Emissionsfreie Nutzfahrzeuge E-Lkw praxistauglich – Rahmenbedingungen fehlen

Von Thomas Günnel 3 min Lesedauer

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Emissionsfreie Lkw funktionieren zuverlässig: Das Fazit zogen Lkw-Hersteller, Vertreter der Transportbranche und Energielieferanten am Lausitzring. Jetzt muss die Politik mit verlässlichen Bedingungen für den Umstieg mithalten.

Beim Zukunftstag Nutzfahrzeuge standen auf dem Lausitzring mehrere E-Lkw zum testen bereit.(Bild:  Thomas Günnel – Automobil Industrie)
Beim Zukunftstag Nutzfahrzeuge standen auf dem Lausitzring mehrere E-Lkw zum testen bereit.
(Bild: Thomas Günnel – Automobil Industrie)

Emissionsfreie Nutzfahrzeuge sind verfügbar. Ob ein wirtschaftlicher und praxistauglicher Umstieg gelingt, hängt jetzt von Rahmenbedingungen ab, die vor allem politisch gesteuert sind. Das ist vereinfacht das Fazit nach dem „Zukunftstag Nutzfahrzeuge“ – bei dem Fahrzeugindustrie, Transportwirtschaft, Energie- und Ladeinfrastruktur und Politik diskutierten. Veranstaltet haben ihn Dekra und der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. auf dem Lausitzring.

An der Fahrzeugtechnik scheitert der Hochlauf nicht. „Die Elektrofahrzeuge fahren einfach nur“, beschrieb Andreas Hanitzsch, Geschäftsführer der Spedition Hanitzsch in Kesselsdorf bei Dresden, die Zuverlässigkeit der E-Trucks. Sein Unternehmen hatte beim ersten Förderaufruf der Bundesregierung im Jahr 2021 E-Lkw angeschafft und konnte seitdem Erfahrungen sammeln. Zum Beispiel zu den Kosten für Wartungsverträge. Die sind laut Hanitzsch „inzwischen auf einem Niveau angekommen, auf dem man rechnen kann“.

Unternehmen wollen investieren

„Unsere Unternehmen sind bereit, in die Antriebswende zu investieren. Dafür brauchen sie jedoch mehr als ein physisch verfügbares Fahrzeug“, sagte Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des BGL. „Netzanschluss, Ladeleistung, Energiepreis, Tourenplanung und Kundenanforderungen müssen zu einem wirtschaftlich tragfähigen Gesamtsystem zusammenfinden. Erst dann wird daraus ein skalierbares Modell für den Mittelstand.“

In der Diskussion zur Transformation des Güterverkehrs (v.l.): Claudia Elif Stutz, Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr; Frederick Rumpf, Gründer und Geschäftsführer Fleetboost; Maximilian von Löbbecke, Geschäftsführer Renault Trucks Deutschland; Sylvia Diederichsmeier, Head of Sales Mercedes-Benz Trucks & FUSO; Dirk Engelhardt, BGL-Vorstandssprecher; und Moderatorin Claudia Bechstein.(Bild:  Patrick Meischer)
In der Diskussion zur Transformation des Güterverkehrs (v.l.): Claudia Elif Stutz, Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr; Frederick Rumpf, Gründer und Geschäftsführer Fleetboost; Maximilian von Löbbecke, Geschäftsführer Renault Trucks Deutschland; Sylvia Diederichsmeier, Head of Sales Mercedes-Benz Trucks & FUSO; Dirk Engelhardt, BGL-Vorstandssprecher; und Moderatorin Claudia Bechstein.
(Bild: Patrick Meischer)

Heißt im Detail: Hersteller brauchen verlässliche Nachfrage, um Kapazitäten auszubauen und Kosten zu senken. Für Transportunternehmen zählen wirtschaftliche Gesamtkosten, das passende Einsatzprofil und eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur mit ausreichenden Netzkapazitäten und wettbewerbsfähigen Energiepreisen. Betreiber von Ladeinfrastruktur wiederum benötigen planbare Netzanschlüsse, belastbare Auslastungsperspektiven und verlässliche politische Rahmenbedingungen.

E-Lkw heute schon günstiger im Betrieb als Diesel

In den Diskussionen wurde deutlich: Batterieelektrisch angetriebene Lkw können im Betrieb heute schon weniger kosten als dieselgetriebene. „BEV ist die bessere und wirtschaftlichere Lösung“, fasste Dennis Affeld zusammen. Affeld ist Vorsitzender der Geschäftsführung bei MAN Truck & Bus Deutschland. Besonders dann, wenn Unternehmen im Depot laden. 

„Je mehr Depotladen, desto mehr rechnet sich das elektrische Fahrzeug“, merkte Affeld an. Umso mehr, wenn der Strom zum Beispiel aus Photovoltaikanlagen auf dem Dach des Depots kommt. Allerdings: Der Aufbau einer eigenen Infrastruktur – Speicher, Software, Abläufe – „dauert zwei, drei Jahre“. Unternehmer sollten sich „intensivst mit dem Thema auseinandersetzen. „BEV ist die bessere und wirtschaftlichere Lösung“, sagte Dennis Affeld.

Ausbau eines Schnell-Ladenetzes läuft

Die Transportbranche ist zudem im regen Austausch mit der Politik. Claudia Elif Stutz, Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr, verwies darauf, dass der Bund die öffentliche Ladeinfrastruktur entlang der Autobahnen bereits umsetze. Die Ausschreibung für das Schnellladenetz mit insgesamt 350 Standorten sei teilweise auf dem Weg, teilweise schon abgeschlossen. Aktuell sind in Deutschland 88 Ladestandorte für Lkw geeignet.

Im Jahr 2030 soll es im Kernnetz alle 60 Kilometer eine Anlage geben; im Gesamtnetz alle 100 Kilometer. Zusätzlich fördert der Bund in den nächsten vier Jahren Ladeinfrastruktur in den Depots der Transportunternehmen mit einer Milliarde Euro.

Batteriesicherheit erklärt

Knapp 300 Gäste waren zum Lausitzring gekommen, um sich zu informieren oder eigene Erfahrungen einzubringen. Unternehmen stellten zudem Produkte aus Ladeinfrastruktur, Batterietechnologie, Energieversorgung und Transport aus.

Wer wollte, konnte mit diversen Lkw mit alternativen Antrieben eine Runde auf der Rennstrecke fahren – dabei waren batterieelektrische Lkw und ein Truck mit Wasserstoff-Brennstoffzelle. Ein Rundgang mit vielen detaillierten Infos zu Testverfahren im Batterie Test Center der Dekra am Standort dürfte zusätzlich Vorbehalte gegenüber der Sicherheit der Akkus abgebaut haben.

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