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Leichtbau-Gipfel 2012 Den besten Werkstoff am richtigen Platz

| Redakteur: Claus-Peter Köth

Die Parallelsession Materialien am zweiten Tag des „Automobil Industrie“ Leichtbau-Gipfels fand unter dem Vorsitz von Audi-Leichtbaupapst Heinrich Timm statt.

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Mit Magnesium, Aluminium, Stahl und CFK kamen alle wichtigen Materialfraktionen zu Wort. Am Ende freute sich Timm Anwender zu sein und „funktionsabhängig den besten Werkstoff in kleinstmöglicher Menge am richtigen Platz einsetzen zu dürfen“. Den Anfang machte Peter Stolfig, Geschäftsführer der Stolfig Group und Erfinder der Magnesiumlegierung MnE21. Stolfig zeigte anhand zahlreicher mitgebrachter Bauteile wie vielfältig sich der Werkstoff Magnesium bereits heute im Automobil einsetzen lässt. Die Leichtbaukompetenz von Audi hört auf den Namen „Ultra“, erläuterte im Anschluss Alexander Hoffmann, Leiter Technologie-/Eigenschaftsentwicklung Metalle der Audi AG. „Ultra bietet 10 bis 15 Prozent zusätzliches Leichtbaupotenzial mit Aluminium“, sagte Hoffmann.

Über Entwicklungstrends beim Werkstoff Stahl sprach Dr. Andreas Pichler, Fachverantwortlicher Werkstoffentwicklung Kaltband und Elektroband der voestalpine Stahl. Der wesentliche Fokus seiner Präsentation lag auf höchstfesten Güten mit Mindestzugfestigkeiten über 1.180 Megapascal, den neuen „high ductility (HD)“ Dual-Phasen- und Complex-Phasen-Güten von voestalpine Stahl sowie den künftigen Entwicklungsschritten bei presshärtenden Stählen.

Als vierter im Bunde sprach Dr. Uwe Kobs von SGL Carbon über die Voraussetzungen, Potenziale und Herausforderungen von carbonfaserverstärkten Materialien in der Automobilindustrie. „Bei den Prozesskosten sind wir etwa 50 Prozent des Weges gegangen, während wir bei den Materialkosten noch keinen Hebel gefunden haben“, erklärte Kobs. Besonders herausfordernd sei auch der Mangel an qualifizierten Kunststoffingenieuren.

In der abschließenden Diskussionsrunde fragte Chairman Heinrich Timm die Referenten, wie sie ihre Materialgruppe aktuell im Wettbewerb zu einer alternativen Leichtbautechnologie positioniert sehen. Für Dr. Andreas Pichler ist die Entwicklung des Werkstoffs Stahl ganz sicher nicht zu Ende. „In den nächsten Jahren wird Stahl noch einen beträchtlichen Anteil im Material-Mix einnehmen“, so Pichler. Ein wesentlicher Vorteil sei die langjährige Erfahrung in der Verarbeitung und Industrialisierung und die erreichte, hohe Standardisierung. Alexander Hoffmann sieht aktuell die größten Leichtpotenziale in einem vermehrten Einsatz von Aluminium. Mittelfristig bescheinigte er den Materialien Magnesium und CFK eine große Zukunft. Aber auch Stahl habe noch Potenzial. „Da wo jeder Werkstoff seine Stärken hat, möchte ich ihn auch künftig einsetzen“, bilanzierte Hoffmann.

Nach Meinung von Peter Stolfig werden die etablierten Werkstoffe ihren Mengenanteil in etwa halten. Das Mehrmaterial, das man durch die Zunahme der Mobilität brauche, werde jedoch von Magnesium-Seite kommen. „Für mich ist eindeutig, dass Magnesium das stärkste Wachstumspotenzial in den nächsten 20 bis 30 Jahren haben wird“, betonte Stolfig.

Dr. Uwe Kobs sagte er sei begeistert vom Werkstoff CFK, zumal das Potenzial hier noch nicht einmal in Ansätzen gehoben wurde - sowohl in Sachen Materialkosten als auch in Bezug auf die Umsetzung im Bauteil. „Lassen Sie uns gemeinsam das Potenzial dieses Werkstoffs nach und nach erschließen“, appellierte er an die Zuhörer.

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