In Paris spricht man schon länger vom „Airbus der Batterien“: Nun zieht Daimler bei der Allianz von Stellantis und Total mit. Es geht um die Versorgung künftiger Elektroautos mit Akkus. Zuspruch kommt aus Berlin.
Mercedes-Benz wird mit einem Drittel gleichberechtigter Anteilseigner an der Automotive Cells Company (ACC).
(Bild: Mercedes-Benz AG)
Daimler steigt zur Versorgung seiner Elektroautos in die Batteriezell-Allianz von Stellantis und Total Energies ein und stärkt damit ein deutsch-französisches Vorzeigeprojekt. Die Pkw-Sparte Mercedes-Benz wird mit einem Drittel gleichberechtigter Anteilseigner an der Automotive Cells Company (ACC), wie die Stuttgarter am Freitag (24. September) mitteilten.
Mercedes will insgesamt weniger als eine Milliarde Euro investieren, davon im kommenden Jahr einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Zudem wollen die Schwaben Technik und Produktions-Know-how einbringen.
Ziel: Ab 2030 nur noch vollelektrische Mercedes-Pkw
Daimler hatte sich erst im Juli öffentlich dazu entschlossen, selbst in Batteriezellwerke investieren zu wollen, um sich die Versorgung seiner künftigen Elektroautos mit Akkus zu sichern. Seitdem war Källenius auf der Suche nach Partnern für das Vorhaben, Ende des Jahrzehnts eine Produktionskapazität von mehr als 200 Gigawattstunden an Batteriezellen pro Jahr auf die Beine zu stellen.
Daimler will bis 2030 in der Lage sein, nur noch vollelektrisch angetriebene Mercedes-Pkw zu verkaufen, wo immer es die Marktbedingungen zulassen. 200 Gigawattstunden an Zellkapazität würden rechnerisch für 2,5 Millionen aktuelle Mercedes EQC-Modelle mit jeweils 80 Kilowattstunden Stromspeicher reichen.
Die Allianz mit dem Autoriesen Stellantis und dem Ölkonzern Total Energies ist Teil dieser Bestrebungen. ACC will bis Ende des Jahrzehnts nach Angaben von Daimler mindestens 120 Gigawattstunden an Batteriezellen pro Jahr produzieren. Wie viel davon für Daimler vorgesehen ist, wurde zunächst nicht bekannt.
Ab Mitte des Jahrzehnts soll ACC Mercedes-Benz mit Batteriezellen und -modulen aus Fabriken in Deutschland und Frankreich beliefern. Die Gesamtinvestitionen in ACC sollen sich auf mehr als sieben Milliarden Euro belaufen.
„Gemeinsam mit ACC werden wir Batteriezellen und -module in Europa entwickeln und effizient produzieren – maßgeschneidert auf die spezifischen Anforderungen von Mercedes-Benz“, sagte Daimler-Chef Ola Källenius. Stellantis-Chef Carlos Tavares nannte Mercedes-Benz einen strategischen Partner. Dieser wolle ebenfalls ACC zu einem führenden Unternehmen machen, sagte der gebürtige Portugiese laut einer Mitteilung.
„Batterie-Champion in Europa“
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sprach von einem Durchbruch. Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich solle zu einem „Batterie-Champion in Europa“ führen.
Paris pocht seit langem darauf, bei der Batterieproduktion von Asien unabhängiger zu werden. Das Thema ist dort Chefsache – Präsident Emmanuel Macron sprach bereits Anfang 2020 vom „Airbus der Batterien“.
Unterstützung durch Europäisches Projekt IPCEI
Das Konsortium ACC wird laut dem Bundeswirtschaftsministerium seit 2018 innerhalb der Europäischen Union und von Frankreich und Deutschland im Rahmen eines gemeinsamen europäischen Projektes (IPCEI – Important Project of Common European Interest) unterstützt.
„Schon jetzt lässt sich absehen, dass in den nächsten Jahren mehrere zehntausend Arbeitsplätze allein in Deutschland in der Batteriezellfertigung entstehen werden“, sagte Altmaier.
Zusammen mit dem Projekt von Tesla sowie den weiteren 14 Projekten, die im Rahmen der europäischen Batterieprojekte gefördert werden, kann Deutschland aus Sicht von Altmaier zu einem Schwerpunkt der weltweiten Batterieproduktion werden. „Damit entsteht das bislang erfolgreichste industriepolitische Projekt seit Airbus.“
Das Bundeswirtschaftsministerium fördert Batterie-Projekte in Deutschland nach eigenen Angaben mit etwa drei Milliarden Euro.
Insgesamt nähmen an beiden IPCEI-Projekten in Europa fast 60 Unternehmen aus zwölf EU-Staaten teil. Hinzu kämen mehrere 100 Unternehmen aus Europa, die indirekt als Zulieferer, Forschungseinrichtung oder Partner vom IPCEI profitierten.
Gewinnung neuer Arbeitsplätze
In Europa sei ein regelrechter Boom in der Batteriezellenfertigung zu beobachten, hieß es. Der Bau mehrerer „Gigafactories“ sei geplant und teils umgesetzt. Europaweit entstünden bis 2030 rund 100.000 neue Arbeitsplätze im Batteriesektor. Allein in Deutschland investierten die 16 geförderten IPCEI-Unternehmen mehr als 13 Milliarden Euro und schaffen laut Ministerium rund 10.000 direkte Arbeitsplätze.
Stand: 08.12.2025
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