Elektromobilität

Erste Fahrt mit Volkswagens ID Neo

| Autor / Redakteur: Benjamin Bessinger/SP-X / Sven Prawitz

Das neue Modell kommt zwar erst Anfang 2020 in den Handel, doch die Prototypen sind schon unterwegs.
Das neue Modell kommt zwar erst Anfang 2020 in den Handel, doch die Prototypen sind schon unterwegs. (Bild: Ingo Barenschee/Volkswagen)

E-Up und E-Golf waren nur das Vorspiel: Mit der ID-Familie will VW endlich ernst machen mit dem Wechsel zur Elektromobilität. Am Anfang der Umstellung steht dabei der ID Neo, Batterie-Bruder des Golf. Wir konnten den Prototypen fahren.

Frank Welsch probt den elektrischen Ernstfall. Und das kann man wörtlich nehmen. Denn der VW-Entwicklungschef ist gerade in Südafrika unterwegs und testet den ID Neo, das erste Auto einer neuen Modellfamilie, mit dem VW reichlich spät mit dem Strom schwimmen und endlich so richtig in der Ära der Akku-Autos ankommen will. Schließlich ist der ID keine halbgare Umrüstung wie E-Up und E-Golf, sondern wurde erstmals komplett um die Batterie herum entwickelt. Deshalb fangen die Niedersachsen quasi bei Null an und haben ein entsprechend strammes Programm für Entwicklung und Erprobung. „Viel mehr als die Türgriffe, ein paar Scharniere und die Zwölf-Volt-Batterie haben die ID-Modelle mit dem Rest der Palette nicht gemein“, sagt Frank Bekemeier, der die Entwicklung leitet.

Normalerweise geschieht das im Geheimen: Doch weil die Konkurrenz schon eine, zum Teil sogar zwei Fahrzeuggenerationen voraus ist, gackern sie in Wolfsburg ausnahmsweise auch schon über ungelegte Eier und bitten sogar zur ersten Testfahrt mit ihren Prototypen. Die erinnern bei Format und Fahrleistungen nicht von ungefähr an einen guten alten Bekannten: den Golf. „Denn wir wollen mit dem ersten ID-Modell die gleichen Kunden ansprechen“, sagt Welsch und skizziert deshalb vergleichbare Eckdaten: Die Länge wird irgendwo bei 4,25 Metern liegen, die Leistung des E-Motors an der Hinterachse bei etwa 150 kW/204 PS, die Höchstgeschwindigkeit im besten Fall bei 180 km/h und der Preis bei unter 30.000 Euro – „so viel wie man für einen ähnlich gut ausgestatteten TDI bezahlen müsste“.

Daimler: „Das Lieferantenumfeld verändert sich“

Interview mit Klaus Zehender

Daimler: „Das Lieferantenumfeld verändert sich“

20.06.18 - Mercedes-Benz Einkaufschef Klaus Zehender spricht im Interview mit »Automobil Industrie« über die zunehmende Bedeutung von Einkauf und Lieferantenqualität bei der Elektromobilität. lesen

Neuartiges Interieurdesign

Kurz danach sind die Parallelen zwischen der alten und der neuen Welt allerdings auch schon erschöpft. Im Schlechten, weil der ID Neo allenfalls mit dem größten seiner drei Akkupakete auf eine WLTP-Reichweite von 550 Kilometern kommt und so mit dem durstigsten Golf mithalten kann, während das Einstiegsmodell wohl nach 330 WLTP-Kilometern an die Steckdose muss. Und im Guten, weil der elektrische Erstling alle Vorzüge der neuen Architektur nutzt, deshalb zehn Zentimeter mehr Radstand hat und entsprechend mehr Platz bietet. Erst recht, weil die Niedersachsen konsequenterweise den Kardantunnel weggelassen haben, der sonst im Fond den Fußraum mindert.

Außerdem bekommt der Neo ein Cockpit, das seinem Namen gerecht wird. Statt des üblichen Layouts mit großem Bildschirm unter einer breiten Hutze gibt es nur noch ein kleines Display, das frei hinter dem Lenkrad steht und daneben einen um so größeren Touchscreen. Die Grafiken sind frisch und kunterbunt, statt Schaltern gibt es überall nur noch Sensor-Felder, an der Frontscheibe flimmert die nächste Generation von Head-Up-Display und mit der Sparachsteuerung ohne einstudierte Befehle und einem Feedback im neuen LED-Streifen unter der Frontscheibe soll der Dialog zwischen Mensch und Maschine eine neue Dimension erreichen.

ID Neo hat kleineren Wendekreis als der VW Up

Das Fahren mit dem ID Neo ist dagegen so unspektakulär wie mit einem Golf. Einsteigen, anlassen, losfahren – selbst die neue Bedienung geht einem irgendwie auf Anhieb von der Hand. Dass man sich trotzdem ein wenig umstellen muss, liegt weniger am Set-Up von Lenkung und Fahrwerk, das ohnehin noch längst keinen finalen Stand hat. Und auch nicht an der Ruhe an Bord, weil zumindest bei den Prototypen ständig der Wind an der Tarnfolie zupft und die Reifen viel zu laut abrollen. Sondern Schuld daran ist der deutlich kleinere Wendekreis. Weil im Motorraum mehr Platz ist, können die Räder weiter einschlagen und der ID Neo kratzt schneller die Kurve. Nicht einmal so viel Platz wie ein Up braucht er für eine 180-Grad-Wende. Das kann ja nicht schaden, wenn man einen derart radikalen Kurswechsel anführen soll.

VW: Letzte Verbrenner-Plattform kommt 2026

Elektromobilität

VW: Letzte Verbrenner-Plattform kommt 2026

05.12.18 - Der VW-Konzern will im Jahr 2026 die letzten Fahrzeuge auf einer Plattform für Verbrennungsmotoren herstellen. VW-Chefstratege Michael Jost sprach über die Neuausrichtung von Volkswagen in puncto Antrieb auf dem „Autogipfel“ in Wolfsburg. lesen

Die Bedeutung des ID Neo für die Marke VW und den gesamten Konzern kann man kaum groß genug einschätzen. Nicht umsonst soll seine Plattform allein bis 2022 mehr als zwei Dutzend Modelle tragen und so den größten Beitrag dazu leisten, das bis 2025 jeder fünfte VW mit Batterie statt Benzintank verkauft wird. Sie sind zwar wie immer ein bisschen spät dran. Aber es wird auch in Wolfsburg so langsam ernst mit der elektrischen Revolution und Männer wie Welsch und Bekemeier sind gut beraten, diesen Ernstfall gründlich zu erproben: „Denn Fehler können wir uns bei diesem ambitionierten Plan keine erlauben.“

Lithium-Ionen-Batterien: eine Menge Potenzial

Elektromobilität

Lithium-Ionen-Batterien: eine Menge Potenzial

25.05.18 - Die Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien ist noch lange nicht am Ende und auch bei der potenziellen Nachfolgerin mit Feststoff-Elektrolyt ist die optimale Werkstoffkomposition noch nicht gefunden. Die technischen Ansätze sind vielfältig – und oft nur wenig erforscht. lesen

Kommentare werden geladen....

Kommentar zum Beitrag schreiben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45658568 / Automobile)