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Das Round-Table-Gespräch
Im Jahr 2025 – so prophezeit es die Automobilindustrie – wird das vollautomatisierte Fahren in bestimmten Szenarien möglich sein. Wie realistisch ist dieser Zeitplan?
Christian Senger: Zunächst sieht man ja, welche Fortschritte die Fahrerassistenz in den letzten Jahren bereits gemacht hat. Deshalb denken wir, dass technisch der Sprung zum hochautomatisierten Fahren sogar bis zum Jahr 2020 vorstellbar ist. Allerdings müssen auch Gesetze und Versicherungsmodelle angepasst werden. Daher gehen wir davon aus, ab 2025 über eine Vollautomatisierung reden zu können. Die Betonung liegt auf „ab“. Eines ist zudem zu beachten: Es reicht nicht alleine aus, zuverlässige Systeme zu entwickeln. Der Konsument muss diese auch wollen. Und zwar nicht nur die Personen im Fahrzeug, sondern auch die außerhalb. Für uns ist dieses eine Kommunikationsaufgabe: Wir müssen noch mehr als bisher den Endverbraucher über Sinn und Nutzen solcher Systeme informieren und aufklären. Feedback erhalten wir von verschiedensten Stellen. Viele sehen ähnliche Schwierigkeiten, manchen – besonders IT-Unternehmen – ist unser Vorstoß aber sogar noch zu konservativ gedacht.
Volker Scholz: Meines Erachtens will der Konsument das vollautomatisierte Fahren als Funktion nur dann, wenn er die Zeit im Fahrzeug sinnvoll nutzen kann. Dazu müssen die OEMs den Innenraum so gestalten, dass der Fahrer komfortabel Arbeits- oder Freizeitaktivitäten ausüben kann, die attraktiver sind als die ehemalige Fahraufgabe bzw. die Fahrfreude.
Gerhard Baum: Ich glaube, dass noch ein weiterer Effekt greifen wird: Für die jüngere Generation ist es völlig normal, mit einem Smartphone etc. jederzeit online zu sein. Daraus ergibt sich eine völlig neue Erwartungshaltung an ein Produkt. Für viele junge Menschen ist ein Smartphone wichtiger als ein Führerschein. Das Auto ist nicht mehr das „most attractive product“. Es besteht ein großer Druck, wieder ein Produkt zu liefern, das ganz anders wahrgenommen wird und die Erwartungshaltung der kommenden Generation erfüllt.
Matthias Schulze: Ich denke auch, dass das Bedürfnis der Menschen, die Fahrzeit anderweitig zu nutzen, ein ganz wesentlicher Treiber des autonomen Fahrens ist. Dabei ist der Zeitplan bis 2025 nicht unrealistisch. Jedoch werden wir dann sicher noch nicht autonom in der Stadt fahren. Es wird zunächst mit autonomen Fahrfunktionen in bestimmten Situationen – wie der Autobahn – starten.
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