Nachhaltigkeitsziele ESG-Ratings für Automobilzulieferer: Keine Pflicht und dennoch ein Muss

Gesetzgeber und Kapitalgeber fordern vermehrt ESG-Ratings ein, Nachhaltigkeitsziele in Umwelt- Sozial- und Unternehmensfragen. Wie schaffen mittelständische Automobilzulieferer die Gratwanderung zwischen hohem Aufwand und green labeling?

Automobilzulieferer müssen nachhaltiger werden – das wirkt sich auch auf ihre Kreditwürdigkeit aus.
Automobilzulieferer müssen nachhaltiger werden – das wirkt sich auch auf ihre Kreditwürdigkeit aus.
(Source : Susanne Seiler)

Autofahrer mit grünem Gewissen fahren elektrisch. Wirklich? Die Batterie spuckt zwar kein CO2 aus, hat es aber dennoch in sich. Genauer gesagt Kobalt und Lithium. Kobalt kommt immer noch zu großen Teilen aus dem Kongo, wo meist Kinder in ungesicherten Kleinstminen das wertvolle Erz aus dem Gestein klopfen. Das Abwasser aus der Lithiumwäsche wiederum enthält Chemikalien und Schwermetalle, die oft ungefiltert ins Grundwasser gelangen. Diesen Entwicklungen wollen Verbraucher, Politik und zunehmend auch die Autohersteller selbst entgegenwirken. Environment, Social, Governance – kurz ESG – ist das Gebot der Stunde.

Kein Rating, kein Projekt

Große börsennotierte Autobauer müssen per Gesetz Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen. Die darin formulierten Ziele, Ergebnisse und Pläne reichen dabei über die eigenen Werktore hinaus. Um sich nicht mit dem Scheinwerfer oder Akku noch einen großen CO2-Fußabdruck einzukaufen, legen die OEMs Wert auf Audits wie Eco-Management and Audit Scheme (EMAS) oder Zertifizierungen nach der Umweltmanagementnorm ISO 14001. Doch die Anforderungen verschärfen sich: Zunehmend knüpfen die Autohersteller an ihre Aufträge ESG-Vorgaben. Diese Erfahrung hat auch der Zulieferer Preh gemacht: „Bei einzelnen OEMs werden immer mehr die Projektvergaben direkt vom Vorhandensein von ESG-Aktivitäten abhängen“, bestätigt Rui Marques Dias, CFO des nordbayerischen Herstellers von Bediensystemen und Elektronik für Elektromobilität.