen Zahlen im operativen Geschäft zu Buche. Damit liege man „signifikant unter den Markterwartungen“, teilte Daimler mit. Entsprechend schockiert reagierte die Börse am Freitag.

Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern erwartet der seit Mai amtierende neue Konzernchef Ola Källenius nun deutlich unter dem Vorjahr, was bei Daimler einen Rückgang von mehr als 15 Prozent bedeutet.

Die Vans-Sparte für kleine Nutzfahrzeuge kriselt

In der Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars rechnen Källenius und Finanzchef Harald Wilhelm nun nur noch mit einer operativen Rendite von 3 bis 5 Prozent nach bisher 6 bis 8 Prozent. Noch tiefer als bisher schon gedacht wird die Vans-Sparte für kleine Nutzfahrzeuge in die Verlustzone absacken. Was genau möglicherweise schief läuft bei den Vans, erklärte Daimler am Freitag nicht, sprach aber von einer „Überprüfung und Priorisierung des Produktportfolios“ in der Sparte, die rund 500 Millionen Euro koste. Details sind unklar, naheliegend ist aber, dass es dabei zumindest auch um die X-Klasse geht. Schon im Frühjahr hatte der damalige Finanzchef Bodo Uebber eingeräumt, dass das Geschäft mit den erst 2017 eingeführten Pick-ups nicht so läuft wie gedacht und Daimler deshalb auf einen der zwei Produktionsstandorte – den in Südamerika – verzichtet. Auch beim für Investoren wichtigen Bargeldzufluss für das Jahr kappte Daimler die Aussichten.

Die Daimler-Aktie rutschte zum Handelsstart mit 3 Prozent ins Minus, auch auf Jahresbasis liegt die Aktie damit knapp in der Verlustzone. Auch andere Autowerte wie BMW und Volkswagen sowie der Zulieferer Continental gerieten in den Sog der schlechten Nachrichten aus der Branche und verloren deutlich.

Die Erwartungen an den neuen Daimler-Chef sind hoch

Für die schlechteren Aussichten seien auch verspätete Produktanläufe und schlechter als erwartet laufende Automobilmärkte verantwortlich, hieß es vom Konzern. Daimler hatte erst vor wenigen Wochen seine Ergebnisprognose wegen Rückrufen und Maßnahmen für mutmaßlich manipulierte Dieselfahrzeuge gesenkt. Es ist für den davor erfolgsverwöhnten Konzern zudem die vierte Gewinnwarnung innerhalb rund eines Jahres.

Daimler-Chef Källenius hatte erst am 22. Mai das Zepter von Dieter Zetsche übernommen, der den Konzern über 13 Jahre lang führte. Von Källenius wird erwartet, dass er ein von Zetsche bereits angekündigtes strenges Sparpaket in die Tat umsetzt. Details dazu hat der Schwede bisher nicht vorgelegt. Stellenstreichungen sollen jedoch kein Teil der Pläne sein, hieß es bisher aus dem Unternehmen.

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