Halbleiterengpässe „Der Ärger ist groß“: VW geht Zulieferer wegen des Chipmangels an

Autor: Svenja Gelowicz

Der Wolfsburger Autohersteller wirft den Lieferanten Berichten zufolge schlechte Planung bei den Mikrochips vor und prüft, künftig selbst bei den Chipfertigern einzukaufen. Ob die Hersteller von elektronischen Bauteilen dem Konzern die Tür öffnen, ist allerdings fraglich.

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Fertigung des ID 3 in Volkswagens gläserner Manufaktur in Dresden.
Fertigung des ID 3 in Volkswagens gläserner Manufaktur in Dresden.
(Bild: Volkswagen)

Der Ton wegen fehlender elektronischer Bauteile wird rauer – zumindest jüngsten Berichten zufolge. So berichtet die Nachrichtenagentur „Reuters“, VW beschuldige die Zulieferer, schlecht geplant und so den Mangel an Computerchips verschlimmert zu haben. Es hätte genügend Prognosen gegeben, dass die Autoproduktion nach den Lockdowns schnell wieder anziehen könnte, so der Vorwurf eines nicht namentlich genannten VW-Managers. „Wir haben unseren Bedarf frühzeitig kommuniziert. Wenn die Lieferanten unseren Zahlen nicht trauen und ihre eigenen Prognosen zu Rate ziehen, hätten wir sofort informiert werden müssen. Dies ist nicht geschehen.“

Volkswagen kritisiert auch die Kommunikation über die Engpässe eines wichtigen Zulieferers. Der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte ein Einkaufsmanager, er finde es „nicht nachvollziehbar“, dass besagter Lieferant den Engpass erst im November gemeldet hatte. „Der Ärger ist groß. Wenn der Lieferant in seiner Vormaterialkette kein Chip-Problem hätte, würden wir unsere Steuergeräte bekommen.“

Die Position der Lieferanten ist dabei wahrlich keine leichte. Sie mussten in Zeiten strenger Sparprogramme bei den elektronischen Bauteilen in Vorleistung gehen, während die Abrufe im Keller waren.

Die beiden größten Tier-1-Zulieferer Bosch und Conti sagen, sie hätten zu jedem Zeitpunkt transparent kommuniziert. Zu den Vorwürfen von Volkswagen äußerten sich die Unternehmen gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ nicht.

Auswirkungen des Chipmangels

Der Chipmangel hat die Fertigungen vieler Autobauer massiv gestört. Volkswagen musste sogar für mehrere Werke vorübergehend Kurzarbeit anmelden, die Wolfsburger hatten Bereits im Dezember Alarm geschlagen. Nun will der Konzern verschiedenen Berichten zufolge selbst näher an die Chiphersteller heranrücken, statt die elektronischen Bauteile über seine Zulieferer zu beziehen. Am verlängerten Arm der Lieferanten hat der Autobauer keine Spielräume und kaum Einsicht in die Kapazitäten der Chipfabriken.

Der Erfolg der Einkaufspläne ist zumindest fraglich, da die Chiphersteller selbst kein großes Interesse an der Automobilindustrie haben. Für den wichtigen taiwanesischen Auftragsfertiger TSMC macht der gesamte Autosektor laut den Analysten von IHS Markit nur drei Prozent des Gesamtumsatzes aus. Ob die Unternehmen einzelnen Autobauern die Tür aufmachen, bleibt abzuwarten. Denn umso zerstückelter die Kundenbasis ist, desto größer ist die Gefahr von Überkapazitäten – was bei den hohen Kosten pro Einheit laut Brancheninsidern ein nicht zu unterschätzendes Risiko für die Hersteller der elektronischen Bauteile ist.

TSMC hatte bereits im vergangenen Jahr „auf breiter Front“ die fehlenden Kapazitäten bekannt gegeben. Der Ursprung der Krise, deren Folgen sich nun in Hunderttausenden fehlenden Fahrzeugen abzeichnet, reicht laut IHS Markit wohl noch in das Jahr 2019.

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Svenja Gelowicz

Redakteurin im Ressort Management