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Lean & Green Award 2019

Effizient produzieren: Die fünf besten Unternehmen

| Autor/ Redakteur: Nina Blöhs / Thomas Günnel

Schlank fertigen, Ressourcen schonen: Drei Automobilhersteller und zwei Automobilzulieferer nutzen in ihren Werken die dafür notwendigen Prozesse und Strategien – und wurden jetzt dafür ausgezeichnet.

Firmen zum Thema

Lean & Green: Volkswagen entwickelt in seinem Werk in Wolfsburg den „Think Blue. Factory“-Ansatz weiter – und hat dafür den Lean & Green Award 2019 gewonnen.
Lean & Green: Volkswagen entwickelt in seinem Werk in Wolfsburg den „Think Blue. Factory“-Ansatz weiter – und hat dafür den Lean & Green Award 2019 gewonnen.
(Bild: Growtth Consulting Europe)

Der „Lean & Green Management Award“ würdigt jährlich die besten industriellen Ansätze zu nachhaltiger Produktion und Ressourceneffizienz. Die fünf Preisträger in diesem Jahr zeigen, wie schlanke Produktionen und ambitionierte Nachhaltigkeitsstrategien auch auf Werksebene funktionieren.

Gewonnen haben im Jahr 2019:

  • Volkswagen Werk Wolfsburg (DE) - Gesamtsieger in der Kategorie „Automotive OEM“
  • Festo Sofia (BGR) - Gesamtsieger in der Kategorie „General Manufacturing“
  • Bosch Diesel Jihlava (CZ) - Sonderpreis „Lean & Green Supplier Excellence“
  • Iveco Madrid (ESP) - Sonderpreis „Green Excellence in Truck Production“
  • Fiat Chrysler Bielsko-Biała (PL) - Sonderpreis „Lean Excellence in Engines & Components Manufacturing“

Bildergalerie

Die Gewinner im Detail

Volkswagen Werk Wolfsburg – Auf dem Weg zu einer effizienten „Zero Impact Factory“

In Volkswagens Werk in Wolfsburg beeindruckte die Jury vor allem die Weiterentwicklung des „Think Blue. Factory“-Ansatzes – hin zur „Zero Impact Factory“-Strategie. Geringerer Ressourcenverbrauch und Emissionen stehen auf der Agenda. Den Weg dorthin beschreibt eine detaillierte Roadmap mit zahlreichen Handlungsfeldern. Dazu zählen der Ausstieg aus der Kohleverstromung innerhalb der nächsten drei Jahre im eigenen Kraftwerk und die enge Verknüpfung klassischer Optimierungsprojekte mit Umweltaspekten.

Festo Production EOOD Werk Sofia

Im Festo-Werk in Sofia fertigen knapp 900 Mitarbeiter Sensoren und Kabel für zahlreiche Industrie-Anwendungen. In diesem Bereich ist Sofia das “Lead-Werk” der Festo-Gruppe. Überzeugen konnte es durch eine klare Ausrichtung der Wertströme, die mit Hilfe der Lean-Prinzipien kontinuierlich weiterentwickelt werden – und laut Jury regelmäßig für beeindruckende Ergebnisse sorgen.

Zudem setzt das Unternehmen analoge und digitale Elemente sinnvoll ein und vereint deren Vorteile. Ein Energiemanagementsystem bricht zum Beispiel den Energieverbrauch auf die einzelnen Verantwortungsbereiche der Wertströme herunter, von wo aus er gesteuert werden kann. Daneben fokussiert das Unternehmen auf Abfallvermeidung, Abfalltrennung und Recycling und verbessert die Kennzahlen laut der Jury stetig.

Veranstaltungen zum Thema

„Lean & Green Summit“
Die Preisverleihung und Übergabe des Lean & Green Management Awards finden am 6. November 2019 beim letztjährigen Sieger Continental in Regensburg statt. Bei der umfangreichen Werksführung erhalten die Teilnehmer exklusive Einblicke in spannende Lean & Green-Themen, lernen einige Erfolgsrezepte der diesjährigen Gewinner kennen und können sich mit anderen Industrien austauschen.

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„Smart Factory Day“
Am Folgetag, dem 7. November 2019, bringt der „Smart Factory Day“ die Produktionsexperten zusammen. Im Mittelpunkt stehen smarte technische Lösungen und wirtschaftliche Überlegungen zu geringeren Herstell- und Anlaufkosten, höherer Flexibilität, der Auslastung und der Qualität.

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Bosch Diesel s.r.o., Werk Jihlava

Im Bosch-Werk Jihlava in Tschechien fertigen rund 4.300 Mitarbeiter vor allem Hochdruckdieseleinspritzpumpen für Motoren. Der Automobilzulieferer setzt dort die Prinzipien des Bosch Produktion Systems (BPS) um und überträgt sie in die Wertströme. Das BPS beschreibt einen Qualitätsansatz, der die Wertschöpfungskette durch vorausschauendes Handeln und Vernetzung möglichst verschwendungsarm gestaltet.

Zum Beispiel setzt das Unternehmen Augmented-Reality-Anwendungen und Big-Data-Analysen ein, die weitgehend im eigenen Haus entwickelt wurden. Bei „Green“-Ansätzen sieht die Konzernstrategie vor, schon im Jahr 2020 klimaneutral zu werden – deshalb ist das Effizienz-Niveau in allen Unternehmensbereichen bereits hoch. Bosch nimmt im Werk seit mehreren Jahren regelmäßig Energiewertströme auf und optimiert sie. Umwelt- und ressourcenschonende Maßnahmen stehen seit mehreren Jahren im Fokus.

Auch bei Abfalltrennung und Recycling hat das Unternehmen viel erreicht: 98 Prozent der Abfallstoffe werden im Werk sortenrein getrennt. Außerdem koppelt der Zulieferer Verbräuche der Infrastruktur mit den Produktionsdaten.

Iveco España S.L. Werk Madrid

Iveco fertigt mit knapp 2.500 Mitarbeitern im Stammwerk in Madrid Lkws mit Diesel- und Gasmotoren auf einer Linie. Die Auditoren und die Jury überzeugte die tief verankerte Verbesserungskultur, die jeden Mitarbeiter integriert und in einem herausragenden Teamgeist vorangetrieben wird. So gelingt es laut der Jury im Werk Madrid mit herausragenden Standards beeindruckend viele Verbesserungsvorschläge umzusetzen – fast 30 pro Jahr und Mitarbeiter.

Besonders beeindruckend ist zudem, dass Green-Themen Teil der Team- und Verbesserungskultur sind, bei der sich alle Mitarbeiter mit den Themen Umweltschutz und Energieeffizienz identifizieren. Zum Beispiel sind beide Bereiche integraler Bestandteil des WCM, außerdem definierte Iveco spezifische Green-Verschwendungsarten. So misst und reduziert das Unternehmen im Produktionssystem den Ressourcenverbrauch, fordert CO2-Bilanzen von Lieferanten ein und wertet die Auswirkung des Werkes auf die umliegende Artenvielfalt über einen Biodiversitätsindex aus.

Fiat Chrysler Automobiles (FCA) Werk Bielsko-Biała

Knapp 2.200 Mitarbeiter fertigen im Werk in Bielsko-Biała im Süden von Polen vor allem kleine Benzin-Motoren bis 1.3 Liter. Im Werk setzt der Automobilhersteller laut Jury das World Class Manufacturing beeindruckend um und gehört zu den absolut besten Werken der Fiat-Chrysler-Automotive-Gruppe. „World Class Manufacturing“ beschreibt ein Produktionssystem, das mit Blick auf das gesamte Unternehmen hohe Standards setzt und Verschwendung minimiert.

So ist „Null Verschwendung“ das treibende Prinzip, das Fiat Chrysler in die jeweiligen Prozesse herunterbricht. Der Hersteller differenziert im Werk laut Jury auf höchstem Niveau zwischen Wertschöpfung und Verschwendung. Daraus resultieren eine extrem hohe Mitarbeiterproduktivität und Anlagenverfügbarkeit.

Die Effektivität an den Linien erreicht demnach deutlich über 95 Prozent. Energie- und Umweltverschwendungsarten identifiziert und reduziert der Automobilhersteller fortlaufend. Dazu gehört ein extrem hohes Level an Transparenz über die Energieverbräuche der Anlagen. Im Werk werden zudem Produkt-Ökobilanzen initiiert, um auch eigene Herstellprozesse umweltfreundlich zu gestalten.

Über den Lean & Green Award

Seit 2012 führen die Beratungsunternehmen Growtth Consulting und Quadriga Consult den Award durch. Jedes Jahr stellen sich zahlreiche Produktionsstandorte dem Benchmarking – und erhalten im Gegenzug ein detailliertes und praxisnahes Feedback bei einem eintägigen Vor-Ort-Assessment durch die Lean-und-Green-Experten.

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