Kopfstützen Durchbruch mit Köpfchen

Redakteur: Christoph Baeuchle

Eigentlich sind aktive Kopfstützen überflüssig: Aus Sicherheitsaspekten würde es vollkommen reichen, wenn Autofahrer ihre herkömmlichen Kopfstützen immer richtig einstellen. Doch davon

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Eigentlich sind aktive Kopfstützen überflüssig: Aus Sicherheitsaspekten würde es vollkommen reichen, wenn Autofahrer ihre herkömmlichen Kopfstützen immer richtig einstellen. Doch davon sind die Endverbraucher weit entfernt. Dies verhilft der aktiven Kopfstütze nun zum endgültigen Durchbruch: Nachdem sie in die Top-Modelle der Premiumanbieter bereits vor einigen Jahren Einzug gehalten hat, erobert sie nun die Mittelklasse. Die Mercedes Car Group hat die neue C-Klasse mit aktiven Kopfstützen ausgestattet und BMW zieht beim 3er Facelift 2008 nach. Dies kann als Signal gewertet werden, dass sich diese Kopfstütze im gesamten Portfolio der Premium-OEM durchsetzen wird.

Bereits seit 2001 ist Grammer mit aktiven Kopfstützen in BMW-Modellen vertreten. Dabei setzen die Amberger auf einen pyrotechnischen Gasgenerator, der im Crashfall aktiviert wird. Das Airbagsteuergerät löst die Kopfstütze aus. Nach einem Heckaufprall erfolgt innerhalb von 30 ms ein Zündimpuls an den Gasgenerator. Weitere 25 ms benötigt die Kopfstütze, um maximal 65 Millimeter nach vorne zu schnellen.

„Pro-aktive Kopfstützen sind die einzige sichere Lösung, wenn man den Insassen die entsprechende Freiheit für den Kopf bieten will“, betont Walter Schöpf, Marketingdirektor bei Grammer. Aus seiner Sicht haben Premiumanbieter nur diese Möglichkeit.

Doch nicht nur bei diesen besteht Interesse. Das Sinken der Preise macht die aktive Kopfstütze auch für Volumenanbieter attraktiv.

In den ersten Kopfstützen spielten noch elektrische Magnete eine entscheidende Rolle. Mittlerweile übernimmt deren Aufgaben ein Gasgenerator, der erheblich leichter ist.

Während Autoliv und Faurecia auf reaktive Kopfstützen setzen, hat Johnson Controls bereits auf der IAA 2005 seine Produkte vorgestellt, und Keiper hat für „Securest 2000“ den Innovationspreis 2003 des Landes Rheinland-Pfalz erhalten.

„Securest 2000 verfügt in seiner zweiten Produktgeneration über weniger Einzelteile“, erklärt Heinz Voß, Head of Product Engineering and Innovation bei Keiper. Die Lösung sei mit Blick auf die kommenden EuroNCAP-Vorgaben gesteigert und die Kosten gegenüber der ersten Generation seien erheblich gesenkt worden.

Einen weiteren Auftrieb könnten die aktiven Kopfstützen durch die neuen EuroNCAP-Vorgaben erhalten. Diese sind bislang für Herbst 2008 angekündigt. Dann wird die Messlatte für die Anforderungen an Sitze und Kopfstützen wieder höher liegen. „Der Stellenwert des EuroNCAP darf nicht unterschätzt werden – der Name wirkt und wirbt“, betont Voß.

Entsprechend dürfte das Interesse in der gesamten Automobilindustrie steigen. „In den nächsten zwei bis drei Jahren beginnen auch die Volumenhersteller, ihre Fahrzeuge mit aktiven Kopfstützen auszurüsten – zunächst als Option, später auch als Standard“, prognostiziert Anil Valsan, Branchenanalyst bei Frost & Sullivan. Frost & Sullivan erwartet 2010 rund 300 Millionen Euro Umsatz.

Allerdings hat Volkswagen die aktiven (nicht pro-aktiven) Kopfstützen im Passat und Golf durch Kopfstützen ersetzt, die das VW-Marketing als „whiplash-optimiert“ bezeichnet. Dabei soll mehr Schaum einen geringeren Abstand zwischen Kopf und Stütze gewährleisten.

Laut Volkswagen bescheinigen unterschiedliche Testverfahren und Auswertungen (z.B. Folksam, ADAC, EuroNCAP-Planungen) dieser Kopfstütze einen besseren Schutz gegenüber dem aktiven System.

„Für die günstigsten Kopfstützen zahlen die Automobilhersteller zwischen 20 und 40 Dollar“, schätzt Analyst Valsan. Die Ausgaben der Premiumhersteller seien um ein Vielfaches höher.

Einen gezielten Angriff über den Preis startet nun Fehrer. Mit C. Rob Hammerstein hat der bayerische Zulieferer das Joint Venture Nectec Automotive gegründet. Gemeinsam haben die beiden Lieferanten ein relativ simples und leichtes System entwickelt: Der Kopfstützenkörper ist mit einer Feder gespannt. Ein Heckaufprall aktiviert einen Zünder. Daraufhin wird die Kopfstütze an die richtige Position gebracht.

Ab Mitte 2008 soll im tschechischen Ceská Lípa die Produktion anlaufen. Ende 2008 soll die Kopfstütze dann in einen Mittelklassewagen Einzug halten: den 3er BMW – nach Informationen der »Automobil Industrie«. Aufgrund des Austauschs in laufender Serie sollen beinahe von Beginn an 1 500 Kopfstützen pro Tag produziert werden.

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