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Ein großer Bestandteil des automatisierten Fahrens ist die Vernetzung. Es fallen immense Datenmengen an. Welche Weichen gilt es hier noch zu stellen?
Baum: Das Thema Vernetzung stellt uns allgemein vor eine Herausforderung, wenn wir über das „Internet der Dinge“ sprechen. Es existieren heute Milliarden Geräte und Sensoren, die Daten erfassen und miteinander kommunizieren. Das Auto ist eines davon. Dort kommen unglaublich viele verschiedene Daten aus verschiedenen Quellen zusammen. Das können zum Beispiel Sprach- oder Videodaten sein, in strukturierter oder unstrukturierter Form. Es mussten neue Architekturen entwickelt werden, die innerhalb kürzester Zeit Daten empfangen, verarbeiten und wieder zurückspielen können.
Man muss aber auch bedenken, dass die Verbindung zwischen Fahrzeug und Backend unterbrochen werden kann – zum Beispiel durch einen Tunnel oder ein Funkloch. Daher brauchen wir die Kombination aus Vernetzung und Sensorik im Auto.
Schulze: Für das hochautomatisierte Fahren können wir nicht auf die Vernetzung, bzw. einen Car-to-X-Standard setzen. Das Fahrzeug muss letztendlich alleine in der Lage sein, seine Umwelt wahrzunehmen.
Wer schafft den Kundenanreiz für hoch- bzw. vollautomatisierte Fahrzeuge? Allein die Automobilindustrie? Oder auch Partner, die zum Beispiel aus der IT-Branche kommen?
Baum: Die Frage nach Ursache und Wirkung ist sehr wichtig. Eine Firma wie Apple hat in diesem Prozess beispielsweise sehr intuitiv gespürt, welchen Mehrwert ein Smartphone für den Käufer hat. Im Umfeld eines komplexeren Produktes, wie einem Fahrzeug, ist dies deutlich schwieriger. Die Unternehmen werden darauf verschiedene Antworten finden. Manche bessere, manche schlechtere. Es geht um Komfort, Produktivität und Personalisierung, damit das Auto gerade für die junge Generation wieder zu einem Top-Produkt wird, das ihre Ansprüche optimal erfüllt.
Schulze: Der erste Schritt ist, Funktionen wie E-Mail und soziale Netze ins Fahrzeug zu bringen. Es ist aber auch denkbar, dass sich aus dem autonomen Fahren heraus neue Funktionen und Anforderungen ergeben.
Scholz: Im Prinzip schafft man mit dem autonomen Fahren freie Zeit. Daher ist es wichtig, sich anzuschauen, wie die Menschen ihre Zeit verbringen. Sie schlafen, schauen Filme, essen, surfen im Internet, arbeiten oder treiben Sport. Es ist Aufgabe der OEMs, den Anreiz und die Möglichkeiten zu schaffen, die Zeit im Fahrzeug mit den individuell gewünschten Tätigkeiten zu verbringen. Natürlich spielen dabei auch die Zulieferer eine wichtige Rolle. Einerseits klassische Zulieferer, beispielsweise für Infotainment- oder Sicherheitssysteme. Aber auch eine neue Art von Zulieferern oder Partnern – insbesondere aus der Medien- und Internetbranche.
Senger: Um diesen Stern am Himmel zu erzeugen, wird auch das HMI eine wichtige Rolle einnehmen. Stichwort: „Augmented Reality“. Wir haben ein Auto mit Augen und Ohren, das seine Umwelt wahrnimmt und Informationen an den Fahrer weitergibt. Dabei kennzeichnet es für den Fahrer relevante Objekte, Straßen, Fahrzeuge oder Menschen. Das ist eine völlig neue Erfahrung. Es geht darum, Ikonen zu schaffen. Der Mensch ist immer auf der Suche nach dem „Mehr“. Damit haben wir in der Automobilindustrie gute Erfahrungen gemacht. Solch sichtbare Ikonen und erlebbaren Mehrwert wie beispielsweise beim Augmented-Reality-Head-up-Display brauchen wir auch für das automatisierte Fahren.
Sapountzis: Hinsichtlich des HMI denke ich, dass sich die Bedienung stark verändern wird, zum Beispiel in Richtung illuminierter Flächen, die sich je nach Anwendung variabel anpassen. Der gesamte Innenraum wird sich stark verändern. Vielleicht kann am Ende des Projekts „autonomes Fahrzeug“ sogar darüber nachgedacht werden, klassische Rückhaltesysteme, wie sie heute existieren, zu reduzieren. Über dieses Szenario haben wir bei TRW tatsächlich schon nachgedacht. Aktuell gehen wir von einer stärkeren Individualisierung und Sensibilisierung der Rückhaltesystemfunktion bezogen auf den Insassen und „potenzielle“ Unfallbedingungen aus.
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