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Durch das gesamte Thema gelangen neue Teilnehmer in die Wertschöpfungskette. Besteht untereinander eine ausreichend starke Zusammenarbeit?
Schulze: Man kann nicht alle Komponenten und Bereiche des autonomen Fahrens „in house“ entwickeln. Dafür braucht man Partner. Allerdings befinden wir uns bei dem gesamten Thema noch in einem relativ frühen Stadium. Welche Partner man letztendlich braucht, kristallisiert sich jetzt langsam heraus. Hochgenaues Kartenmaterial oder das Backend sind nur zwei Stichworte.
Senger: Die Automobilindustrie muss sich gegenüber der IT-Industrie öffnen – und andersherum. Das sind bisher zwei recht inkompatible Branchen. Wir als Firma Continental machen bereits schon sehr gute Erfahrungen in unserer Kooperation mit IBM, die wir im vergangenen Jahr bekanntgegeben haben. Die großen Zulieferer haben wiederum eine gute Basis in der Zusammenarbeit mit den OEMs.
Baum: Es wird ein neues Ökosystem entstehen. Wenn dabei die Automobilindustrie nicht schnell genug ist, werden andere die Chance wahrnehmen. Daher ist es nicht ratsam abzuwarten. Jeder sollte sich schon jetzt Gedanken machen, welchen Beitrag er leisten möchte.
Scholz: Das autonome Fahrzeug wird auch ein vernetztes Fahrzeug sein. Hier entstehen neue Geschäftsmodelle, zum Beispiel auf Basis des Verwertens und Bereitstellens von Daten des Fahrzeugs und der Nutzer. Stellt der Nutzer diese Daten zur Verfügung, erhält er im Gegenzug voraussichtlich bestimmte Mehrwertdienste – ähnlich wie heute schon im Bereich der Echtzeit-Verkehrsdaten-Realität.
Wenn wir beispielsweise Google mit seinem Driverless Car betrachten, stellt sich die Frage: Was ist die Motivation dahinter? Will Google zum Fahrzeughersteller werden? Wohl kaum – das Unternehmen strebt an, ein Teil der Wertschöpfungskette und der Geschäftsmodelle rund um die Fahrzeugnutzung zu sein.
Mit vollautomatisierten Autos könnten auch körperlich beeinträchtigte oder sehr alte Menschen Auto fahren. Wäre das ein weiteres Potenzial für die Technik?
Schulze: Denkbar ist das auf jeden Fall. Allerdings wäre das eine relativ kleine Gruppe. Eine größere Gruppe sind dagegen generell Menschen ohne Führerschein. Vor zwei Jahren wurde im Rahmen einer weltweiten Studie ein Use Case eines sogenannten fahrerlosen Bestellautos untersucht, also ein Auto, das man sich wie ein Taxi rufen und an ein gewünschtes Ziel fahren lassen kann. Dieses Konzept kam besonders in Brasilien und China sehr gut an, da dort viele Menschen keinen Führerschein haben und sich damit selbstbestimmt bewegen könnten.
Senger: Wir sind sicher gut beraten, vollautomatisierte Fahrzeuge nicht unter dem Siegel „seniorengerecht“ zu vermarkten. Es muss eher in Richtung automobiles Smartphone mit einem hohen „Coolness-Faktor“ gehen. Das spricht alle Generationen an – auch die ältere Altersgruppe. Denn die Sehnsucht, jung zu sein, steckt in uns allen.
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